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Trittsichere Bretter, die die Welt bedeuten

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Ein Theaterensemble der besonderen Art: Behinderte und Nichtbehinderte stellen sich dem Publikum. Bei den Proben standen ihnen mehr als ein halbes Dutzend Betreuer sowie Thomas Küblbeck (hinten, r.) und Sozialpädagogin Dorothee Horsch (2. Reihe, r.) zur Seite. (Foto: Meister)

Bischofswiesen – Das Sommercamp im Saal des Bischofswieser Pfarrheimes ist vorübergehend zur Bühne geworden. Behinderte und nichtbehinderte Kinder und Jugendliche probten für ein Theaterstück, das gestern im »Werk 34« Premiere feierte. Die Lebenshilfe Berchtesgadener Land betreut mit Partnern rund ein Dutzend Kinder in der Ferienzeit, um die Eltern zu entlasten und den Beteiligten schöne Ferientage zu schenken. Fast genauso viele ehrenamtliche Betreuer, vorwiegend weiblichen Geschlechts, sind rund um die bunte Schar im Einsatz.


Zum Gruppenbild stellten sich alle gern auf: Die ehrenamtlich tätigen Helfer, die Sozialpädagogin vom Jugendwerk Jonathan, der Leiter der offenen Hilfen der Lebenshilfe und natürlich die betreuten Kinder und Jugendlichen. Letztere sind sowohl Behinderte als auch nicht behinderte Geschwisterkinder. Sie nehmen am zweiwöchigen Sommercamp der Lebenshilfe teil. Den Saal des katholischen Pfarrheimes in Bischofswiesen hat ihnen das Pfarramt komplikationslos zur Verfügung gestellt, betonte Thomas Küblbeck, bei der Lebenshilfe für offene Hilfe zuständig.

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Dass man diese Möglichkeit des Sommercamps anbieten kann, basiert auf der Zusammenarbeit vieler. Sonst wäre es nicht möglich. Es geht auch darum, die Eltern in der langen Sommerferienzeit zu entlasten, denn kaum jemand ist in der Lage, sechs Wochen am Stück Urlaub zu bekommen. In den Mittagsstunden an einem Werktag ist es im Pfarrheim in Bischofswiesen gewöhnlich ruhig. Die Lebenshilfe-Kinder und Jugendlichen bringen derzeit Leben ein. Zumal ein besonderes Ereignis auf dem Plan stand. Es wurde für einen Auftritt im Werk 34 geprobt, dort sollte ein kleines Theaterstück aufgeführt werden. Lampenfieber, der fast unvermeidliche Begleiter »gewöhnlicher« Theateraufführungen war bei den Proben kaum spürbar. Sozialpädagogin Dorothee Horsch vom Jugendwerk Jonathan zog die Fäden, locker und entspannt wirkte die Stimmung auf den Beobachter. Das Theaterspiel schien Nebensache. Ab und an sprintete eine Betreuerin hinter einem »Schauspieler« her, die sich gerade im Augenblick mehr für die Karaffe mit Saft als für ihre Rolle interessierte.

»Die Inklusion ist uns das Wichtigste«, sagte Thomas Küblbeck. Zu den bis zu acht Behinderten, die sich wie hier im Pfarrheim auch an den meisten Samstagen in Schneewinkl einfinden, kamen etwa noch einmal halb so viele Geschwisterkinder. Dazu fünf bis sieben Betreuer jeden Alters, die allesamt ehrenamtlich arbeiten. »Daneben steht der Lebenshilfe Berchtesgadener Land eine ganze Reihe von Partnern zur Seite, ohne die eine Aktion wie das Sommercamp kaum zu stemmen wäre«, sagte Thomas Küblbeck auch und nannte die Behinderten-Initiative Berchtesgaden, die schon erwähnte Jugendhilfe Jonathan und viele andere, die mit Tat und materiell bereitstehen. An der Spitze die fünf Gemeinden des südlichen Landkreises, die gemeinsam die Kosten für das Projekt übernommen haben.

Und nicht zuletzt ist es auch die regionale Wirtschaft, die unkompliziert ihren Anteil am Gelingen des Sommercamps leistet. Das beginnt mit Getränkespenden und mündet in einer Kehlsteinfahrt, die am Montag stattfinden soll und auf die sich alle bereits freuen. Dieter Meister