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Unbekannt und gefährdet

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Die Buben und Mädchen des Kindergartens Schönau am Königssee vor der neuen Wildbienenwand. (Foto: privat)

Schönau – Wenn von Bienen die Rede ist, denken die meisten an die domestizierte Honigbiene. Dass es in Deutschland noch etwa 560 Arten von Wildbienen gibt, wissen die wenigsten.


Damit sich daran zumindest in Schönau am Königssee etwas ändert, geht der gemeindliche Kindergarten neue Wege: Die im Garten der Anlage installierte Wand soll einerseits Lebensraum bieten für verschiedene Wildbienen und andererseits viele Jahre als Umweltbildungsprojekt und Forschungsobjekt für den Artenschutz dienen.

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Wildbienen werden vielfach mit Wespen oder Fliegen verwechselt. Durch die zunehmend industrielle Landwirtschaft sowie der Zerstörung wichtiger Lebensräume sind viele Wildbienenarten im Bestand gefährdet. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, engagiert sich der Verband Artenschutz in Franken bereits seit vielen Jahren für diese bedrohte Insektengruppe. Und hat mit der Kindertagesstätte Schönau am Königssee einen weiteren Partner gefunden. Thomas Köhler, Vorsitzender von Artenschutz in Franken, erläuterte bei der Eröffnung des Wildbienen-Hotels die Wichtigkeit der Insektengruppe: »Wir Menschen sind darauf angewiesen, dass unsere Pflanzen bestäubt werden. Wildbienen spielen hierbei eine weitaus größere Rolle als bisher angenommen. Indem wir die Lebensräume dieser Tiere mit unserem Handeln so negativ beeinträchtigen, setzen wir eins der für die Menschen am wichtigsten Ökosysteme aufs Spiel.«

Die Wand im Kindergarten ist in zwei Bereiche unterteilt: Die obere Hälfte ist aus unterschiedlichen Materialien gestaltet und lädt Wildbienenarten zum Bleiben ein. Eingebaute Klappen bieten Kindern und Interessierten die Möglichkeit, ins Innere des Hotels zu blicken. Die untere Hälfte dient der Information. Geschickt aufbereitet erläutert sie in Bild und Wort die verschiedenen Bauteile und stellt einige der Wildbienenarten vor. Die Entwicklung der Wand übernahm der Verband Artenschutz in Franken ehrenamtlich, alle Kosten übernahm die Audi- Stiftung für Umwelt.

Da bei Bienen viele Eltern sofort an Stiche denken, stellte die Kindergartenleiterin Irmgard Wucher klar: »Die Wildbienen sind friedlich. Deshalb können sich die Kinder gefahrlos der Wand nähern.« Bürgermeister Hannes Rasp freut sich ebenfalls über das Projekt und machte deutlich, wie wichtig es ist, Kinder von klein auf über die heimischen Tierarten aufzuklären. »Nur was man kennt, weiß man zu schätzen und schützt es auch.«

Die Kinder der Kindertagesstätte Schönau am Königssee wissen Bescheid. Seit Wochen bereiten sie das Thema Wildbienen auf, mit den Erzieherinnen, mit engagierten Eltern, bildlich, musikalisch und mit einem Rezept für Honigkekse sogar kulinarisch. Kräftig sangen sie »Weißt du, wo kleine Bienen wohnen? In Schönau am Königssee.« Und hoffen darauf, dass die Ersten bald einziehen. fb

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