weather-image
15°

Tagespflege der »Insula« bleibt erhalten

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Setzen sich für die Tagespflege der »Insula« ein: Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber, Mitarbeiterin Kathrin Koller, die stellvertretende Geschäftsführerin des Diakoniewerks Hohenbrunn, Heike Winkler, Einrichtungsleiter Rolf Hopmann und Mitarbeiter Jiri Cetkovsky. Fotos: Anzeiger/Fischer
Bildtext einblenden
Wenig Gäste, viel Freude: Die Senioren der Tagespflege fühlen sich sichtlich wohl.

Bischofswiesen – Die Tagespflege in der Lebenswelt »Insula« schließt nun doch nicht, wie ursprünglich gemeldet, am 30. Juni. Das teilten Heimleiter Rolf Hopmann und Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber (CSU) dem »Anzeiger« mit. Die fünf Bürgermeister der Talkesselgemeinden, das Landratsamt und der Träger der Einrichtung, das Diakoniewerk Hohenbrunn, wollen sich gemeinsam auf politischer Ebene für flexiblere Regelungen in der Tagespflege einsetzen.


Die Berichterstattung im »Berchtesgadener Anzeiger« brachte die geplante Schließung an die breite Öffentlichkeit. Die Bürgermeister der Talkesselgemeinden nahmen sich der Sache sofort an. Gemeinsam suchten sie nach Lösungen zum Weiterbetrieb der Einrichtung. Auch das Landratsamt brachte sich ein. »Ziel war und ist es, diese einzige Tagesbetreuung für Senioren im südlichen Landkreis zu erhalten«, sagt Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber, der stellvertretend für seine Kollegen die Verhandlungen führt. »Der Träger der Tagespflege, das Diakoniewerk Hohenbrunn, hat klar gemacht, dass es an einem Weiterbetrieb interessiert ist, wenn eine Kostendeckung erzielt wird«, erklärte Einrichtungsleiter Rolf Hopmann.

Anzeige

Doch zuletzt sei das eben nicht mehr der Fall gewesen. Zu wenig Senioren haben das Angebot der Tagespflege, die für 19 Personen ausgerichtet ist, angenommen. Aber nach mehreren Gesprächen ist jetzt ein Durchbruch gelungen. Die Lebenswelt »Insula« hat für die Tagespflege verschiedene Unternehmen als Sponsoren gewinnen können und plant intern einige Veränderungen, um den Weiterbetrieb zu sichern. »Auf politischer Ebene geht es vor allem darum, die starren gesetzlichen Regelungen für den Betrieb von Tagespflegen zu flexibilisieren und verbesserte finanzielle Rahmenbedingungen für teilstationäre Einrichtungen zu erreichen«, betonen Hopmann und Weber.

Konkret gehe es in erster Linie um eine flexiblere Öffnungszeit für die Tagespflege. Dies sei laut Hopmann ein wesentlicher Grund für die Probleme der Tagespflege in der »Insula«. Denn das Bundesgesetz schreibt eine fünftägige Öffnung und die Vorhaltung eines entsprechenden Personals vor. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, streben die Verantwortlichen eine flexiblere Öffnung von drei bis fünf Tagen an. »Dadurch hätten wir mehr Gestaltungsspielraum bei Belegung und Personaleinsatz«, betont Rolf Hopmann.

Doch eine entsprechende Gesetzesänderung dauert. Deshalb soll für die »Insula« eine Ausnahmeregelung erwirkt werden. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sehen Thomas Weber und seine Bürgermeisterkollegen sowie das Landratsamt die Notwendigkeit von tagesbetreuenden Senioreneinrichtungen im Landkreis. Unterstützt wird die Initiative von der heimischen CSU-Landtagsabgeordneten Michaela Kaniber, die das Anliegen einer Ausnahmeregelung in der bayerischen Landesregierung vorbringen wird, da es sich um ein bayernweites Problem handelt.

»Letztlich ist die Bundesregierung gefordert, wenn der Ansatz »ambulant vor stationär« weiterhin gültig sein soll«, sagt Hopmann. »Wichtige Schritte sind eingeleitet worden, aber natürlich kommt es darauf an, dass ein Angebot auch von den Betroffenen angenommen wird.« Es dürfe daher nicht bei Absichtsbekundungen bleiben, dass Tagesgäste die Betreuungsleistungen nutzen möchten. »Nein«, betont der Einrichtungsleiter, »sie müssen es auch tun«. Christian Fischer