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Bischofswiesen Kindergarten
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Mit fantasievollen Laternen-Kreationen beteiligten sich die Kinder am Martinszug.
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St. Martin hoch zu Ross.
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Pfarrer Bernhard Bielasik an der Spitze des Martinszugs.
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Mit leuchtenden Augen und ebensolchen Laternen beteiligten sich zahlreiche Kinder, zumeist mit ihren Mamas, am Martinszug in der »Insula«. (Fotos: Waßmuth)

Bischofswiesen – Ein Schimmel wie in der Geschichte vom heiligen Martin, der barmherzig war und seinen Mantel mit dem Schwert teilte, um den frierenden Bettler an der Wärme teilhaben zu lassen, war es nicht. Aber ein »echtes« Pferd doch, wie die Kindergartenkinder der »Insula« anerkennend und ein wenig staunend anerkannten. Auf der von vielen Laternen-Lichtern gesäumten Wiese im Seniorenzentrum wurde die Geschichte von St. Martin, die den Kindern schon im Vorfeld vielfach bekannt gemacht worden war, pantomimisch dargestellt: Ein frierender Bettler bittet um Hilfe gegen die Kälte und der vorbereitende Gardeoffizier Martin ist barmherzig und gibt ihm die Hälfte seines Mantels. Der, wie die Geschichte auch erzählt, gar nicht ihm gehörte, sondern seinem Dienstherrn, dem römischen Kaiser.


Aber Martin, der später zum Heiligen wurde, ist barmherzig und teilt. Das ist der Kern der Geschichte, die zeitlos ist und immer gelten wird. Auch wenn sich die Zeiten längst gewandelt haben. Anschließend brachten die Kinder, die mit ihren Erzieherinnen die durchaus kunstvollen Laternen selbst gebastelt hatten, im langen Zug Licht in die Anlage der »Insula«. Ist der Martinstag sicherlich ein Höhepunkt im Kindergartenjahr, ist er es vermutlich auch im »Insula«-Jahr, denn es hatten sich auch viele Bewohner als »Zaungäste« eingefunden, die sichtlich Freude hatten an der Kinderfreude ausstrahlenden Laternenparade.

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Im Vordergrund reihten sich die Rollstühle, dahinter Eltern und Geschwister, Großeltern, Bewohner und viele andere Interessierte. Alle jedenfalls lauschten der vom Bischofswieser Pfarrer Bernhard Bielasik in Erinnerung gebrachten Geschichte vom heiligen Martin, der widerwillig Soldat geworden ist und dann ebenso mehr oder weniger freiwillig zum Bischof gedrängt wurde und dennoch sein gutes, mitfühlendes Herz behalten hatte. So jedenfalls erzählt es die Heiligenlegende. Eine wahrhaft schöne Geschichte.

Anschließend wurde der Lichtermarsch fortgesetzt, im weiten Bogen zur evangelischen »Insula«-Kirche, in der Pfarrer Bernhard Bielasik und Diakon Markus Sellner einen ökumenischen Gottesdienst abhielten. Draußen kam schon der Dampf aus Würstchentöpfen und Punschkanistern. Dankbar angenommene wärmende Begleitung und Ausklang des Martinsumzuges, der zwar nicht wie die Erzählung vom geteilten Mantel im tiefsten Winter stattfand, aber in der Abenddämmerung durchaus Herbstkühle spüren ließ.

Die Geschichte vom barmherzigen Soldaten Martin, die sich vor mehr als 1 600 Jahren ereignete, ist Mittelpunkt des heutigen Martinstages. Seine spätere Ernennung zum Bischof von Tours und seine vorausgegangene Kriegsdienstverweigerung aus religiösen Gründen spielen im gepflegten Brauchtum keine Rolle. Und die Geschichte vom Reichen, der einem Armen hilft, geht ja auch noch ein Stück weiter.

In der folgenden Nacht nämlich, so wird berichtet, hatte Martin einen Traum: Jesus Christus begegnete ihm, umgeben von einer himmlischen Schar Engel. Jesus trug Martins halben Umhang und sprach: »Martin, ich war der Bettler, dem du deine Barmherzigkeit geschenkt hast.« Den Engeln rief Jesus zu: »Hört ihr Engel! Martin, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Mantel gerettet.« Dieter Meister