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»Stille einkehren lassen«

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Der Kirchenchor, die Schönauer Sänger und der Sunnseitn Dreigesang begeisterten die Besucher und ernteten für ihre weihnachtlichen Darbietungen großen Applaus. (Fotos: Schöbinger)
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Die Lockstoa- und Okarina Musi.

Bischofswiesen/Winkl – Bekannte Musikanten und Sänger haben die Besucher in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Johann Nepomuk in Winkl am vierten Advent auf Weihnachten eingestimmt. Das Adventssingen wird seit 39 Jahren von Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung veranstaltet, wie Pfarrer Bernhard Bielasik zu Beginn betonte.


Den Anfang machte das Bischofswieser Bläserquartett, das von der Orgelempore aus eine adventliche Weise spielte. Den Reigen der gesanglichen Darbietungen eröffneten die Kirchenchöre aus Bischofswiesen und Winkl unter Chorleiterin Angelika Hanke. Die Sänger ließen ihr überragendes Können bei Stücken wie »Meine Seele erhebt den Herrn« aus dem Deutschen Magnifikat von Heinrich Schütz und »Tröstet mein Volk« hören.

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Die vier Musikanten der Lockstoa-Musi, diesmal nicht auf der Bühne des Mozarteums, aber in gleicher musikalischer Qualität, hatten als ersten Beitrag den Rauriser Landler ausgewählt – ein teils ruhiges, teils munteres Stück. Nun erfreuten die Männerstimmen der Schönauer Sänger sicher in Auftritt und Vortrag mit »Güldener Rosenkranz« die zahlreichen Besucher. Danach war die Winkler Geigenmusik mit ihrer Hirtenmusik zu hören.

Wie im Vorjahr setzten die Darbietungen der Okarina-Musi mit Ursula Eder und Sili Stöckl einen besonderen Akzent. Die Okarina, italienisch Gänschen, übernahm mit hellem und frohem Ton die Stimmführung bei allen Stücken, während Silvia Bernegger von der Lockstoa-Musi an der Harfe die schöne Melodie des »Weyarner Menuetts« souverän begleitete. Bereits im ersten Programmteil konnte der Sunnseitn Dreigesang mit einem »Geht's Briader, wisst's« zum positiven Gesamteindruck des Abends beitragen. Umso mehr gelang dies den Schwab-Schwestern aus Marktschellenberg mit Fritz Reisenbichler beim temperamentvollen Vortrag des Hirtenliedes »Juche und hospa«, wobei nicht nur Eva Schwab mit ihrem lupenreinen Sopran stimmlich überzeugte.

Sprecher Pfarrer Bielasik hatte für den Abend, ausgehend vom Sonntagsevangelium »Begegnung von Maria und Elisabeth«, entsprechende Thementexte ausgewählt, wie die Begegnung einer Sozialarbeiterin mit einer Strafgefangenen oder hochaktuell die Willkommenskultur. Überzeugend war seine Interpretation zum Ave Maria, indem er diese Begrüßungsformel mit ihrem hohen Stellenwert in unseren Alltag verlegte. Diese Botschaften des Pfarrers wurden musikalisch unterlegt durch treffend ausgewählte Musikstücke und Lieder der einzelnen Gruppen. Wer wie die Familie Fischer aus der Schönau stammt, kann das Lied »Lenzei und Loisei« besonders authentisch vortragen. Das Stück »Schubkarrn-Boarischer« mag vom Titel her fremd anmuten, doch von der Lockstoa-Musi so beschwingt, so flott und rhythmisch gespielt, hörte man adventliche Freude heraus.

Alle Auftritte waren geprägt vom harmonischen Zusammenspiel und von fein aufeinander abgestimmten Sängern. Gemeinsam trugen sie so zum Gelingen des Adventssingens bei. Harfenistin Silvia Bernegger tat dies nicht nur bei ihrer Lockstoa-Musi, sondern auch als dezente wie exzellente Begleiterin der beiden Gesangsgruppen. Zwischendurch ließen sich die Bischofswieser Bläser mit sonoren, freudig getragenen Weisen hören. Pfarrer Bielasik fragte, was einen guten Menschen ausmache und stellte die Flucht der Heiligen Familie in Bezug zur Jetztzeit: »Was hat sich seit 2 000 Jahren geändert?«

Für Programmgestalter ist es stets eine besondere Herausforderung, in der Abfolge der Beiträge Spannung und Aufmerksamkeit zu erreichen und zu halten. Dies gelang heuer uneingeschränkt, da alle Gruppen nochmals mit musikalischen Höhepunkten aufwarteten. Sei es der gemeinsame Kirchenchor mit dem Lied von Kathi Stimmer-Salzeder »A Liacht in da Dunkelheit«, das Bläserquartett mit dem »Gute Nacht Stückl« oder die Winkler Geigenmusik mit einem Deutschen Tanz von W. A. Mozart.

Pfarrer Bielasik sprach Dankesworte und erteilte den Segen, beides untermalt von der Lockstoa-Musi. Der Sunnseitn Dreigesang stimmte den Andachtsjodler an und viele, wenn nicht sogar alle, sangen mit. Pfarrer Bielasik hatte schon eingangs gesagt: »Stille einkehren lassen, damit Herzen auftauen.« fb

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