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Stolz auf das Holz

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Kohlemachen mit Holzmachen: Der Forstbetrieb Berchtesgaden steht wirtschaftlich ausgezeichnet da. Foto: privat
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Kennt jeden Millimeter seines Aufgabengebiets: Forstbetriebsleiter Dr. Daniel Müller Anzeiger-Foto

Berchtesgaden - Die gute Nachricht: Der Forstbetrieb Berchtesgaden hat mit einem Gewinn von 2 Millionen Euro ein Rekordergebnis eingefahren. Die Schlechte: So schnell wird sich das nicht wiederholen. Denn die Holzpreise auf dem Weltmarkt fallen. Aber der Forstbetrieb macht mehr als nur Holz. Das betonte Betriebsleiter Dr. Daniel Müller bei der Vorstellung der Jahresbilanz: »Unsere Wertschöpfung ist nicht nur finanzieller Natur.«


Der Forstbetrieb pflegt den Wald. Und alles, was dazugehört. Zum Beispiel die Burgruine Karlstein. Die hat der Betrieb für 320 000 saniert. Hinzugekommen sind noch 40 000 für neue Metalltreppen. Auch die Theresienklause erstrahlt in neuem Glanz. Deren Instandsetzung bedeutete einen ungeheuren logistischen und finanziellen (80 000 Euro) Aufwand.

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»Den Bagger mussten wir per Hubschrauber rauffliegen lassen«, berichtete Müller, dem man anmerkte, dass ihm seine Arbeit Spaß macht. Immer dann, wenn er spannende Details preisgab. Zum Beispiel, dass der Bagger so schwer war, dass sein Gewicht die maximale Traglast des Hubschraubers ausgereizt hat. »Deshalb ist der Pilot immer frühmorgens geflogen, wenn die Luft am kältesten war. Denn je kälter die Luft, desto weniger müssen die Rotoren leisten.« Der Forstbetrieb Berchtesgaden, dessen Aufgabengebiet vom Untersberg bis zum Waginger See reicht, konnte heuer auch den Moorerlebnis-Wanderparkplatz im Schönramer Filz eröffnen.

Dass der Forstbetrieb nachhaltig wirtschaftet, ist gleich von zwei Institutionen bestätigt worden. Vom PEFC-Audit und vom Obersten Rechnungshof. Außerdem hat das staatliche Unternehmen das Zertifikat »berufundfamilie« für familienbewusste Personalpolitik erhalten.

Gut zurecht kommt das Forstunternehmen auch mit dem Borkenkäfer. In den Wäldern des Forstbetriebs halten sich seine Schandtaten in sehr engen Grenzen. Nur 8 500 Kubikmeter Holz hat er beschädigt. Das entspricht etwa 8 Prozent des Gesamtbestandes. »Wir haben den Borkenkäfer massiv mit hohem Personal- und Technikaufwand erfolgreich bekämpft«, so Dr. Müller. Was zu diesem historischen Tiefstand führte.

Auch die Aufforstung der Kahlflächen, die der Orkan Kyrill Anfang 2007 verursachte, ist inzwischen abgeschlossen. Insgesamt 1,35 Millionen Euro hat der Forstbetrieb Berchtesgaden in die Sanierung und Pflege des Schutzwaldes sowie in Erholungseinrichtungen und den Naturschutz ausgegeben.

Zu den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen: Knapp 9,4 Millionen Euro hat der Forstbetrieb im zurückliegenden Geschäftsjahr erwirtschaftet. Aber auch kräftig investiert, nämlich fast 7,2 Millionen. Davon waren 2,8 Millionen Personalausgaben. Tendenz sinkend. Denn der Forstbetrieb rationalisiert seine Arbeitsprozesse seit Jahren. In Summe ergibt sich ein Reingewinn von 2 Millionen Euro. »Ein historisches Ergebnis«, freut sich Daniel Müller. Ausschlaggebend dafür war der bis dato exzellente Holzpreis. Die Eintrübungen auf dem Weltmarkt haben sich wegen eines Angebotsmangels in Süddeutschland in Österreich noch nicht regional ausgewirkt.

Zufrieden ist der Leiter des Forstbetriebs auch mit der Jagd. Auch wenn das einige hartnäckige Kritiker anders sehen. Die Soll-Abschusszahlen sind weitestgehend erfüllt. Wobei Dr. Müller betont, dass der Forstbetrieb die Jagd nicht betreibe, um Wildbret oder Trophäen zu verkaufen, sondern um die Waldverjüngung zu forcieren. Was laut der niedrigen Zahlen beim sogenannten Leittriebverbiss auch gelingt. Und übrigens: Nur ganz wenige Unfälle haben sich heuer im Forstbetrieb ereignet. »Das ist mir ehrlich gesagt das Wichtigste«, betont der Chef.

Für das kommende Jahr hat der Forstbetrieb vor allem drei große Ziele: den Ausbau des Kulturerlebniswegs Weißbach und die Sanierung der Schellenberger Eishöhlenwegs sowie die Behauptung im stets schwieriger werdenden Holzmarktumfeld. cfs