weather-image
17°

Unter franziskanischem Dach

3.2
3.2
Bildtext einblenden
Der ehemalige Nationalparkleiter Dr. Hubert Zierl freut sich auf das »Haus der Berge«.
Bildtext einblenden
Das umfangreiche Geländerelief wird überarbeitet und kommt vom Nationalparkhaus in das »Haus der Berge«. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden - Nach 25 Jahren schließt das Nationalpark-Haus seine Pforten. Der Nationalpark Berchtesgaden zieht in das »Haus der Berge« um. Die historischen Räume rund um das Franziskanerkloster mit dem angrenzenden Nationalpark-Haus erzählen eine lange, wechselvolle Geschichte, weiß Dr. Hubert Zierl, ehemaliger Nationalparkleiter.


Dass ein Nationalpark ein Informationsgebäude mit sich bringt, sei üblich, so Zierl. Und so lag es nahe, dass auch in Berchtesgaden gleich während der Planungsphase Anfang der 70er-Jahre nach einem solchen Gebäude Ausschau gehalten wurde. »In die Überlegungen wurde auch eine Anzahl von Standorten einbezogen, die einen Neubau aufnehmen sollten«, so Zierl. Überzeugen konnte schließlich keiner der Orte.

Anzeige

Allerdings war Anfang der 80er-Jahre über die künftige Nutzung mehrerer Gebäude im Markt zu entscheiden. »Die 1978 errichtete Nationalparkverwaltung, die bis 1982 im ehemaligen Forstamt Ramsau untergebracht war, wurde mit zwei Gebäuden bedacht«, weiß Zierl. Die Verwaltung zog im Jahr 1982 am Doktorberg 6 ein. Dort war das »Amtsgebäude 2« frei geworden, nachdem der Umzug des Landratsamtes nach Bad Reichenhall vollzogen wurde.

Die ehemaligen Räume des im Franziskanerkloster befindlichen Amtsgerichts, das 1973 nach Laufen verlegt worden war, sollten nun das neue »Informationszentrum« des Nationalparks aufnehmen. Mit der Einweihung und der Eröffnung am Tag des heiligen Franz von Assisi (3. Oktober 1988) wurde das Nationalpark-Haus unter franziskanischem Dach eröffnet. Die Geschichte des Hauses war schon immer eine sehr wechselvolle:

Um 1400 wurde das Gebäude für die Chorfrauen des Augustinerordens errichtet. Ihr altes Stift hatten die Frauen durch Kriegswirren verloren. Das Gebäude am heutigen Franziskanerplatz wird das erste Mal in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1401 erwähnt. Die Jahreszahlen 1488 und 1519 werden als Beginn und Ende des Franziskanerkirchenbaus interpretiert.

Das Ende des Frauenklosters wird in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert. Wie das Gebäude bis zum Einzug der Franziskaner Ende des 17. Jahrhunderts genutzt wurde, ist ungewiss. Als geistliche und weltliche Herren des Berchtesgadener Klosterstaates waren die Augustiner Chorherrn für eine geordnete Seelsorge verantwortlich. Auch rechtliche und organisatorische Fragen, etwa nach Nutzungs- und Eigentumsrechten, fielen in die Verantwortung der Chorherren. Ebenso der Lebensunterhalt der Franziskaner musste mit den Chorherren beziehungsweise dem Stiftspropst vereinbart werden. 1695 schließlich zogen die Franziskaner in das Kloster ein. Dort mussten sie, so Zierl, zunächst im Speisesaal am Boden schlafen, ehe die Einrichtung angeschafft war.

Durch kurfürstliches Dekret wurde die Ansiedelung der Franziskaner in Berchtesgaden am Namensfest (23. November 1695) von Josef Clemens, Administrator des Stifts Berchtesgaden und Kurfürst von Köln, besiegelt. Das »Kloster«, das zunächst ein Hospiz war und erst später zu einem Kloster erhoben werden sollte, konnte zunächst mit sechs Mönchen besetzt werden. Die kirchliche Feier zur Klostererhebung fand in einem festlichen Rahmen im Dezember 1715 statt.

1716 begannen die ersten Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten. Instandsetzung, Erweiterung und teilweiser Abbruch dauerten bis 1722, die Klostergruft unter der Kapelle wurde ein Jahr später fertiggestellt. Die Franziskaner hatten zunächst umfangreiche Seelsorgearbeit zu leisten, in einer historischen Schrift ist von der »Missionierung des Berchtesgadener Landes« die Rede.

Das Franziskanerkloster war im Folgenden von Aufklärung und Säkularisation betroffen. Obwohl es 1803 nicht wie das Stift aufgelöst wurde, schien alles darauf hinauszulaufen, zum Aussterben verurteilt zu sein. Mehrere Zugehörigkeitswechsel später war Berchtesgaden 1810 schließlich zu Bayern gekommen. Das Königreich hatte das Kloster übernommen.

In das weitgehend verwaiste Gebäude zog 1822 das Hauptsalinenamt mit der Dienstwohnung des Hauptsalzamtsinspektors ein. Auf Drängen der Bevölkerung ermöglichte König Ludwig I. von Bayern auch weiterhin den Fortbestand des Franziskanerklosters in mehreren Räumen. Das Landgericht Berchtesgaden übernahm 1868 die Räume des Salinenamts. 1879 wurde das Landgericht in ein Amtsgericht umgewandelt und blieb dort bis 1973.

Während des Nationalsozialismus mussten die Franziskaner 1941 aus dem Kloster ausziehen. Zuflucht fanden sie derweil im Pfarrhof und dem Mesnerhaus in Berchtesgaden - bis 1945. In den Folgejahren stand das Kloster kurz vor der Schließung - mangels Ordensleuten. Die unmittelbare Schließung konnte mithilfe polnischer Franziskaner abgewendet werden. Kilian Pfeiffer