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Turbogefühl in neuer Jennerbahn: 500 Höhenmeter in vier Minuten

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Sind stolz auf die neue Bahn (v.l.): BBAG-Vorstand Michael Emberger, BGLT-Geschäftsführerin Dr. Brigitte Schlögl, die Hauptaktionäre Peter Hettegger und Hannes Rasp sowie Betriebsleiter Wilfried Däuber.

Schönau am Königssee – Sobald die Zehnergondel die Talstation verlassen hat, stellt sich bei den Fahrgästen ein Turbogefühl ein. Der Antrieb beschleunigt die Kabine so stark, dass bereits vier Minuten später die Mittelstation erreicht ist. Vom Fahrgefühl der neuen Jennerbahn können sich Einheimische und Gäste heute und morgen überzeugen, wenn die untere Sektion bis zur Mittelstation im Rahmen eines Aktionswochenendes eröffnet wird. Erwartet werden rund 10 000 Besucher. Der »Berchtesgadener Anzeiger« ließ sich die neue Anlage bereits gestern im Rahmen einer Testfahrt zeigen.


Mit strahlenden Gesichtern empfangen Investoren und Verantwortliche der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) sowie Vertreter der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT) und des österreichischen Seilbahnbauers Leitner die Pressevertreter an der Talstation. Martin Harlander und Bürgermeister Hannes Rasp, zwei der BBAG-Hauptaktionäre, räumen ein, dass die Anspannung noch vor wenigen Tagen groß gewesen sei. »An der Mittelstation haben wir in den letzten vier Wochen einen Koordinator eingesetzt, damit alles rechtzeitig fertig wird«, sagt Harlander. Seine gute Laune lässt bereits jetzt vermuten, dass es funktioniert hat.

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Skidepot mit 200 Spinden

In der Talstation zeigt BBAG-Vorstand Michael Emberger der Presse das große Skidepot, wo Urlaubsgäste, die täglich zum Jenner kommen, ihre Skiausrüstung deponieren können. Rund 200 Spinde stehen hier bereit. In einem abgetrennten Bereich erkennt man zwei Waschtische und große Spiegel. »Im Beauty-Bereich kann man sich beispielsweise nach dem Skifahren frisch machen«, erklärt Emberger. Im großen Eingangsbereich fällt neben den beiden Rolltreppen eine Glasvitrine mit einer alten Gondel inklusive alter Seilbahntechnik auf. Daneben lassen zwei beleuchtete historische Aufnahmen den Beginn des Seilbahnzeitalters am Jenner in den 50er Jahren wieder aufleben.

»Wir haben hier einen hohen Grad an Barrierefreiheit umgesetzt«, erklärt Vorstand Michael Emberger und zeigt auf den Aufzug. Monoskifahrer können außerdem direkt von der Piste zum Bahnsteig gelangen. WCs, Sozialräume für die Mitarbeiter, die Anlieferung für die Gastronomie inklusive Tiefkühlzelle und Lagerräumen komplettieren das Raumangebot in der Talstation.

Die ersten acht Höhenmeter hinauf zur Mittelstation überwindet der Tross mit der Rolltreppe. Am Bahnsteig warten bereits fünf oder sechs Gondeln auf die Fahrgäste. Sofort stechen die weißen Kunstlederbezüge ins Auge. Die Frage: »Werden die nicht schnell schmutzig?«, drängt sich einigen sofort auf. Voraussagen kann das aktuell wohl niemand, aber nobel wirken die Bezüge schon. Doch die Blicke der Fahrgäste wenden sich schnell in andere Richtung, wenn die Gondel Fahrt aufnimmt. Sobald die Kabine die Talstation verlässt und ins Seil gekuppelt wird, setzt die Beschleunigung ein. Man rauscht förmlich nach oben, die Blicke gehen durch die großen abgedunkelten Panoramafenster in alle vier Himmelsrichtungen und sogar schräg nach unten.

Ziemlich genau in vier Minuten, also nicht einmal in der Hälfte der Zeit wie die alte Jennerbahn, ist man bereits an der Mittelstation angekommen. Allmählich müsste die Gondel doch abbremsen, denkt sich der Fahrgast. Doch das geschieht tatsächlich erst wenige Meter vor Erreichen des Bahnsteigs. Eben und komfortabel geht es hinaus auf die Plattform. Schnell erkennt auch der kritische Betrachter, dass hier tatsächlich noch alles fertig geworden ist. Sogar die Anlagen für die obere Sektion, die erst im nächsten Sommer in Betrieb gehen soll, sind bereits fertig installiert. Eine Etage tiefer befindet sich der Gondelbahnhof, wo die insgesamt 60 Gondeln nach Betriebsende untergebracht werden.

Jennerwiesenbahn ebenfalls fertig

Beim Verlassen des Gebäudes fallen die mit Planen abgedeckten Sechsersessel auf, die bereits am Seil auf dem Bahnsteig hängen und auf ihren Einsatz im kommenden Winter warten. »Die Jennerwiesenbahn ist so gut wie fertig«, sagt Bürgermeister Hannes Rasp. Tatsächlich hat man es quasi in letzter Minute auch noch geschafft, den Außenbereich relativ gut herzurichten. Wo noch vor drei Wochen Schotterwüste herrschte, da ist jetzt alles anplaniert. Und man glaubt es kaum: Rund um die Terrasse des von Thomas Hettegger betriebenen Restaurants »Halbzeit« gibt es sogar einen etwa fünf Meter breiten Grünstreifen. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass es sich um ausgerollten Fertigrasen handelt.

Rund 160 Sitzplätze stehen im Restaurant zur Verfügung – 80 innen und weitere 80 auf der Terrasse. Die werden an diesem Wochenende freilich schnell besetzt sein. Doch Jennifer Rasp von der BBAG beruhigt: »Es werden zusätzlich zahlreiche Biertischgarnituren aufgestellt«. Schließlich soll hier heute und morgen ausgiebig gefeiert werden.

Am Sonntag Auftritt der »Mürztaler«

Während die Journalisten hier ihre Interviews machen und gleichzeitig das kulinarische Angebot testen, laufen gleich nebenan die Aufbauarbeiten für eine große Bühne. »Hier spielen am Sonntag von 14 bis 18 Uhr die Mürztaler bei einem Open-Air-Konzert«, erklärt Jennifer Rasp.

Dann taucht unterhalb des Dr.-Hugo-Beck-Hauses aus einer großen Staubwolke ein Betonmischer auf. »Ja, da oben geht es noch rund«, bestätigt Jennifer Rasp und meint damit die Bauarbeiten an der Bergstation. Tatsächlich ist alle paar Minuten ein Betonmischer oder ein Lkw zwischen Hinterbrand und Bergstation unterwegs. Denn dort ist man gewaltig in Verzug. Erst im Sommer nächsten Jahres wird die obere Sektion in Betrieb gehen. Dann wird man nach aktuellem Planungsstand 56,7 Millionen Euro verbaut haben. Die noch bestehende Finanzierungslücke von rund 10 Millionen Euro wird man nach Einschätzung der Aktionäre in Kürze schließen können. »Wir sind in Gesprächen und auf einem guten Weg«, sagt Bürgermeister Hannes Rasp und sieht Martin Harlander an. Der ergänzt ziemlich unverbindlich: »Wichtig is' nur, dass 's zoit werd'.« Ulli Kastner