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Technik verändert sich – Engagement nicht

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Zufrieden mit der Ausstellung durften alle sein, vor allem aber (v.l.) Marktbürgermeister Franz Rasp, Museumschefin Friedl Reinbold, Haupt-Leihgeber Reinhard Lindner sowie die »Macher« Korbinian Hasenknopf, Thomas Fritsch und Michael Mistlbacher.
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Die Ausrüstung der Feuerwehr erlebte in den eineinhalb Jahrhunderten viele Zwischenstationen. (Fotos: Meister)

Berchtesgaden – Die Freiwillige Feuerwehr Berchtesgaden feiert im Mai ihr 150-jähriges Bestehen. Vorab ist seit Sonntag eine Ausstellung im Schloss Adelsheim zu sehen. Die liebevoll und mit viel Engagement arrangierte »Zeitreise mit der Berchtesgadener Feuerwehr« informiert anschaulich und facettenreich über die Geschichte der Wehr vom Gründerjahr 1866 bis in die Gegenwart. Nebenbei ermöglicht die Schau auch einen Gang durch die Entwicklung der Technik des Feuerlöschwesens mit teilweise außergewöhnlichen Exponaten.


Engagement war einer der häufig genannten Begriffe während der Ausstellungseröffnung am Samstagabend im Adelsheim. Museumschefin Friedl Reinbold erinnerte an Brand und Brandschutz im direkten Zusammenhang mit dem Museum im historischen Gebäude. Reinbold erwähnte auch die aufgeregte, rund drei Monate währende Baustellenatmosphäre im Haus bezüglich der kostenaufwendigen Umsetzung neuer Brandschutzanweisungen. Zudem lobte die Museumschefin das große Engagement des Machertrios aus den Reihen der Feuerwehr, das fast ohne Hilfe und akribisch emsig die Jubiläumsausstellung bis zur imposanten Reife wachsen ließ.

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Michael Mistlbacher, Thomas Fritsch und Korbinian Hasenknopf, die letztlich für die Präsentation im Nebengebäude des Adelsheim verantwortlich zeichneten, bekamen auch die Anerkennung der folgenden Redner, beispielsweise des Marktbürgermeisters Franz Rasp. Dieser hob die Leistungen der Berchtesgadener Feuerwehr in Vergangenheit und Gegenwart hervor. Rasp betonte weiter, dass die Gemeinde von Anfang an auch ihre Wehr ernst genommen habe und immer bemüht gewesen sein, die modernste Technik zur Verfügung zu stellen. Bis heute. So dürfe man als Betrachter der technischen Geräte, die teilweise über 100 Jahre alt sind, bestimmt lächeln, aber nicht vergessen, dass zwar die Technik immer wieder modernisiert werden musste, aber der Grundgedanke der Feuerwehrmänner, und längst auch Feuerwehrfrauen, in eineinhalb Jahrhunderten gleich geblieben sei: Die Mitglieder der Feuerwehr arbeiten ehrenamtlich und unentgeltlich und handelten nach der Devise, den Mitbürgern zu helfen, auch wenn Gefahren lauerten und der Einsatz des eigenen Lebens notwendig werde.

Landratsstellvertreter Rudi Schaupp nannte die Berchtesgadener Feuerwehr mustergültig, sowohl das Engagement der Frauen und Männer betreffend wie auch die Ausrüstung, um deren Bestzustand man sich immer bemüht hätte. So läge die Freiwillige Feuerwehr Berchtesgaden im Landkreismaßstab vorn und vermutlich auch, wenn man den Vergleich auf das südliche Oberbayern ausdehne.

Von Engagement sprach auch erster Feuerwehrvorsitzender Mario Kirchhoff, der den drei genannten Ausstellungsgestaltern großen Respekt zollte. Überhaupt durch das Engagement nicht nur dieses Trios, sondern aller, stehe die Berchtesgadener Feuerwehr so gut da. Thomas Fritsch, einer der Ausstellungsgestalter, wollte das Lob, das er und seine Mitstreiter (berechtigt) erhalten hatten, mindestens auch auf Reinhard Lindner aus Marktschellenberg ausdehnen. Ohne ihn und seine private Sammlung von Feuerwehrobjekten hätte man diese Ausstellung kaum in dieser technischen Fülle gestalten können, betonte er. Lindner sammele seit einem Vierteljahrhundert historische Feuerwehrgeräte und -zubehör und stellte viele Exponate zur Verfügung, durch die »Eine Zeitreise mit der Berchtesgadener Feuerwehr« interessanter und vielschichtiger möglich geworden wäre. Reduziert habe man vor allem in der Darstellung der vergangenen Jahrzehnte, geschuldet auch der rasanten technischen Entwicklung, weil die Fülle der heute zur Verfügung stehenden Mittel den Rahmen gesprengt hätte.

Im Anschluss an die Eröffnung gab es Gelegenheit zum ersten Rundgang und Bekanntschaftmachen mit den vielfach tatsächlich außergewöhnlichen Exponaten. Wer darf schließlich von sich behaupten, eine Abprotzspritze aus dem Jahr 1883 bereits zu kennen, oder eine seinerzeit von Pferden gezogene leichte Land-Spritze aus dem Jahr 1911 schon einmal gesehen zu haben. Vorbei am Masslöscher Minimax und einem Strahlrohr von 1900 führt der Weg bis zu den, auch mithilfe von lebensgroßen Puppen veranschaulichten, Errungenschaften der Neuzeit.

Es ist eine Geschichtslehrstunde, die auch dem bislang »feuerwehrfernen« Besucher Spaß bereiten sollte. Wer weiß beispielsweise schon, dass der Neubeginn der Berchtesgadener Feuerwehr nach Kriegsende mit 26 aktiven Mitgliedern, zwei Fahrzeugen, einer Tragpumpe und 900 Meter B- und C-Schläuchen begonnen hat. Oder, dass in den Kriegsjahren eine weibliche Luftschutzfeuerwehr der Bevölkerung in Brandfällen zur Verfügung stand. Oder, dass es im Bereich Obersalzberg in diesem Zeitraum eine Feuerwehrpolizei gab. Viele solcher Fakten sind in der Ausstellung erfahrbar, gemeinsam mit den historischen wie modernen Gerätschaften. Ein Rundgang, der sich unabhängig von der persönlichen Erwartung lohnen sollte.

Die Ausstellung im Museum Schloss Adelsheim ist eintrittsfrei jeweils von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Dieter Meister