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Tourismus spült 506 Millionen Euro in die Kassen

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Die Wertschöpfung des Tourismus im Berchtesgadener Land ist im Vergleich zu anderen Destinationen relativ hoch, so geben Touristen 4 941 Euro pro Einwohner aus, eine Zahl, die in der Liga der Landeshauptstadt spielt. (Quelle: dwif München)
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Manfred Zeiner hatte als Tourismusberater nur gute Nachrichten für die Geburtstagsgäste mitgebracht. (Foto: Hudelist)

Berchtesgaden – Was bringt der Tourismus, wer verdient an ihm wirklich und wird er von der Bevölkerung unterstützt? Diese Fragen beantwortete Tourismusberater Manfred Zeiner im Rahmen der Zehn-Jahr-Feier der Berchtesgadener Land Tourismus Gesellschaft (BGLT). Seine Geburtstagsgeschenke enthielten jede Menge frohe Botschaften für die Touristiker. Insgesamt spülen die Touristen jährlich 506 Millionen Euro in den Landkreis.


Manfred Zeiner von dwif-Consulting in München kam zur Geburtstagsfeier der BGLT mit vielen Geschenken in Form von guten Nachrichten. Die erste frohe Botschaft: Im Vergleich zum Jahr 2005 kommen 20 Prozent mehr Gäste in den Landkreis, »das muss knallhart erarbeitet werden, denn die Gäste haben mehr Auswahl denn je«. Doch am Ende gehe es nicht um Übernachtungszahlen, sondern um die Frage, was bleibt in der Geldbörse? Die übliche Sichtweise sei ein Blick in die Statistik, also Übernachtungen multipliziert mit den durchschnittlichen Tagesausgaben. Doch für Zeiner zählen nicht nur die offiziellen Gäste in Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und auf Campingplätzen. Auch der Sofa-Tourist, der bei Freunden oder der Familie wohnt gibt ja Geld aus, »und den Lokalen oder der Königssee-Schifffahrt ist ja egal, woher der Gast kommt«.

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Doppelt so viele Tages- wie Übernachtungsgäste

Bei einer Telefonbefragung von 500 Haushalten im Berchtesgadener Land kam heraus, dass hochgerechnet auf den gesamten Landkreis rund 50 000 Haushalte als private Gastgeber infrage kommen, davon sagt jeder zweite Haushalt: Ja, wir bekommen immer wieder Besuch. Im Durchschnitt sind es fast vier Besuchertage, also zum Beispiel zwei Personen an einem verlängerten Wochenende. »Durch diese Besuche von Verwandten und Bekannten kommen im Jahr rund 550 000 Übernachtungen zusammen, die stattfinden, ohne dass sie in einer Statistik auftauchen«, so Zeiner. Das wiederum bedeute, dass auf das offizielle Kontingent von 2,5 Millionen Übernachtungen in gewerblichen Betrieben (mehr als zehn Betten) noch einmal 20 Prozent draufgepackt werden können. Diese Zahl gelte für den gesamten Landkreis und kann nicht für einen einzelnen Ort ausgewiesen werden.

Im zweiten Geburtstagsgeschenk hatte Zeiner die Tagestouristen verpackt, »das sind rund 5,7 Millionen Besucher pro Jahr, die zum Beispiel die Watzmann Therme oder die Rupertustherme besuchen«, verglichen mit der Gruppe der gewerblichen Übernachtungen von 2,5 Millionen ist die Gruppe der Tagestouristen also fast doppelt so groß. »Also sagen Sie bitte nicht, die Tagestouristen verursachen nur ein Verkehrschaos, sondern behalten Sie beide Gruppen im Auge, beide müssen bespielt werden«, so Zeiner zu den 130 geladenen Gästen der BGLT-Geburtstagsfeier.

Insgesamt lassen Touristen rund 506 Millionen Euro pro Jahr im Landkreis, eine gewaltige Summe. Den größten Teil (277 Millionen Euro) erwirtschaften Betriebe mit mehr als zehn Betten, gefolgt von Privatvermietern (69 Millionen Euro), Campingplätzen (7 Millionen Euro) und Verwandtenbesuchern, die auch 13 Millionen Euro im Landkreis lassen. Rund 140 Millionen Euro lassen Tagestouristen in den Kassen der touristischen Betriebe, in Lokalen und Geschäften, so Zeiners Berechnung.

Tourismus als Flächenphänomen

Vom Tourismus profitieren aber nicht nur das Gastgewerbe und die Hotellerie, sondern auch der Einzelhandel sowie Handwerk und Industrie. Vom Bruttoumsatz bleiben insgesamt 55 Prozent in Gastgewebe und Hotellerie, 25 Prozent im Dienstleistungsgewerbe und 20 Prozent im Einzelhandel hängen, diese Zahlen beziehen sich auf die Übernachtungsgäste und die Tagestouristen. Die Gäste geben nicht nur Geld aus für das Übernachten, für Essen und Trinken, sondern eben auch für Stadtführungen, für den Fahrradverleih, für den Eintritt in diverse Einrichtungen und vieles mehr. Indirekt verdienen aber noch mehr Branchen am Tourismus, zum Beispiel Brauereien, Bäcker und Metzger sowie Werbeagenturen, Banken und Sparkassen.

Diese sogenannte Umwegrentabilität macht 255 Millionen Euro, also eine Einnahme, die es ohne den Tourismus nicht gäbe. Rein rechnerisch könnten 11 600 Personen durch den Tourismus im Landkreis ein Durchschnittsgehalt von 22 000 Euro pro Jahr beziehen. Selbstverständlich hält auch die öffentliche Hand die selbige auf, wenn es um Einnahmen geht, Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Kurtaxe und vieles mehr spülen vorsichtig geschätzt rund 50 Millionen Euro pro Jahr in die Steuerschatullen.

Mögen die Landkreisbürger den Tourismus?

In einer telefonischen Befragung von 500 Haushalten wurde die Einstellung der Landkreisbewohner zum Thema Tourismus abgefragt. Das Ergebnis: 47 Prozent sagen »Ich akzeptiere den Tourismus, engagiere mich aber nicht«, 39 Prozent »befürworten und unterstützen den Tourismus«, der Rest lehnt ihn ab oder hat keine Beziehung zum Fremdenverkehr.

Dass die Bewohner im Landkreis dem Tourismus durchaus Positives abgewinnen können, zeigen zwei weitere Fragen: Kommen die Freizeit- und Tourismuseinrichtungen auch den Einheimischen zugute? 74 Prozent sagen Ja, 56 Prozent wollen sogar mehr Veranstaltungen, um mehr Touristen in die Region zu locken. Zeiner sieht eine sehr positive Grundstimmung im Landkreis zum Tourismus, es gibt auch keine »Es-reicht-Mentalität«, so der Berater. Auch Events kommen gut an, »nur Mut, die Bevölkerung wartet darauf«, allerdings rät Zeiner zu Augenmaß. Auf die Frage, ob die Belastungsgrenze für die Natur bereits erreicht ist, sagen immerhin 24 Prozent Ja. Michael Hudelist