weather-image
13°

Trotz Verbots am Sonntag haben die Geschäfte am Königssee wieder geöffnet

4.2
4.2
Bildtext einblenden
Publikumswirksam mit einem Sarg protestierten die Ladeninhaber 2012 am Königssee gegen eine Schließung der Geschäfte am Sonntag.
Bildtext einblenden
Souvenirgeschäfte gibt es am Königssee einige. Diese dürfen auch an Sonn- und Feiertagen offen haben. Fotos: Anzeiger-Archiv/Pfeiffer
Bildtext einblenden
Ein »herzlicher« Gruß vom Königssee: typisches Mitbringsel.
Bildtext einblenden
Früher war an Sonntagen in der Seestraße besonders viel los.
Bildtext einblenden
Ware mit Ortskennzeichnung: die Königssee-Kappe.

Schönau am Königssee – Die Geschäfte am Königssee haben seit mehreren Monaten sonntags wieder geöffnet. »Wir haben das unerlaubterweise getan, wir riskieren das Bußgeld«, sagt ein Geschäftsmann im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Und das Landratsamt? »Bislang ist keiner zum Kontrollieren gekommen«, behaupten die Ladeninhaber. Landrat Georg Grabner ist da anderer Meinung und sagt, seine Behörde werde für deren Kontrolltätigkeit von der Regierung sogar gelobt.


Seit Anfang des Jahres haben einige Geschäfte am Königssee wieder an Sonn- und Feiertagen geöffnet. Mehrere »Anzeiger«-Leser haben sich dort gewundert, warum sonntags am Königssee wieder eingekauft werden kann.

Anzeige

Die Bußgelder, die den Geschäftsleuten bei widerrechtlicher Öffnung drohen, sind immens: 2 500 Euro, heißt es in einem Schriftstück, das der Heimatzeitung vorliegt.

Vorausgegangen war ein Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichts München, das entschieden hatte, dass nur bestimmte Geschäfte, etwa Souvenirläden, an Sonn- und Feiertagen geöffnet haben dürfen. Vertreter des Landratsamts waren daraufhin von Geschäft zu Geschäft gegangen und hatten das Warensortiment jedes Anbieters in der Seestraße aufgenommen und festgelegt, wer sonntags verkaufen darf und wer nicht. Grünes Licht gab es für »ortskennzeichnende Ware« oder etwa Produkte, die in einer jahrzehntealten Verordnung aufgeführt werden (»Badegegenstände«). Der Großteil der in der Seestraße angebotenen Waren fällt aber nicht darunter.

Einfach öffnen, trotz Verbots

»Wir verdienen am Sonntag aber am meisten«, sagt nun ein Geschäftsmann. Unter den Sonntagsschließungen habe das Geschäft gelitten, »wir haben einige Angestellte, die müssen wir zahlen.« Deshalb hat er sein Geschäft auch wieder geöffnet. Widerrechtlich. Im Winter sei am Königssee nichts los, »da fehlen die Gäste«, die meisten Läden haben dann sowieso geschlossen.

Das Landratsamt hatte in der Vergangenheit mit Nachdruck angekündigt, in der Seestraße streng zu kontrollieren. Immerhin hat die Behörde die Aufsichtspflicht und ist für den Vollzug von Maßnahmen zuständig. Bescheide gegenüber Geschäftsleuten hatte es angeblich gegeben. »Fünf Stück«, sagt Landrat Georg Grabner im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Wie hoch die zu zahlenden Summen ausfielen, konnte er auf Nachfrage nicht sagen.

Fehlende Kontrollen?

»Die haben nie kontrolliert«, sagt ein Geschäftsmann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Deshalb sei man auf Seiten der Geschäfte etwas nachlässig geworden, habe miteinander abgesprochen, sonntags wieder zu öffnen. »Und solange keiner kontrolliert, ist alles gut.«

Unfair behandelt fühlen sich die Königsseer Geschäftsleute seit langem. Denn in anderen vom Tourismus abhängigen Gegenden wie etwa in Bad Tölz oder am Tegernsee werde die Sache mit den Öffnungszeiten relativ nachlässig behandelt, weiß ein Geschäftsmann, der fordert, dass das Ladenschlussgesetz gelockert werde und schließlich für alle gelte. »Wenn woanders geöffnet werden darf und wir am Königssee schließen müssen, ist das ein Unding«, meint er.

Gemeinde weiß von widerrechtlicher Öffnung

In der Gemeindeverwaltung von Schönau am Königssee weiß man über die widerrechtliche Öffnung am Sonntag Bescheid. »Wir sind nicht für Kontrollen zuständig, sondern das Landratsamt«, sagt Schönau am Königssees Bürgermeister Hannes Rasp. Absprachen zwischen Gemeinde und Geschäftsleuten habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben. Im Landratsamt Berchtesgadener Land heißt es, dass man für die »Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben verantwortlich ist und diese sicherstellen muss«, so Pressesprecher Andreas Bratzdrum. Kontrollen hätten in der Vergangenheit auch stattgefunden. Im Juni 2013 zum Beispiel. Da habe es eine Kontrollaktion gegeben, sagt Landrat Grabner. Testkäufe wurden gemacht in drei Geschäften, die Kontrolleure kauften mehrere Artikel – und stellten schließlich fest, dass diese gar nicht verkauft hätten werden dürfen. In den Folgemonaten scheint man im Landratsamt mit den Kontrollen aber nachlässig geworden zu sein. Keiner der vom »Berchtesgadener Anzeiger« befragten Geschäftsleute ist bislang überprüft worden.

»Wir schonen keinen«

Landrat Grabner sagt, dass am Königssee regelmäßig kontrolliert werde. Dieses Jahr auch? »Die Saison ist erst im Mai losgegangen«, so Grabner. Wurde davor nicht kontrolliert? Auf die Schnelle gibt es auf diese Frage keine Antwort. Eine Übersicht aller Königssee-Kontrollgänge der letzten Monate konnte das Landratsamt bis Redaktionsschluss nicht zur Verfügung stellen. Diese soll Anfang kommender Woche nachgereicht werden. Georg Grabner sagt, dass seine Behörde gute Arbeit leiste, was die Kontrollen angehe: »Die Regierung von Oberbayern hat unsere Kontrolltätigkeiten überprüft und für gut befunden.«

Die Geschäftsleute sehen das anders: »Wir sind um jeden Sonntag froh, den wir offen haben dürfen.« In diesem Jahr sei noch nicht kontrolliert worden, »zumindest nicht richtig«, meint einer. Landrat Grabner möchte widerrechtliche Öffnungen aber in keinem Fall dulden. Gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger« kündigte er nun an, verstärkt zu kontrollieren. »Wir schonen keinen.«

Währenddessen hat sich Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber in Position gebracht und möchte sich nun stark machen für eine Gesetzesänderung beim Ladenschlussgesetz. Bis Redaktionsschluss war sie für die Heimatzeitung nicht zu erreichen.