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Tassen stapeln und Daxer tackern

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So sehen sie aus, die neuen Tassen des »Berchtesgadener Advents«. Aber keine Angst: Die Standbetreiber füllen auch die Tassen der vergangenen Jahre wieder auf. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – 60 000 Tassen hat die Berchtesgadener Advent-GmbH am Montag bekommen. Das Design ist heuer ebenso traditionell gehalten wie in den Vorjahren, keine abstrakte Kunst oder schrille Farben stechen ins Auge. Die Besucher des Berchtesgadener Advents bekommen die Haferl ab Donnerstag, 26. November, bei den Getränkehütten, die überall in der Fußgängerzone verteilt sind. Brigitte Zobel, Geschäftsführerin der GmbH, erzählt nicht nur von Tassen. Auch von den letzten Vorbereitungen, die noch zu treffen sind, bevor der Christkindlmarkt kommende Woche eröffnet.


Seit Jahren bekommt die Berchtesgadener Advent-GmbH die Tassen von einer Firma aus Vorarlberg geliefert. »Für das Design haben wir eine der Vorlagen vom Malwettbewerb für die Tassen 2014 ausgewählt. Die Adventgesellschafter haben sich bei einer Klausurtagung im Januar für dieses Modell entschieden. Ich persönlich war nicht bei der Stimmabgabe beteiligt«, erzählt Brigitte Zobel. Der 17-jährige Constantin Reiter hat die Vorlage mit seinen Aquarellfarben gemalt. Auf den Tassen ist der Markt abgebildet, der Marktbrunnen, die Berchtesgadener War und der Watzmann. »Wir haben uns nicht getraut, ein ganz modernes Design zu verwenden«, gibt Zobel zu.

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Was der Geschäftsführerin wichtig ist: »Die alten Tassen dürfen genauso verwendet werden. Man kann sie mitbringen, nachfüllen lassen, oder eine neue kaufen.« Die Berchtesgadener Haferl finden nicht nur am Berchtesgadener Advent reißenden Absatz: Jedes Jahr bekommt die GmbH mehr Bestellungen aus der ganzen Welt: »Die Leute wollen die Tassen geschickt bekommen, sie sind überall beliebt«, fügt Zobel hinzu.

Tannen statt Fichten

Neben den neuen Tassenmotiven gibt es eine weitere Neuheit: Bis jetzt waren während des Advents jedes Jahr 300 Fichten überall im Markt verteilt. »Heuer haben wir uns für 300 Tannen entschieden. Weil diese ein schöneres Bild machen«, wie Zobel berichtet. Die Tannen, die mehr als Fichten kosten, stehen zwischen den Hütten. 15 große Nordmanntannen hat die GmbH neben die Tore gestellt, »und die 350 kleinen Tannen für das Christbaumlabyrinth kommen erst am Montag«, informiert Brigitte Zobel.

Bei der Geschäftsführerin ist das ganze Jahr Advent. »Mit Werbung und Marketing geht es schon im Mai los. Die heiße Zeit startet im August, mit der Personalsuche und mit der Programmplanung. Diese Wochen momentan bestehen für mich nur noch aus Advent und Schlafen«, erklärt Zobel, die derzeit im Dauerstress ist.

Insgesamt sind es elf Gesellschafter in der Berchtesgadener Advent GmbH. Jeder arbeitet mindestens 40 Stunden während der Zeit von November bis Ende Dezember ehrenamtlich.

Und es gibt auch noch einiges zu tun: Jetzt stehen noch jede Menge Elektro- und Kleinarbeiten an, wie Zobel berichtet. »Das ist alle Jahre wieder spannend, ob am Ende alles funktioniert oder nicht.« Denn am 26. November müssen alle Laternen, Lichterketten an den Hütten und die Lichter an den Toren tipp topp leuchten.

Jede Hütte bekommt auch ihren Giebelschmuck aus Daxer. Allein dafür sind mindestens 30 Leute am Samstag beschäftigt, erklärt die Geschäftsführerin: »Dann sitzen alle Gesellschafter, samt Kind und Kegel, Frauen oder Freundinnen, in der Edelweißgarage. Wir stellen Biertische auf und es werden verschiedene Teams gebildet: Die einen schneiden, die anderen tackern, die dritten befestigen die Lichterketten und das vierte Team hängt sie dann an die Giebel der Adventshütten.«

Lieferungen kommen

Nicht nur außen, auch in den Hütten fehlt noch der Feinschliff. »Die Hütten müssen innen noch ausgestattet und dekoriert werden. Allmählich kommen auch die Lieferungen.« Der Emmaus-Rundweg wird noch beschildert und die Laternen aufgehängt, fügt Zobel hinzu.

Ob bis zum 26. alles fertig wird? »Ich bin im Moment noch entspannt. Wir liegen gut im Zeitplan«, antwortet die Verantwortliche. »Aber wir geben jetzt Gas, denn es soll ja schneien, was wir uns auch wünschen.« Auf der To-Do-Liste stehen noch die Malwerkstatt, die Kinderbackstube und das Tiergehege: »Heuer haben wir Zwergziegen und Esel.«

»Das Highlight Kramperltag«

Die Advent-GmbH übergibt Dienstagfrüh die Schlüssel an die Standbetreiber. In den zwei Tagen darauf müssen noch viele Fragen geklärt werden – das weiß die Chefin erfahrungsgemäß aus den vergangenen Jahren. Den Donnerstag verbringt Brigitte Zobel hauptsächlich am Handy und damit, E-Mails zu schreiben, bis um 16 Uhr der Emmaus-Rundweg eröffnet wird und um 18 Uhr der Advent. »Nach dem ersten Wochenende ist alles Routine, dann kommt das Highlight Kramperltag.«

Zum Kramperltag selbst versichert Zobel, dass die Berchtesgadener Advent-GmbH das Brauchtum schützen will und es nicht als »Event« vermarktet: »In Berchtesgaden ist der Buttnmandl- und Kramperllauf ein traditioneller Brauch, keine kommerzielle Veranstaltung«, das teilt Zobel den Gästen Berchtesgadens mit. Es gebe zudem im Vorfeld immer ein Treffen mit der Gemeindeverwaltung, mit allen Buttnmandlmoastan und der Polizei, um die beiden Kramperltage zu besprechen.

Lauter Einheimische

»Wir von der Advent-GmbH sind alle Einheimische und fühlen uns mit der Tradition verbunden. Bei uns steht ganz bewusst nur ein Satz im Flyer: Nikolaus, Buttnmandl und Kramperl laufen am 5. und 6. Dezember nach alter Tradition von Haus zu Haus. Es soll auch nicht zu einer Veranstaltung werden.« Darum findet sich auch kein einziges Kramperlbild im Flugblatt.

Zobel bekommt stets zahlreiche E-Mail-Anfragen, wie: Wann sehe ich die Buttnmandl? »Wir antworten dann: Leider können wir keine genauen Uhrzeiten angeben, da es sich um reines Brauchtum handelt und nicht um eine organisierte Veranstaltung. Nach unseren Erfahrungen laufen die Passen ab circa 16 bis 17 Uhr durch den Markt.« Die Leute seien zwar schon immer am Kramperltag in den Markt geströmt, »wir wollen das aber nicht verstärken, oder gar eine Krampusshow anbieten oder sowas.« Annabelle Voss