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Teile mit Eile

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Der hintere Teil des Schadnerwegs ist nun im Bebauungsplan »Gastagweg« als Wanderweg mit landwirtschaftlichem Nutzungsrecht der Anlieger eingezeichnet. Foto: privat

Marktschellenberg – In einer Sondersitzung am Mittwochabend hat der Marktgemeinderat Marktschellenberg einstimmig die Aufspaltung der 4. Änderung des Bebauungsplans »Gastagweg« beschlossen. Somit konnte den Bauwerbern im Teilbereich A Baurecht ermöglicht werden, was ebenfalls einstimmig beschlossen wurde. Der Teilbereich B umfasst den sogenannten Schadnerweg. Hier legte das Gremium die genaue Bezeichnung fest. Der hintere Teil des Weges ist nun als Wanderweg eingezeichnet. Bürgermeister Franz Halmich, der als Zuschauer an der Sitzung teilnahm, erhält ein Nutzungsrecht und darf mit landwirtschaftlichen Geräten darauf fahren.


Dicht gedrängt standen über 50 Zuhörerinnen und Zuhörer im Treppenaufgang des Rathauses. Das langwierige Thema, über das der »Anzeiger« bereits mehrmals berichtet hatte, sorgte für reges Interesse in der Bevölkerung. Doch das Publikum musste sich gedulden. Punkt 20 Uhr trat Sitzungsleiter Clemens Wagner vor die Tür des Saals und gab bekannt, dass die nichtöffentliche Sitzung des Hauptverwaltungs- und Bauausschusses länger dauern werde. Um 20.20 Uhr schließlich zwängten sich die Interessierten in den Sitzungssaal. Die Stimmung war angespannt und erwartungsvoll.

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»Es ist selten, dass ein einfacher Bebauungsplan so viele Interessenten hat«, sagte Wagner zur Begrüßung. »Aber wir haben eine gute Lösung gefunden.« Nach intensiven Gesprächen mit dem Kreisbauamt hatte Wagner dem Bauausschuss vorgeschlagen, den Bebauungsplan aufzuteilen.

Ziemlich schnell winkten die Gemeinderäte Teil A durch. Somit haben die bauwerbenden Familien Springl und Wagner de facto endlich Baurecht. »Diese Aufteilung ist gut. Die Betroffenen können bald mit dem Bauen beginnen«, lobte Volkhard Geiger (FW) die Idee Wagners.

Ähnlich zügig ging auch Teil B durch. Er sieht vor, dass der hintere Teil des Schadnerwegs mit einem Nutzungsrecht der Anlieger für land- und forstwirtschaftliche Zwecke dargestellt wird. Somit darf Franz Halmich beziehungsweise sein beauftragter Bauer – sollte der Plan in Kraft treten – mit landwirtschaftlichen Maschinen darauf fahren. Eine Tatsache, die bei den betroffenen Familien Hellmiss und Göbel für Bestürzung sorgt (siehe eigener Bericht).

Ungewöhnliche Aufteilung

Teilbereiche A ist abschließend, Teil B zur Auslegung beschlossen, also noch nicht gültig. Zwei Wochen haben die Betroffenen nun Zeit, die Pläne einzusehen und Einwendungen vorzubringen. »So eine Teilung ist ungewöhnlich«, erklärte Clemens Wagner. Und eher in umfangreichen Bebauungsplänen von Großstädten üblich. Doch offensichtlich habe sich seine Vorgehensweise bewährt.

Eine Diskussion mit vielen spitzen Bemerkungen keimte dann aber dennoch auf. Den Anfang machte Volkhard Geiger. »Gab es denn keine Kontakte zu den Anliegern des Schadnerwegs?«, wollte er von Clemens Wagner wissen. Was jener verneinte. Franz Kranawetvogl (FW) wollte von Wagner wissen, warum die Anlieger nicht zu dem Ortstermin im Dezember eingeladen worden waren. Wagner erwiderte: »Weil das der Gemeinderat so beschlossen hat.« Kranawetvogls Frage zielte offenkundig auf die Tatsache, dass Bürgermeister Franz Halmich als einziger Beteiligter an dem Ortstermin teilgenommen hatte. »Herr Halmich war selbstverständlich wegen Befangenheit nicht eingeladen. Kein Anwohner hat eine Einladung erhalten. Der Termin war ausschließlich für Gemeinderäte«, stellte der 2. Bürgermeister deshalb klar.

Doch Kranawetvogl ließ nicht locker. Wagner habe in der Sitzung zuvor zu Halmich gesagt, er könne zum Ortstermin kommen, wenn er Glühwein mitbringe. »Und? Hat er Glühwein dabei gehabt«, antworte Wagner lakonisch. Er habe Halmich als eine Art Schaulustigen behandelt und weitestgehend ignoriert.

Halmich hat Schreiben unterzeichnet

Eine interessante Feststellung traf daraufhin Dr. Michael Köhler (CSU). Das Schreiben mit dem Hinweis zu dem Ortstermin habe seltsamerweise die Unterschrift Halmichs getragen. An einer endgültigen Klärung des Sachverhalts zeigte jedoch keiner der Räte Interesse. »Für mich ist die Sache erledigt. Hoffentlich gibt es keine Einwände mehr«, sagte Peter Hüttinger.

Richard Hartmann (CSU) kritisierte daraufhin die betreffende Berichterstattung im »Berchtesgadener Anzeiger«. Er sprach von einer »reißerischen Überschrift« und forderte den Redakteur dazu auf, seiner Verantwortung gerecht zu werden.

Clemens Wagner beendete »seine« Sitzung, in der er laut Aussage mehrerer Räte und Zuhörer eine glänzende Figur gemachte hatte, mit den Worten: »Ein Gemeinderat sollte dafür sorgen, dass es um das Wohl der Bürger geht. Und nicht um Emotionen.« Christian Fischer