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»Traut euch, mehr Klassik zu hören«

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Freut sich auf den romantischen Klavierabend: Benedikt Huber. (Foto: Tessnow)

Bischofswiesen – Er ist ein Ausnahmetalent am Klavier, erst 23 Jahre alt, lebt in Bischofswiesen und ist ungern ein Selbstdarsteller. Auf Facebook wird man ihn vergeblich suchen und eine eigene Homepage mag er auch noch nicht einrichten. Seine Name: Benedikt Huber. Schon mal gehört? Nein? Dann wird es aber Zeit. Derzeit befindet er sich im Masterstudiengang für klassisches Klavier und Pädagogik an der Universität Mozarteum. Am kommenden Sonntag konzertiert er im Pfarrsaal St. Andreas.


Angefangen hat seine Musikerkarriere bereits im Alter von sechs Jahren in der Musikschule Marktschellenberg. Alsbald hat ihn das Klavier fasziniert. Auch seine Lehrerin stellte schnell fest, dass ein Harmonieinstrument die beste Wahl für ihn wäre. Hinzu kam, dass Benedikt Hubers Großvater Kirchenmusikdirektor und Chorleiter sowie als Organist tätig war. Das faszinierte und inspirierte den Buben sehr.

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Als Benedikt acht Jahr alt war, nahm sich bereits Professor Gereon Kleiner an der Universität Salzburg des Ausnahmetalentes an. Ab dem 12. Lebensjahr absolvierte Benedikt Huber den Vorbereitungslehrgang für Jugendliche an der Universität Mozarteum Salzburg.

Er bestand sein Abitur und auch die Aufnahmeprüfung zum Vollstudium für klassisches Klavier und Pädagogik. 2017 schloss er dieses als »Bachelor of Arts« mit Auszeichnung ab. Derzeit setzt er sein kreatives Schaffen zum »Master of Arts« um. 15 Jahre feilte er mit Professor Gereon Kleiner zusammen an seinem Können. Kleiner förderte intensiv die Entwicklung und das musikalische Verständnis des Ausnahmetalents. Er wurde über das »Lehrersein« hinaus zu einem väterlichen Freund und wichtigen Berater für Huber, wie er dem »Anzeiger« erzählt. Das Menschliche hat gepasst und so wurde er von ihm kontinuierlich auf ein hohes technisches Niveau gebracht.

Künftig wird Benedikt Huber aber mit Professor Klaus Kaufmann zusammenarbeiten. Sein Traumberuf ist es, als Dozent an der Universität zu unterrichten und natürlich sein Klavierspiel immer weiter zu perfektionieren sowie auch aus pädagogischer Sicht an Reife und Erfahrungen zu gewinnen.

Kein Wuschelkopf mit extrovertierten Allüren

Grund seines Erfolgs ist der hohe Anspruch an sich selbst. Er legt jedoch keinen gesteigerten Wert darauf, sich groß selbst darzustellen. Wer sich mit ihm unterhält, lernt einen überhaupt nicht abgehobenen oder gar für das Genre oft typisch affektierten Musiker kennen. Man trifft vielmehr auf eine eher zurückhaltende und entspannte Persönlichkeit, die nicht das typische Klischee eines Konzertpianisten mit Wuschelkopf und extrovertierter Gestik erfüllt. Er ist sportlich und könnte auch als Leichtathlet durchgehen. Huber strahlt Natürlichkeit und Souveränität aus, möchte vorerst aber noch im semiprofessionellen Sektor bleiben. Benedikt Hubers Auftritte sind rar. Sein erstes größeres Konzert spielte er mit 19 Jahren in der »Insula« vor rund 80 Zuhörern. Es bleibt bis heute in seiner Erinnerung, da er dadurch die Freude am Konzertieren entdeckt hat. Es war ein Schlüsselmoment und inspirierte ihn zum Weitermachen. Das erste richtig professionelle Konzert fand dann im Pfarrsaal St. Andreas im vergangenen Jahr statt. Vor 170 Klassikliebhabern.

Vier Stunden Fingerübungen

In der Regel beginnt der Tag von Benedikt Huber morgens um 7 Uhr mit Frühsport. Nach dem Frühstück beginnt er mit verschiedenen Übungen, und je nach Studienplan geht es anschließend zur Universität, um an Vorlesungen sowie am praktischen Unterricht teilzunehmen. In einer Studentenwohnung könnte er nicht stundenlang üben. Daheim jedoch findet er optimale Bedingungen, um auf seinem Flügel in aller Ruhe zu arbeiten.

Täglich versucht er mindestens vier bis fünf Stunden zu spielen. Er beginnt mit Tonleitern und Fingerübungen. Danach widmet sich Benedikt Huber den aktuellen Werken, die gemeinsam mit dem Professor ausgesucht wurden. Dabei liegt sein Augenmerk zunächst darauf, mit jeder Hand einzeln und danach mit beiden Händen auswendig zu lernen. Hier vertieft er sich mit geschlossenen Augen auf das innere Hören des Stückes, ohne es zu spielen. Kennt er das jeweilige Werk in- und auswendig, präzisiert er Dynamik und Interpretation. Der 23-Jährige hat sich auf keinen klassischen Bereich spezialisiert. Alle Epochen und Komponisten faszinieren ihn, ob Romantik, Barock, Neue Musik oder Impressionismus.

Zum Ausgleich Golf

Doch der Musiker ist auch gern sportlich unterwegs. Wie sich gezeigt hat, ist Golf der ideale Ausgleichssport für seine geistige Entspannung und innere Ruhe. Es finden sich zum Klavierspiel einige Parallelen: So ist für ihn die akribische Konzentration durchaus mit der am Klavier vergleichbar. Und auch ein klassischer Konzertpianist ist nicht vor der Unterhaltungsmusik gefeit. Beim Autofahren darf es ruhig mal Heavy Metal sein. Es muss nicht immer nur Mozart im Player liegen, Schlager hingegen hört er nie.

Wer ein Konzert von Benedikt Huber besucht, erfährt mit seinem Vortrag eine tiefe Kernaussage: »Ich will, dass die Leute sich wieder öfter mit der klassischen Musik beschäftigen. Sie bereichert das ganze Leben und fördert in der meist oberflächlichen Gesellschaft das Nachdenken«, ist der Musiker überzeugt. Klassik brauche Zeit. »Viele nehmen sich nicht mehr die Zeit beziehungsweise glauben sie hätten sie nicht.« Doch wenn sich nach mehrmaligem Hören die Zusammenhänge erschließen, sei das Klangerlebnis unvergleichlich intensiver und tief gehender als bei gängiger Unterhaltungsmusik.

Benedikt Huber konzertiert am 23. September im Pfarrsaal St. Andreas. Er möchte den Zuhörern die romantische Epoche näherbringen und eine emotionale Ebene aufzeigen, die manchem vielleicht noch verschlossen ist. Hierfür hat er ein besonders stimmiges Programm ausgearbeitet. Beginn des romantischen Klavierabends ist um 18  Uhr. Der »Kulturkreis Berchtesgaden« organisiert das Konzert. Aufgeführt werden Werke von Franz Schubert (4 impromtus op. 90), Franz Liszt (Schubert-Liedbearbeitungen), sowie Robert Schumann (Kinderszenen op.15). Jörg Tessnow