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Szenario: Im Eis des Hintersees eingebrochen

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Eine Leiter dient den Rettern als nützliches Gerät zur Hilfe.
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Besprechung auf dem Eis. (Fotos: Planegger/BRK BGL)

Ramsau – Die Nachwuchskräfte der BRK-Kreis-Wasserwacht im Berchtesgadener Land haben am Sonntag auf dem zugefrorenen Hintersee die Grundlagen der Rettung von im Eis eingebrochenen Menschen erlernt. Das Modul Eisrettung ist Teil der Grundausbildung für Einsatzkräfte der BRK-Wasserwacht.


Beim Theorieunterricht im Lehrsaal lernten die Teilnehmer zunächst alles über Gefahren am Eis, die Bestimmung der Eisdicke, die Unterkühlung beim Menschen und deren Gefahren, wie man sie notfallmedizinisch behandelt und wie die sogenannte Hibler-Wärmepackung funktioniert.

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Die Methode ist eine Erste-Hilfe-Maßnahme bei Unterkühlung, wobei der zentrale Herz-Lungen-Kreislauf durch Wärmezufuhr von außen wiedererwärmt wird. Dazu werden chemische Wärmewesten, -beutel oder andere wärmeabstrahlende Gegenstände auf Brust und Bauch gelegt. Dabei sollten die Wärmequellen keinen direkten Hautkontakt haben, sondern auf Unterwäsche oder Decken gelegt werden, damit keine Verbrennungen entstehen. Darüber folgt eine nach außen isolierende Kleidungsschicht über den Rumpf, aber nicht über Arme und Beine, damit nur das Körperzentrum angewärmt wird und das kalte Blut nicht zum Kern zurückfließt. Falls vorhanden, schützt eine Mütze den Kopf, da über ihn viel Wärme verloren geht. Zum Schluss wird der gesamte Körper in Decken oder einen Biwaksack gehüllt. Bei längerem Transport sollten die Wärmepackungen alle ein bis zwei Stunden ausgetauscht werden.

Bevor sie tatsächlich aufs Eis durften, mussten die Nachwuchskräfte praktische Trockenübungen absolvieren: Retten eines Eingebrochenen mit behelfsmäßigen Gegenständen, wie Leiter oder Holzbrett, mit den verschiedenen Eisrettungsschlitten der Wasserwachten Berchtesgaden und Bad Reichenhall. Erst, als sie die Techniken sicher beherrschten, ging es ins eiskalte Wasser des Hintersees, wo erfahrene Ausbilder an drei Stationen echte Notfallsituationen simulierten.

Besonders Wagemutige durften in kompletter Schutzausrüstung an die immer dünner werdende Eiskante gehen, um das Gefühl kennenzulernen, wie das Eis unter den Füßen nachgibt und man schließlich einbricht.

Christoph Golser und Susanne Mayer hatten den kompletten Tag geplant und die Übungen ausgearbeitet. »Wir haben versucht, die Zeit im Nassen so kurz wie möglich zu halten, damit es niemanden friert oder sogar die Gefahr einer Unterkühlung droht«, erklärt der stellvertretende Technische Leiter der Berchtesgadener Wasserwacht, Martin Planegger, der zur Unterstützung den Betreuungsdienst der BRK-Bereitschaften an den Hintersee bestellt hatte. Fachdienstleiter Till Schöndorfer und sein Team bauten für die Teilnehmer dort ein beheiztes Zelt auf, in dem sie sich aufwärmen konnten, verteilten wärmende Getränke und Chili con Carne. ml/mp