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Tödlicher Tierschutz

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Für seinen Kriminalroman »Adlerblut« recherchierte Markus Bennemann selbst im Nationalpark Berchtesgaden. Fotos: privat
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Berchtesgaden/Wiesbaden – »Adlerblut« heißt ein Kriminalroman, den der Wiesbadener Autor Markus Bennemann gerade im Gmeiner-Verlag veröffentlicht hat. Angesiedelt im Nationalpark Berchtesgaden, spielen die Steinadler die Hauptrolle in dem spannenden Ökothriller. Wie weit darf man gehen, um ihren Bestand zu schützen? Jemand scheint im Nationalpark die Regel »Tier vor Mensch« tödlich ernst zu nehmen.


Schwer verletzt kann sich Manfred Schöttl unter eine Tanne retten. Was auch immer ihn angegriffen hatte, er war dem entkommen. Doch nur kurz währt die Sicherheit. Denn die tödliche Gefahr ist näher, als er glaubt und als er in den Gewehrlauf blickt, kann er nicht glauben, dass nicht Hilfe, sondern der Tod ihn ereilen wird. Dann kracht ein Schuss durch die idyllische Bergwelt des Nationalparks.

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Für die junge Studentin Anna ist es der erste Tag ihres Praktikums im Nationalpark. Zusammen mit dem Nationalparkranger Veit Brenner beobachtet sie das Adlerpärchen, das zwei Junge im Nest aufzieht. Brenner schient es mit dem Tierschutz sehr ernst zu nehmen und wie sich herausstellt, scheut er auch nicht, mit Gewalt das Adlernest vor Kletterern zu schützen. Anna ist verstört und fragt sich, ob es vom Nationalparkleiter Künzl richtig war, sie gerade diesem Ranger zuzuordnen. Doch gleichzeitig fühlt sie sich von ihm angezogen und als sich die Lage zuspitzt, muss sie sich entscheiden, auf wessen Seite sie steht. Denn irgendetwas läuft nicht richtig im Nationalpark. Die Zahl der Touristen, die nicht mehr lebend herauskommen, ist ungewöhnlich hoch. Wer schützt die Adler oder sind es die Adler selber, die sich schützen? Und haben sie ihren Speiseplan von Murmeltieren auf Menschen umgestellt? Denn die vielen Touristen vertreiben die Beutetiere der Adler.

Wieviel Tourismus verträgt die Natur? Die natürliche Ordnung schient aus dem Gleichgewicht zu sein, das merkt auch die vierköpfige Familie, die mit ihren Mountainbikes unterwegs ist und besser nicht vom Weg abgekommen wäre. Diesen Urlaub wird sie ihr Leben lang nicht vergessen.

Spannend baut Autor Bennemann diesen Ökothriller aus mehreren Erzählsträngen auf und verbindet geschickt Realität und Fiktion. Da er seinen Krimi mit Fakten unterfüttert, verwischt sich für den Leser die Grenze zwischen dem, was ist, und dem, was möglich wäre. Das erhöht die Spannung und macht die Handlung glaubhaft.

Für den Autor stand am Anfang die Frage, was passiert, wenn die Tierwelt für den Menschen gefährlich wird? »Schon in meinem ersten Thriller habe ich mich mit diesem Thema auseinandergesetzt. Über die Adler als Thema bin ich auf Berchtesgaden und den Nationalpark gekommen«, erzählt Bennemann. Daraus entwickelte er den Parkranger Brenner zur Hauptfigur, einer durchaus schwierigen Persönlichkeit, die selber mit der Frage ringt, wie man Natur und Tourismus miteinander vereinbaren kann.

Bei seinem Recherchebesuch hat sich Markus Bennemann von der Landschaft inspirieren lassen. Seine Informationen über die Adler hat er von Toni Wegscheider erhalten. »Ich bin Toni Wegscheider sehr dankbar, der mir das ganze Wissen über die Adler auf seinen spannenden Adlerführungen beigebracht hat. Er war mein Fachberater vor Ort.« Alle Fachfehler im Buch nimmt der Autor aber auf seine Kappe. Bei manchem hat sich Bennemann die künstlerische Freiheit herausgenommen und sie dem Krimi angepasst.

Schon in seinen Sachbüchern hat sich Bennemann mit Themen aus der Natur auseinandergesetzt. Darunter eines, das sich mit den raffiniertesten Morden im Tierreich beschäftigt. So richtig harmonisch geht es auch in der Tierwelt nicht zu. Da der Nationalpark dem Autor so gut gefallen hat, entsteht gerade schon der zweite Band, der im Herbst erscheinen wird. Auch dann wird, so viel sei schon verraten, die Natur zurückschlagen.

»Adlerblut« von Markus Bennemann ist beim Gmeiner Verlag erschienen, umfasst 250 Seiten und kostet 11,99 Euro. Christoph Merker