weather-image
19°

Stille hören und Natur genießen bei familiärer Wallfahrt

4.3
4.3
Bildtext einblenden
Kurzes Standkonzert der Almer Musikanten an der Eisbach-Mündung.
Bildtext einblenden
Nasse Ankunft nach 32 Kilometern und 1400 Höhenmetern am Königssee. Weitere Bilder unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. (Fotos: Vietze)
Bildtext einblenden
Die Holzknechte vom Nationalpark hatten wieder Begrüßungsbier dabei. Das schmeckte sogar den Badenden.

Schönau am Königssee – Rund 500 Menschen waren bei der diesjährigen Wallfahrt von Maria Alm nach St. Bartholomä mehr gefordert als die letzten Jahre. Wegen Starkregens mussten sich die Wanderer am Samstag noch mehr konzentrieren als sonst.


Der Empfang am Eisbach durch verschiedene Honoratioren der Gemeinde Schönau am Königssee löste bei den Pilgern einerseits Begeisterung aus, andererseits war Erschöpfung erkennbar. Zusammenhalt war ein besonders wichtiges Anliegen aller Teilnehmer.

Anzeige

Am Eisbach warteten am Samstagnachmittag bereits die Holzknechte des Nationalparks Berchtesgaden, um die Wanderer mit reichlich Bier und Musik zu empfangen. Einige Teilnehmer hatten wegen des Dauerregens nicht allzu viel Durst und gingen sofort in Richtung St. Bartholomä. Bürgermeister Hannes Rasp aus Schönau am Königssee, der letztes Jahr selbst mitgegangen war und dieses Jahr die Wallfahrer begrüßte, zeigte Verständnis dafür. »Einige wollen nach dem langen, anstrengenden Fußmarsch nur noch in warmer Unterkunft einkehren«, meinte er.

Viele zeigten sich dennoch unbeeindruckt vom Wetter. Manche sprangen sogar bei kühlen Temperaturen in den Königssee. Sie wollten nach so langer Strecke ihre Befreiung ausdrücken. Schließlich hatten die Wallfahrer insgesamt 32 Kilometer und 1 400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg bewältigt. Sie waren von Maria Alm über das Steinerne Meer und das Kärlingerhaus nach St. Bartholomä gegangen.

Am Eisbach standen sich das Empfangskomitee und die Almer Wallfahrer gegenüber. Zum Empfangskomitee gehörten neben Bürgermeister Hannes Rasp auch dessen Vorgänger Stefan Kurz sowie stellvertretender Bürgermeister Richard Lenz und Schifffahrtsdirektor Michael Grießer. Auf der anderen Seite standen Vorgeher Georg Imlauer, verschiedene Geistliche sowie Maria Alms Bürgermeister Alois Gadenstätter. Die Almer Musiktrachtenkapelle spielte zu diesem Anlass zwei Marschlieder.

Zur Bilderstrecke:

»Je schlechter das Wetter, desto weniger Verletzte«

Zudem gab es heuer keine Unfälle während der ganzen Wanderung. Verantwortlich für diese erfreuliche Nachricht war vor allem Vorgeher Georg Imlauer. Er bestimmte den Ablauf der Wallfahrt. »Ich muss unter anderem gezielt Pausen setzen, damit alle unfallfrei ankommen«, so Imlauer. Seit 17 Jahren ist Imlauer Vorgeher der Almer Wallfahrt, er nahm bereits 48 Mal an diesem Ereignis teil.

Aus eigener Erfahrung weiß der Vorgeher, dass es bei schlechtem Wetter sogar weniger Verletzte gibt. Weil: Die Wanderer bereiten sich besser vor und konzentrieren sich mehr auf den Gehweg. Gute Vorbereitung sei wichtig für eine gute Wallfahrt. Über den reibungslosen Ablauf trotz des Starkregens freute sich auch Pater Kajetan. Er sprach von einer Ironie des Schicksals. »In letzter Zeit war durchgehend Hitze und Trockenheit. Ausgerechnet zur Wallfahrt fängt es an zu regnen«, sagte Kajetan. Viele Leute seien aber nicht geschockt, sondern haben sich nach Regen gesehnt.

Die Almer Wallfahrt entstand im Jahr 1635. Saalfeldener riefen diese Aktion ins Leben, weil sie sämtliche Pestepidemien überstanden hatten. Ursprüngliches Ziel war Bad Dürrnberg bei Hallein. Da im Jahr 1681 beim Kentern des Floßes 71 Personen im Königssee ertranken, endete seitdem die Wallfahrt in St. Bartholomä. Nach dem Ersten Weltkrieg ging der Brauch verloren. 1951 reaktivierte die Almer Musikkapelle diese Tradition.

Bildtext einblenden
Nasse Ankunft nach 32 Kilometern und 1400 Höhenmetern am Königssee. Weitere Bilder unter www.berchtesgadener-anzeiger.de. (Fotos: Vietze)

Maria Alms Bürgermeister Alois Gadenstätter ist froh über das bestehende Brauchtum. Die Trachtenmusikkapelle Maria Alm richtet es jedes Jahr aus. Gadenstätter selbst ist Mitglied der Musikanten und nahm bereits zum 47. Mal teil. »Es ist jedes Jahr wieder etwas Besonderes«, betonte er.

»Schöne Begegnungen an der Landesgrenze«

Franz Auer ging heuer zum ersten Mal als Pfarrer von Maria Alm mit. Privat war er schon öfters dabei. Er sprach von schönen Begegnungen. »Wir waren nicht viele. Aber so kann man besser Kontakte knüpfen. Es wirkte familiär«, so Auer. Nur ab dem Kärlingerhaus entwickelte sich der Fußmarsch durch verstärkten Regen noch mal zu einem Kraftakt. Pfarrer Auer erzählte auch von einer schönen Erfahrung an der Grenzhütte. Dort gewährten Polizeichef Willi Handke und zwei Zöllner den Pilgern Einlass in das bayerische Land.

Der Schönauer Pfarrer Herwig Hoffmann vertrat ebenfalls die Meinung, dass diese Wallfahrt einen familiären Charakter hatte. »Bei 500 Leuten war die Wanderung deutlich ruhiger als sonst. Wir konnten wirklich die Stille hören und die Natur genießen«, meinte Hoffmann.

Bildtext einblenden
Die Holzknechte vom Nationalpark hatten wieder Begrüßungsbier dabei. Das schmeckte sogar den Badenden.

Diese Familienstimmung geht bis nach Unterfranken. Das Ehepaar Lothar und Rita Riedel nimmt seit 16 Jahren an der Almer Wallfahrt teil. Sie gingen auch schon durch Schnee, Hitze oder Regen. »Dieser Weg gibt mir die Gelegenheit, mich zu entspannen und über alles nachzudenken«, so Lothar Riedel.

Die Almer Musikanten mussten sich am meisten anstrengen, denn das Tragen ihrer Instrumente belastete sie zusätzlich. »Es ist sehr anstrengend, wenn man acht Stunden lang eine Posaune und das ganze Trachtengewand mit sich schleppt«, erklärte Philias Lackner. Trotzdem haben insgesamt 40 Musikanten alles heil überstanden. Mit der Andacht in der Kapelle St. Bartholomä endete die Wallfahrt. Patrick Vietze