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Untersuchungen zum Untersberg-Untermieter

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Der Untersberg als Kaisersitz. Stellt sich nur die Frage: Karl der Große oder Friedrich Barbarossa? Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Eines ist klar: Franz Beckenbauer ist es nicht. Doch zwei andere Kaiser erheben Anspruch auf ihr Wohnrecht im Untersberg: Karl der Große und Friedrich Barbarossa. Da von einer WG nichts bekannt ist, kann es nur einen Untersberg-Untermieter geben. Für Hans Lackner aus Schönau am Königssee ist die Antwort klar: »Kaiser Karl, natürlich. So habe ich es in der Schule gelernt.« Doch in seiner Facebook-Gruppe »Mia samma in Beacht'sgon dahoam« liest man auch andere Meinungen.


Es gibt brisantere Probleme und weltgeschichtlich wichtigere Fragen. Das ist Hans Lackner und seinen Facebook-Freunden schon klar. Dennoch diskutieren sie seit Wochen darüber, wer nun tatsächlich im Untersberg haust. Für Lackner sprechen einige wesentliche Aspekte für Carolus Magnus. »In allen Festschriften und Jubiläumsumzügen im Berchtesgadener Land ist es Kaiser Karl«, sagt er. Selbst beim Haberfeldtreiben in früheren Zeiten habe die Einleitung im ganzen Oberland immer gelautet: »Im Namen von Kaiser Karl im Untersberg ...«.

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Und es gibt sogar berühmte Fürsprecher Karls des Großen. Die Brüder Grimm, zum Beispiel, schreiben in ihrem Sagenbuch von Karl dem Großen. Hans Lackner zitiert auch gerne Bayernkönig Max I. In einem seiner Gedichte aus dem Jahr 1830 heißt es: »Kaiser Karl der Große muss verweilen in des zaubervollen Berges Schloss.«

Doch immer wieder, erst jüngst in einem Leserbrief im »Berchtesgadener Anzeiger«, taucht dieser Barbarossa auf. Was Hans Lackner gar nicht gefällt. »Friedrich I. war ein schlimmer Finger«, sagt er. »Er hat Salzburg niederbrennen lassen.« Schwer vorstellbar, dass sich so ein Schurke im Untersberg niederlassen darf. »Der Untersberg ist doch kein Verbannungsort für kriminelle Kaiser«, findet Lackner. Sondern der Sage nach ein Ort der Ehre und Gerechtigkeit.

Betrachtet man die ausführlichen Recherche-Ergebnisse und Erläuterungen in der Facebook-Gruppe und zieht man die persönlichen Umfragen Lackners heran, so ergibt sich in etwa ein Unentschieden. Wobei sich eindeutig eine Tendenz abzeichnet. Während Einheimischen und Salzburger in der Regel für Kaiser Karl sind, plädieren Zuagroaste eher für den Rotbart. Sogar im »Großen Deutschen Sagenbuch« des Patmos-Verlags soll von Kaiser Barbarossa als Untersberg-Bewohner die Rede sein.

Was Hans Lackner stutzig macht. »Der Barbarossa haust doch schon im Kyffhäuser. Da steht doch ein großes Denkmal.« Somit könnte der Untersberg bestenfalls sein Zweitwohnsitz sein. Eine Nachzahlung für 824 Jahre Zweitwohnsitzsteuer. Klingt nach einem guten Geschäft für die Gemeinde Bischofswiesen.

Macht man sich die Mühe und recherchiert im Internet zu dieser Causa, behält Karl der Große die Oberhand. Allerdings erheben dort noch zwei weitere kaiserliche Hoheiten Anspruch auf den Sitz im Untersberg: Karl V. und Friedrich II. Für Hans Lackners Facebook-Gruppe, die übrigens gerne neue Hobby-Historiker und Freizeitforscher aufnimmt, bleibt noch viel zu tun. Christian Fischer

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