weather-image
23°

Unsere kleine Farm

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Claudia Maier setzt sich seit Jahrzehnten für Tiere ein.
Bildtext einblenden
Es gibt viel zu entdecken: Hündin Liesi und das Minischwein. (Fotos: Pfeiffer)
Bildtext einblenden
Leben im Garten nebeneinander: Gockel, Huhn und Hase.

Berchtesgaden – Rund um Ostern geht der »Run« auf Kleintiere wieder los. Sie sind ein beliebtes Geschenk. Zum Leidwesen der Berchtesgadenerin Claudia Maier, die gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten eine Minifarm betreibt.


»Unsere Tiere haben alle ein Schicksal hinter sich«, sagt sie, kommen aus Rumänien, dem Freilassinger Tierheim oder wurden ausgesetzt. Ein Hund, drei Minischweine, Katzen, Gänse, zehn Hühner, ein Trupp Laufenten und knapp zwei Dutzend Hasen watscheln, laufen und hoppeln durch den heimischen Garten. Vielen der Tiere ging es schlecht, sie wurden abgegeben, waren in Tötungsstationen oder wurden »vor dem Kochtopf bewahrt«.

Anzeige

Hund Liesi tollt durch den Garten, immer den Minischweinen hinterher, denen sie in die Hinterbeine zwicken möchte. Sie spielen ausgelassen. Daneben stolzieren drei weiße Gänse. »Die können richtig böse werden«, sagt Maier und lacht dabei. Seit zwei Jahren haben die Gänse im Garten ein neues Zuhause gefunden, nachdem ein Landwirt ein Fuchsproblem hatte. Ansonsten wären sie im Kochtopf gelandet. Bis zu 30 Jahre alt werden Gänse.

Weiter hinten, beim Schuppen, sitzen ein paar Hasen, daneben picken die Hühner im schneedurchmischten Laub. Wer Claudia Maier einen Besuch abstattet, merkt schnell, dass Tiere hier das Sagen haben.

Ein Faible für Tiere hatte die Einheimische schon immer. Irgendwann kam der Film »Ein Schweinchen namens Babe« ins Kino. Spätestens seit dem wollte sie auch ein Minischwein haben. Die Tierliebhaberin setzt sich aktiv für Tiere ein. Sie ist unter anderem im Verein »Rette das Huhn« und ist Anlaufstelle für heimische Tierärzte, die ein ausgesetztes Haustier bekommen haben und dafür ein neues Zuhause suchen.

»In Rumänien zählen die Tiere nichts«

»Es gibt so viele Tiere, die eine Geschichte hinter sich haben«, sagt die Berchtesgadenerin, die etwa mit den »Hundeengeln Salzburg« zusammenarbeitet. »In Rumänien zählen die Tiere nichts«, sagt sie. Unzählige Straßenhunde leben dort, es gibt staatlich geförderte Tötungsstationen, in denen die Tiere gesammelt und umgebracht werden. »Das Problem ist, dass die Hunde nicht kastriert sind«, weiß Claudia Maier. Sie vermehren sich unkontrolliert. Deshalb ist sie schon mehrfach mit den Tierschützern nach Rumänien gefahren, um Tiere zu impfen, zu kastrieren, auch, um sie aus Tötungsstationen zu holen und ihnen ein neues Zuhause zu schenken. Viele Hunde werden dort noch an Ketten gehalten. Die Tierfreunde arbeiten mit örtlichen Tierschützern zusammen. In der Tat hat Maier auf diese Weise allein zehn Hunde nach Berchtesgaden gebracht. Auch, wenn die Situation in Rumänien derzeit noch miserabel sei, macht sie eine Verbesserung aus.

»Sich ein Tier vom Züchter holen ist ein Unding«

Trotzdem muss aus ihrer Sicht der unkontrollierten Vermehrung Einhalt geboten werden. »Das funktioniert nur über Kastrationen.« Sich ein junges Tier zu holen, das eventuell sogar von einem Züchter kommt, ist für sie ein Unding: »Unsere Tierheime im Landkreis quellen über.« Also plädiert sie dafür, sich erst einmal im Tierheim umzusehen, bevor man zu einem Züchter geht.

Jedes Jahr werden allein im Landkreis Berchtesgadener Land Dutzende Tiere ausgesetzt, vernachlässigt und abgegeben. »Man will dem eigenen Kind eine Freude mit einem Meerschweinchen oder einem Hasen machen. Aber die Euphorie ist schnell verflogen, wenn man sich um das Tier kümmern muss.« Zumal Hasen Fluchttiere seien, keine Streichel- und Kuscheltiere. »Die wollen nicht herumgeschleppt werden.«

Ein Zuhause für Liesi, Nala, Hanni und Karli

Die zweieinhalbjährige Hündin Liesi hat Claudia Maier aus Rumänien bekommen, die Katzen Nala, Hanni und Karli von einem Bauern übernommen und aus dem Tierheim in Freilassing geholt. Viele der 20 Hasen kommen von Familien, die die Tiere nicht mehr haben wollten. Einen der Hasen, Gretl, hat sie von der Scharitzkehl, wo das Tier einfach ausgesetzt wurde.

Zwölf Laufenten wohnen im Garten. »Tagsüber sind die aber meist unterwegs, entlang der Ache, denn fliegen können sie ja nicht.« Manchmal bringen die Laufenten eine Gruppe Wildenten mit. »Dann sitzen bei uns über 20 Enten im Garten.« Mehrere Ställe haben Claudia Maier und Lebensgefährte Werner gebaut. In einem wohnen die Minischweine. Julchen ist eines davon, zehn Jahre alt. Die beiden anderen Minischweine sind noch jung, eines davon kam von einer Frau, die sich das Tier in der Wohnung hielt und mit ihm Gassi ging. »Irgendwann war das alles nicht mehr möglich, seitdem ist es bei uns daheim«, sagt die Berchtesgadenerin. Altes Brot und Müsli bekommen die Schweine zu fressen. Wenn sie ihr Geschäft verrichten müssen, suchen sie sich ein Plätzchen im Garten. »Die sind sehr reinlich.« Die Hühner liefern der Familie die täglichen Eier, sie graben im Garten und picken nach Futter.

Für Tierfreunde ist Maiers Garten ein wahres Paradies. Gleich neben dem Minischweinestall befindet sich der große Fischteich mit Stören. »Natürlich essen wir die nicht, die dürfen bei uns alt werden«, sagt sie. »Denn Menschen setzen auch Fische aus«, weiß die Berchtesgadenerin und zuckt mit den Schultern – ein solches Verhalten ist für sie nicht verständlich. Seit einiger Zeit ist in Berchtesgaden auch wieder der Fischotter unterwegs. Aber an die Störe traut er sich nicht. Wahrscheinlich, weil sie zu groß sind.

Dass Tiere auch in Zukunft ihr Leben bestimmen werden, da ist sich die Tierfreundin sicher. Nur langsam wird der Platz knapp. »Wenn wir einen noch größeren Garten hätten, hätten wir noch viel mehr Tiere«, ist die Tierliebhaberin überzeugt. Kilian Pfeiffer