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Täter am federnden Gang erkannt

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Bischofswiesen/Laufen - Am federnden Gang will der geschädigte Bischofswieser den Täter erkannt haben und an den neonfarbenen Schuhen. Am 27. September 2012 soll der 43-jährige Hartz-IV-Empfänger alle vier Reifen an dessen Auto zerstochen haben. Obwohl der Angeklagte dies bis zum Schluss bestritt, war Richter Thomas Hippler von seiner Schuld überzeugt und verurteilte ihn zu 750 Euro Geldstrafe.


Seit Längerem habe es Ärger gegeben, schilderte der 55-jährige Geschädigte die Vorgeschichte. Der Angeklagte habe vermutet, er habe mit dessen Ehefrau ein Verhältnis. »Er hat nachts angerufen, hat Telefonterror gemacht und Gespräche aufgezeichnet.« Gegenüber einer Bekannten soll der Hartz-IV-Empfänger geäußert haben: »Den mache ich fertig!«

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Der Bischofswieser schilderte, wie er gegen 23.00 Uhr den Angeklagten am Fenster seiner Wohnung habe »vorbeihoppeln« sehen und ihn an seinem federnden Gang sofort erkannt habe. Da der Mann aber nicht am nächsten Fenster auftauchte, wurde der Zeuge stutzig. »Hoppla, da ist was faul«, habe er sich gedacht und war sofort zu seinem Wagen gegangen, der vor dem Haus geparkt war. »Alle vier Reifen waren platt. Ich habe gleich die Polizei gerufen.«

Die Beamten fanden anschließend bei dem Beschuldigten die beschriebene Kleidung einschließlich der neonfarbenen Schuhe. Vor allem war die Bekleidung vom Regen durchnässt. »Sie müssen also kurz zuvor draußen gewesen sein«, hielt ihm Richter Thomas Hippler vor.

Ja, beim Elternabend sei er gewesen, nachher hätte er noch sein im Regen stehendes Auto beladen. Dann aber sei er vor dem Fernseher eingeschlafen und die Polizei habe ihn geweckt.

»Ich rate Ihnen, den Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen«, empfahl Hippler, »aus den 40 Tagessätzen könnten auch mehr werden.« Der Angeklagte blieb dabei: »Ich bin es nicht gewesen.«

Staatsanwältin Susanne Schatt allerdings betrachtete den Sachverhalt als erwiesen. »Der Zeuge hat ohne Belastungseifer den Vorgang plausibel geschildert.« Der Hintergrund dieser Tat sei wohl das vermutete Verhältnis zwischen seiner Noch-Ehefrau und dem Zeugen gewesen. Schatt plädierte auf 50 Tagessätze zu je 15 Euro.

Ein Zuschauer rief im großen Sitzungssaal dazwischen: »Und was ist mit meinen Reifen?« Auch an seinem Wagen soll der Angeklagte zwei davon zerstochen haben, behauptete der Mann. Dies war allerdings nicht Gegenstand der Verhandlung.

Thomas Hippler hatte »nicht den geringsten Zweifel« an der Täterschaft des Angeklagten. »Sein Motiv war Hass.« Schäbig nannte der Strafrichter die Tat und schloss sich in seinem Urteil der Staatsanwältin an: 750 Euro hat der Verurteilte zu zahlen, dazu die Kosten des Verfahrens.

Der Geschädigte fragte den Richter nach Ende der Verhandlung, wie er denn nun zu einer Schadenswiedergutmachung kommen könne. 371 Euro hätten ihn vier neue Reifen gekostet. »Sie können das auf dem zivilrechtlichen Wege einklagen«, erklärte Hippler, »aber davon würde ich abraten. Bei dem Mann ist nichts zu holen; dann bleiben Sie auf den Prozesskosten auch noch sitzen.« Hannes Höfer