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Uneinsichtige Skitourengeher, die sich nicht an die Regeln halten, verärgern die Liftbetreiber

Stress auf der Piste

Nur wenige halten sich nicht an die Pistenregeln. Die meisten Skitourengeher benutzen die ihnen zugewiesenen Aufstiege, wie hier am Roßfeld. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgadener Land – Keinen Ärger mit Skitourengehern hat man aktuell nur bei der Jennerbahn, wo es wegen des Neubaus zurzeit keinen öffentlichen Skibetrieb gibt. In den anderen Skigebieten des Talkessels sorgen unbelehrbare Tourengeher für Stress auf der Piste, weil sie sich nicht an die Regeln halten. Sie gehen mitten auf der Abfahrtspiste, steigen nebeneinander auf, führen freilaufende Hunde mit oder fahren auf frisch präparierter Piste ab. Sogar die Rodelbahn »Hirscheckblitz« wird mit Skiern befahren.


Entspannt sieht das Thema aktuell Jennerbahn-Betriebsleiter Wilfried Däuber. Dort werden die Skiabfahrten wegen der Baumaßnahmen gegenwärtig nicht präpariert. »Und die abgesperrten Sicherheitsbereiche werden durchaus beachtet«, sagt Däuber.

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Weniger positiv klingen die sich ähnelnden Nachrichten aus den anderen heimischen Skigebieten. Bernhard Heitauer vom Skigebiet Götschen erinnert sich an einen besonderen Fall: »Wir mussten ein Super-G-Rennen unterbrechen, weil ein älterer Herr mitten auf der abgesperrten Strecke aufgestiegen ist. Er ignorierte die Aufforderungen der Torrichter und setzte unbeeindruckt den Aufstieg fort.« Später musste sich Heitauers Ehefrau sogar noch vom Salzburger beschimpfen lassen.

Weil die Skitourengeher auch die Parkplätze am Götschen in vorderster Linie zuparken, hat man jüngst zwei Mitarbeiter eingesetzt, die dafür sorgen, dass die Tourengeher etwas abseits ihre Autos abstellen. Außerdem gibt es seit einigen Wochen beim Aufstieg über die Standardabfahrt eine Kasse. Hier können die Tourengeher einen freiwilligen Obolus für die Pistenpflege einwerfen. Vor allem bei Gruppen hat man eine gute Zahlungsmoral festgestellt. »Wir hatten schon 50- und sogar 100-Euro Scheine in der Kasse. Offensichtlich sind das Personen, die sich damit wohl auch eine Saisonerlaubnis holen«, vermutet Heitauer.

Während sich am Götschen zumindest die für die Pistenpfleger so ärgerlichen Abfahrten nach der Präparierung in Grenzen halten, ist das am Hochschwarzeck das Hauptproblem. Vor allem die Rodelabfahrt »Hirscheck-Blitz« wird nach der Präparierung immer wieder von Tourengehern befahren. »Ich kann dann am nächsten Tag unseren Rodelgästen die Abfahrt nicht anbieten, weil sie durch die tiefen gefrorenen Skispuren zerstört ist«, erklärt Geschäftsführer Christian Riel. Auch auf der Piste fahren Skitourengeher an jedem beliebigen Tag auf der frisch hergerichteten Piste ab, bedauert Riel. So fordert der Ramsauer Maßnahmen von Institutionen wie dem Verband Deutscher Seilbahnen oder von kommunalen Einrichtungen. Als eine weitere Untugend bezeichnet Riel das Aufsteigen mehrerer Personen nebeneinander. Wenn man diese Unbelehrbaren dann auffordere, hintereinander zu gehen, werde man »zumeist von Österreichern« beschimpft.

Rudolf Schaupp vom Familienskigebiet Roßfeld sieht die Probleme vor allem bei Tourengehern, die ihre Hunde unangeleint dabei haben, und bei Tourengehern, die nebeneinander aufsteigen. Dabei hat man am Roßfeld eigens zwei Aufstiege für Tourengeher geschaffen, die auch zur Abfahrt benutzt werden sollten. Doch dem ist nicht immer so. »Obwohl wir auf Hinweisschildern darum bitten, die ausgewiesenen Aufstiege und Abfahrten zu benützen, gibt es Leute, die neben dem Gipfelkreuz so lange warten, bis wir die Piste präpariert haben, und dann auf der frisch gewieselten Piste abfahren. Weil der Schnee dann noch auf einigen Zentimetern weich ist, gibt es tiefe Rinnen, die in der Nacht festfrieren und einem Skiläufer am nächsten Tag zum Verhängnis werden können«, schildert Schaupp. Wie seine Kollegen von den anderen Skigebieten weiß aber auch Rudolf Schaupp, dass es nur ein kleiner Prozentsatz von Personen ist, der sich über alle Gebote und Verbote hinwegsetzt. Christian Wechslinger