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Vaterunser im Schimmel

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Mit Schimmel befallene Kirchengemälde: Die Restaurationsarbeiten in der Wallfahrtskirche St. Bartholomä waren aufwendig. Fotos: Bayerische Seen- und Schlösserverwaltung/Tina Naumovic
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Extremer Wandschimmelbefall an den Kircheninnenmauern. Mehrere Zehntausend Euro kosteten die Gegenmaßnahmen.

Schönau am Königssee – Die Wallfahrtskirche St. Bartholomä kämpft mit Schimmel. »Ein sehr großes Problem«, weiß Tina Naumovic, Diplom-Restauratorin vom Restaurierungszentrum der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. In einem aufwendigen Verfahren, gefördert von der Europäischen Union, haben Experten dem Schimmel den Kampf angesagt.


Historische Gebäude sind es, die unter den Folgen des Klimawandels besonders leiden. »Die veränderten Wetterbedingungen fügen den historischen Gebäuden – innen wie außen – substanziellen Schaden zu«, heißt es in einer Abhandlung, veröffentlicht vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik, das in das EU-Projekt involviert ist.

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Vor allem gelte das für Baudenkmäler, die aus Karbonatgesteinen, wie Marmor oder Kalkstein, erbaut wurden. Ganz besonders setzt der St.-Bartholomä-Wallfahrtskirche der Königssee-Tourismus zu. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat im Auftrag der Bayerischen Schlösserverwaltung unter anderem die Auswirkungen von Klima und Besuchern auf das Innenraumklima untersucht, um neue Lösungsansätze zu entwickeln.

Bereits 2009 hatte man in der Schlösser- und Seenverwaltung einen »spontanen Schimmelbefall« in der Kirche auf St. Bartholomä festgestellt. »Das kam ganz schlagartig«, sagt Tina Naumovic im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. An Wänden, Stuck und auf dem Altar breitete sich der Pilz aus. Sofortige Maßnahmen zur Schimmelentfernung wurden eingeleitet. Pünktlich zur Wallfahrt war dann alles so weit gereinigt.

Kartoffelkellergeruch in der Kirche

Allerdings war es nur eine Frage der Zeit, bis die Schimmelproblematik von vorne beginnen sollte. »Es herrschte immerzu muffiger Geruch, Kartoffelkellerschimmelgeruch«, nennt das Restauratorin Naumovic. Das Müffeln war so extrem, dass Besucher, die länger in der Kirche verweilten, mit einem in der Kleidung festsitzenden Modergeruch das Gotteshaus wieder verließen. »Wir mussten weitere Maßnahmen einleiten«, erinnert sich die Expertin. Lösungen, wie das kulturelle Erbe in Deutschland besser erhalten werden kann, waren gefragt. Denn immerhin besuchen jedes Jahr Hunderttausende St. Bartholomä. Im Jahr 2010 zählte die zuständige Bayerische Schlösserverwaltung in ihren 45 Schlössern, Burgen und Residenzen knapp fünf Millionen Besucher.

Steigende Temperaturen oder Hitzewellen sind für Gebäude wie die St.-Bartholomä-Kirche, in deren Mauern es kühl ist, schlecht. Die Schimmelgefahr steigt deutlich.

Auch der zunehmende Besucherstrom nimmt erheblichen Einfluss auf das Raumklima. Die Zunahme der Luftfeuchtigkeit hinterlasse deutliche Spuren an der Bausubstanz, sagt Naumovic. Seit 2010 führen Experten in der Wallfahrtskirche am Königssee Klimauntersuchungen durch, die im Rahmen des »Climate for Culture«-Projektes ausgewertet wurden.

Die Experten empfahlen schließlich eine sogenannte Bauteiltemperierung in der Wallfahrtskirche. Heizrohre wurden verlegt, da die relative Feuchtigkeit in der Kirche zwischen 80 und 100 Prozent lag. »Viel zu viel für das historische Gemäuer«, weiß Tina Naumovic. Vergleichbar mit Werten wie in der Dusche. Die durchgeführte Bauteiltemperierung brachte gute Ergebnisse, allerdings vor allem in den Wintermonaten, wenn es draußen kalt ist. Im Sommer bestand also auch weiterhin die Problematik extremer Luftfeuchtigkeit. Warme Luft, die in kalte Kirchengemäuer dringt, führe bereits nach kürzester Zeit zu extremer Schimmelbildung. 2012 hatten die Experten des Restaurierungszentrums eine geregelte Lüftungsanlage installiert, unterstützt wurde diese durch eine aktive Entfeuchtung, ein mit Strom betriebenes Gerät, am nördlichen Seitenaltar angebracht, das der Luft das Wasser entzieht.

Die intelligente Lüftung

»Intelligente Lüftung« nennt Tina Naumovic die mit hohen finanziellen Ausgaben verbundene Installation. Luft wird immer nur dann vom Turm in die Kirche gesaugt – und zwar durch das Dach hinter dem Altar vorbei –, wenn die Luftfeuchtigkeit draußen geringer ist als drinnen. Ist es anders herum, wird der mobile Entfeuchter aktiviert. Zusätzlich lassen sich die Kirchenfenster elektrisch kippen. Per Fernabfrage können die Verantwortlichen die gemessenen Klimadaten abfragen. Nach zwei Jahren lässt sich nun feststellen, dass die relative Feuchte in der Wallfahrtskirche auf St. Barthomolä deutlich gefallen ist, auf einen Wert von 60 bis 80 Prozent.

Rund 20 000 Euro haben die Maßnahmen gekostet, mit 19 000 Euro schlug die Entschimmelung zu Buche. Die Kirche auf St. Bartholomä gilt laut Naumovic als besonders wichtiges Untersuchungsobjekt im »Climate for Culture«-Projekt. Eine umfangreiche Ergebnispräsentation erwartet die Restauratorin im November. Dann endet das Projekt, an dem 27 Nationen beteiligt sind. Kilian Pfeiffer