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Streit ums Reihenhaus

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Schönau am Königssee - Reihenhaus oder Mehrfamilienhaus? Das ist hier die Frage. Weil sich ein geplanter Bau in Schönau am Königssee nicht in das Ortsbild einfügen würde, verweigerte der Bauausschuss im Vorfeld das Einvernehmen. »Reihenhaus-Charakter« heißt es aus der Gemeindeverwaltung. Das Landratsamt sieht das anders. Und hat eine Baugenehmigung erteilt. Nun klagt die Gemeinde gegen den Freistaat Bayern.


Dass es sich bei der Angelegenheit um eine »nicht entschiedene Rechtsfrage handelt«, da ist sich Florian Kosatschek vom Landratsamt Berchtesgadener Land, Geschäftsbereich Bauen und Umwelt, sicher. Mit Interesse sieht er der gerichtlichen Klärung entgegen. Der geplante Bau soll »Im Hochwald« entstehen. Dort soll ein bereits bestehendes Gebäude abgebrochen werden, auf der Fläche ein privater Ersatzbau mit sechs Wohneinheiten entstehen.

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Der erste Plan war für die Gemeinde nicht tragbar. »Das Projekt hätte sich in das Ortsbild nicht eingefügt«, sagt Schönau am Königssees Bürgermeister Stefan Kurz rückblickend. Deshalb hatte der Bauausschuss Bedenken und verweigerte seine Zustimmung. Und auch das Landratsamt lehnte den ersten Vorschlag ab.

Die Planerin besserte daraufhin nach und reichte einen überarbeiteten Vorschlag ein. Aus der ursprünglichen Häusergruppe sollte nun ein Mehrfamilienhaus werden. Einem Mehrfamilienhaus, das auf einem Grundstück erbaut wird, dürfte die Gemeinde das Einvernehmen nicht verweigern - eigentlich. »Allerdings wird der Eindruck eines Reihenhauses vermittelt«, ist sich der Bürgermeister sicher. Ein Reihenhaus in dieser Lage, mitten in Schönau am Königssee? »Das geht nicht«, findet die Kurz.

Für den Gemeindechef ist die Sache klar: »Das wäre vielleicht in Berchtesgaden möglich, bei uns ist es das nicht«. Das sieht das Landratsamt aber anders. Nach rechtlicher Prüfung ist man dort der Auffassung, dass das Vorhaben den maßgeblichen öffentlich-rechtlichen Vorschriften entspricht. Florian Kosatschek sagt, dass im vorliegenden Fall nicht zwischen Einzel- und Reihenhäusern unterschieden werde, sondern lediglich zwischen offener und geschlossener Bauweise.

Der geplante Bau fällt unter die offene Bauweise mit einer Hauslänge von unter 50 Metern mit seitlichem Grenzabstand. Und weil der Bau diese Kriterien erfüllt, ist für Kosatschek klar, dass sich das Bauvorhaben in die Umgebungsbebauung bestens einfügt. Deshalb wurde die Gemeinde aufgefordert, den Bauantrag zu genehmigen.

Allerdings hat der Bauausschuss wieder Nein gesagt. Das fehlende Einvernehmen der Gemeinde wurde kurzerhand vom Landratsamt ersetzt - und der Bauwerberin eine Baugenehmigung erteilt. Bürgermeister Kurz hält das Projekt in seiner Gemeinde für nicht tragbar. Und auch Gemeinderat Beppo Maltan (Freie Wähler) ist erzürnt: »Was bei denen im Landratsamt gemacht wird, ist einfach nicht mehr nachvollziehbar«, schimpfte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Weil eine übereinstimmende Auffassung der Bauangelegenheit nicht möglich scheint, möchte die Gemeinde nun klagen - gegen das Landratsamt und damit gegen den Freistaat Bayern. »Wir haben uns schwer getan, welche Gemeinde klagt schon gern gegen das Landratsamt«, gesteht Bürgermeister Stefan Kurz. Aber darauf möchte er es nun ankommen lassen. kp