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Verantwortung für den Natur-, Arbeits- und Kulturraum

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Marktbürgermeister Franz Rasp hielt das Festreferat beim diesjährigen Landfrauentag. (Foto: Horn)

Schönau am Königssee – »Die Gesamtverantwortung für die Heimat treibt uns an«, so definierte Franz Rasp die Motivation für die Arbeit, die in kleinen bäuerlichen Betrieben geleistet wird. Der Berchtesgadener Bürgermeister war heuer Festredner beim Landfrauentag im Gasthaus »Unterstein« (wie berichtet). Unter der Überschrift »Natur und Bauern in Berchtesgaden« zeichnete er ein aufschlussreiches Bild über die Herausforderungen der landwirtschaftlichen Arbeit im südlichen Landkreis. Gewürzt mit einer Prise Humor wurde die Problematik der kleinbäuerlichen Landwirtschaft unterstrichen. »Bei uns leben sehr viele Betriebe für und nicht von der Landwirtschaft«, fasste Rasp zusammen.


Mit einem kurzen Rückblick in die Zeit der Fürstpropstei, die Gründung der Gnotschaften und die Entstehung der heutigen kleinbetrieblichen Strukturen stieg Rasp in sein Referat ein. Aus der geschichtlichen Entwicklung heraus hätten sich kleine Betriebe mit oftmals nur wenigen Hektar gebildet. Eine zusätzliche Schwierigkeit bilde häufig die Steillage. »Das, was beispielsweise bei euch in Teisendorf ein Feld ist, das ist bei uns eine Leitn«, stellte Rasp mit einem Augenzwinkern fest, machte deutlich, wie beschwerlich die Bewirtschaftung der steilen Flächen sei und ergänzte. »Probleme mit großen Güllefässern haben wir im südlichen Landkreis nicht, weil uns diese herunterkugeln.« Im südlichen Landkreis würden die Betriebe für und nicht von der Landwirtschaft leben, stellte der Redner fest. »Bei uns gibt es eine handvoll Vollerwerbsbetriebe. Die aber dann auch noch Gästezimmer vermieten.« Rasp stellte die berechtigte Frage: »Warum machen wir das?« Und hatte die Antwort dazu parat: »Weil wir hier dahoam sind. Die Gesamtverantwortung für die Heimat treibt uns an.«

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In Bezug auf die Strukturen im südlichen Landkreis stellte er fest: »Die Almflächen sind die ökologisch wertvollsten, die wir haben. Die Bauern leisten eine naturschutzfachliche Bewirtschaftung von hochwertigen Flächen.« Weiter zeigte er das Zusammenwirken der Landwirtschaft mit dem Nationalpark auf, kam auf anfängliche Schwierigkeiten zu sprechen und sagte zur Ist-Situation. »Jetzt haben wir den Nationalpark seit mehr als 30 Jahren. Er hat mehr Vorteile als Nachteile.«

Wie wichtig es ist, die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes zu prüfen, machte er im weiteren Verlauf seines Referats deutlich. »Ziel muss die Marge sein und nicht die Menge«. Sowohl das Premiumprodukt aus Milch als auch hochwertige und gut ausgestattete Ferienwohnungen führte er dazu als Beispiele an. Die bäuerlichen Betriebe im südlichen Landkreis bräuchten ein zweites Standbein, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Doch auch die Frage, wie die nächste Generation mit »dem Sach« umgehen werde, sei eine Frage, die manchen Landwirt umtreibe. Ebenso die Frage, wie man mit der Verantwortung für das Eigentum umgehe. »Wir sind nicht nur Natur- und Arbeitsraum sondern auch Kulturraum«, erklärte Rasp und animierte die Zuhörerinnen dazu, die Kinder zu verantwortungsvollen und verantwortungsfreudigen Menschen zu erziehen.

Der Marktbürgermeister traf mit seinem halbstündigen Referat wohl den Nerv der Landfrauen. Denn aufmerksam hatten sie den Festvortrag verfolgt und abschließend reichlich Applaus gespendet. Von Kreisbäuerin Maria Krammer gab es dann ein Geschenk als Dank für das kurzweilige Referat. Maria Horn