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Totgeburten bei Kühen wegen Hundekot?

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Innerhalb kurzer Zeit musste Maria Walch zwei Totgeburten bei ihren Milchkühen verzeichnen. Dies ist nicht nur ein finanzieller Verlust, sondern auch ein emotionaler. Denn die Bäuerin kennt ihre Tiere oft von klein auf. (Foto: Voss)
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Dieses Schild gibt es beim Bayerischen Bauernverband. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Ein winzig kleiner Parasit sorgt derzeit für Ärger bei den Bauern im Berchtesgadener Land: »Neospora caninum«. Dieser Einzeller wird durch rohes Fleisch auf den Hund übertragen und gelangt über den Kot auch auf die Weiden der heimischen Bauern. Dort, und später verarbeitet als Futter für die Kühe, ist der Erreger eine große Gefahr für die Tiere und ihre ungeborenen Kälber. Totgeburten sind die Folge. Die stellvertretende Kreisbäuerin des Berchtesgadener Landes, Maria Walch, erzählt von den Sorgen der Bauern und davon, was Hundekot auf den Feldern anrichtet.


Es ist für jeden Bauern eine Horrorvorstellung: Eine Kuh und ihr Kalb bei einer Fehlgeburt zu verlieren. Nicht nur finanziell bedeutet das einen Verlust. Auch emotional ist so etwas nicht leicht zu ertragen, wie die stellvertretende Kreisbäuerin Maria Walch weiß. Eine ihrer Milchkühe hat im vergangenen Jahr eine Fehlgeburt erlitten, eine andere in diesem Jahr im Mai. Heuer starb das Muttertier an den Folgen der Fehlgeburt.

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»Die Kuh vergangenes Jahr hat im sechsten Monat gekalbt.« Normalerweise seien Kühe neun Monate trächtig, informiert Walch. »Man merkt es, wenn sie kalben wollen. Ich habe dann sofort den Tierarzt geholt, weil das nicht normal ist. Er hat dann die Frucht rausgebracht, sprich den Fötus, und dieser war versteinert. Er war richtig ausgetrocknet.« So etwas nennen Experten »Steinkalb«. Das Muttertier hatte zwei Föten, von dem einen war fast nichts da, wie Walch berichtet. Die Kuh hat diese Fehlgeburt aber überstanden und ist zurzeit erneut trächtig. »Hoffentlich geht jetzt alles gut«, spricht die Bäuerin ihre Hoffnung aus. Damals betrug der finanzielle Verlust beim Kalb 600 bis 800 Euro.

Denn heuer ist einem anderen Tier von Maria Walch dasselbe passiert. Diese Kuh hat die Fehlgeburt allerdings nicht verkraftet: »Die Kuh hatte einen Gebärmuttervorfall nach der Fehlgeburt«, erzählt Walch, die ihre Tiere liebt, wie andere ihre Haustiere. »Nach dem Kalben ist bei der Kuh alles weich. Die Gebärmutter ist in diesem Fall durch das Nachpressen nach der Geburt herausgekommen. Das ist nachts passiert, als wir im Haus waren.« Dadurch wurde die Gebärmutter verunreinigt. »Wir haben versucht, sie wieder reinzubringen, und wollten das Tier dann mit Antibiotika behandeln, aber es hat nichts genutzt. Wir konnten die Kuh dann aber noch schlachten. So war wenigstens der finanzielle Verlust nicht so hoch«, erzählt Walch. Alles in allem sei es »nicht gut«, eine Kuh und ihr Kälbchen zu verlieren. Unter den Bauern wird laut Walch selten offen über das Thema gesprochen. »Es wird wie ein Todesfall behandelt. Man sagt es ja auch nicht gerne, wenn man jemanden verloren hat.«

Auf der Suche nach möglichen Ursachen sind sich viele Bauern weltweit einig: Der Übeltäter ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der ungeliebte Hundekot auf den Feldern. Dieser kann einen Parasiten enthalten, der eine Infektionskrankheit hervorruft: »Der Erreger heißt Neospora Caninum«, berichtet die Bäuerin. »Das scheidet der Hund über seinen Kot aus. Die Spaziergänger mit Hund sammeln die Hinterlassenschaften ihrer Tiere nicht immer auf oder schmeißen den Kotbeutel einfach hin, kritisiert Maria Walch. »Da, wo wir heuen, sind der Auer Rundweg und die Skiabfahrt. Dort sind viele mit Hund unterwegs.«

Noch sei nichts bewiesen, betont die Bäuerin. »Aber wir Bauern wollten es beweisen und den Fötus beim letzten Mal an ein Labor schicken. Damals hatte aber die Post gestreikt. Das Problem dabei ist: Wenn der Fötus nicht innerhalb kürzester Zeit untersucht wird, lässt sich nichts mehr feststellen.« Es kommt laut Walch immer wieder vor, dass Kühe Fehlgeburten haben wegen Hundekot. »In vielen Fällen ist es auch der eigene Hofhund. Das gibt es auch«, weiß Walch. Ein anderer Grund für eine Fehlgeburt könnte nur noch sein, dass sich die Kühe gegenseitig bei Rangordnungskämpfen so verletzen, dass das Ungeborene stirbt. Allerdings sei »die Kuh schon robust gebaut«, fügt die stellvertretende Kreisbäuerin hinzu.

Der Erreger »Neospora Caninum« befindet sich in rohem Fleisch. Der Hund frisst das Fleisch, scheidet den Parasiten wieder aus. Die Kuh frisst den Erreger und scheidet ihn wieder aus, wenn sie es verträgt. Dann kommt dieser durch den Mist wieder in die Erde. Das ist der Kreislauf, den der Parasit durchläuft. Der Parasit befällt den Fötus im Mutterleib. Die Krankheit, an der der Fötus letztlich stirbt, heißt Neosporose. Was man dagegen tun kann? »Man kann auf die Hunde besser aufpassen«, sagt Maria Walch und appelliert somit an die Hundehalter.

Maria Walch hat nun nur noch vier Milchkühe im Stall stehen, normalerweise hat sie sechs bis acht. Was nach Ansicht der Bäuerin viele nicht begreifen: »Das Gras auf den Wiesen dient der Lebensmittelerzeugung. Alles, was im Hundekot ist, gelangt über das Futter in das Tier und somit in Fleisch, Milch und Käse. Vielen ist das nicht bewusst.« Annabelle Voss