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Streit über ein Dorf im Dorf

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So sieht der Vorentwurf für das Chalet-Projekt in Marktschellenberg aus. (Grafik: Richter)

Marktschellenberg – Eine Chance für die touristische Entwicklung Marktschellenbergs oder Zerstörung bäuerlicher Kulturlandschaft? Wenn es um den geplanten Neubau von zehn Chalets an den gut einsehbaren Hängen oberhalb Marktschellenbergs geht, dann wird es emotional. Die Marktgemeinde ist aktuell gespalten wie lange nicht mehr, es rumort im ganzen Ort. Nach Bischofswieser Vorbild könnte nun der in dieser Sache ebenfalls uneinige Gemeinderat die Initiative ergreifen. Am Montag wird das Gremium über die Durchführung eines Ratsbegehrens entscheiden. Bei einem Ja läge das Projekt in der Hand des Bürgers.


Laut ging es kürzlich zu auf der Bürgerversammlung in Marktschellenberg, als es heftige Kritik vonseiten der Bürgerschaft an dem Projekt des Stuttgarter Hoteliers Andreas Walker gab. Bürgermeister Franz Halmich, der die Pläne für ein Chalet-Dorf nach wie vor unterstützt, ist allerdings der Überzeugung, dass sich auch sehr viele Marktschellenberger so ein touristisches Angebot wünschen. »Die treten dann halt nicht so laut auf«, sagt der Rathauschef. Der hat nach eigenen Worten zuletzt viele positive Rückmeldungen zum Chalet-Dorf-Projekt erhalten. »Endlich tut sich mal was. Diese zum Verkauf stehende Fläche ist ein Potenzial für Marktschellenberg«, betont der Rathauschef und verweist darauf, dass für das Projekt sogar der Kanal schon richtig dimensioniert sei. Halmich erwartet positive Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft, wenn kleine örtliche Betriebe in Bau und Betrieb der Chalets eingebunden und dort auch Arbeitsplätze geschaffen werden.

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Überraschender Beschluss des Hauptausschusses

Ob sich der Marktgemeinderat am kommenden Montag wie eigentlich geplant mit der Bebauungsplanaufstellung am Buchenweg befassen wird, ist ungewiss. Denn zuvor werden sich die Lokalpolitiker mit einem Empfehlungsbeschluss beschäftigen, den der Haupt- und Bauausschuss vorgestern Montag fasste. Der Ausschuss empfiehlt dem Gemeinderat die Durchführung eines Ratsbegehrens. Sollte dem zugestimmt werden, was sehr wahrscheinlich ist, dann würde es erst einmal keine Diskussion mehr über die Bebauungsplanaufstellung geben.

Das Prozedere erinnert stark an die Vorgänge in Bischofswiesen, wo der in Sachen Bürgerzentrum ebenfalls stark gespaltene Gemeinderat die Entscheidung auch in die Hände der Bürger gelegt hatte. Ähnlich ist es nun in Marktschellenberg, wo sich der Streit nicht nur quer durch den Ort, sondern auch durch alle Fraktionen zieht. Und natürlich rechnen die Lokalpolitiker ohnehin mit einem Bürgerentscheid in dieser Angelegenheit. Der Bund Naturschutz hatte bereits angekündigt, die Einheimischen dabei zu unterstützen.

»Mein Herz hängt an Marktschellenberg«

Sollte sich der Marktgemeinderat am Montag für ein Ratsbegehren entscheiden, dann bräuchte nicht nur die Gemeinde, sondern vor allem auch Investor und Hotelier Andreas Walker einen langen Atem. Doch der Stuttgarter will am Ball bleiben, wie er dem »Berchtesgadener Anzeiger« gestern sagte. »Mein Herz hängt an Marktschellenberg.«

Auch habe er schon viele positive Stimmen gehört. Etwa von Unternehmen, die sich vorstellen können, mit ihm zusammenzuarbeiten. Auch Bewerbungen habe er erhalten. Dennoch ist Walker davon überzeugt, dass viele Dinge in der Öffentlichkeit immer noch falsch rüberkommen. Er betont, dass er die Marktschellenberger und ihre Ideen in die gesamte Planung mit einbeziehen möchte.

Nicht zuletzt deshalb befürworte er die Möglichkeit eines Ratsbegehrens. Auch privat würde dieses für ihn ein wichtiges Stimmungsbild liefern. Immerhin möchte er selbst nach Marktschellenberg ziehen. »Wenn 80 Prozent dagegen stimmen, weiß ich, dass ich nicht erwünscht bin. Wenn hingegen 80 Prozent für das Projekt sind, kann ich auch privat anders damit umgehen.«

Online-Petitionen

Sowohl Befürworter als auch Gegner des Projekts haben inzwischen Online-Petitionen auf www.openpetition.de gestartet. Bereits seit 3. Oktober läuft die Petition der Gegner, die Matthias Dinkelmeier initiiert hat. Rund 150 Unterzeichner gibt es bereits. Deren Hauptargumente sind der »zu große Eingriff in die Natur und die Umgebung« beziehungsweise der zu hohe Flächenverbrauch sowie ein negativer Effekt für den Tourismus. Aber auch mehrere Anwohner sprechen sich gegen den Chalet-Bau aus.

Die Befürworter legten am 9. Oktober nach. Verantwortlich zeichnet Sabrina Köhler. Bisher gibt es etwa 20 Unterstützer. Diese argumentieren mit einer möglichen Steigerung der Lebensqualität, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Belebung der heimischen Wirtschaft.

Mittlerweile gibt es noch weitere Interessenten für die zum Verkauf stehende Fläche. So wird der Marktgemeinderat am Montag auch einen Antrag eines Auswärtigen auf Vorbescheid behandeln, der das Anwesen Buchenweg 10 betrifft. Dabei geht es um die Errichtung eines Ersatzbaus. UK/ra/cfs