weather-image

Verdacht auf Ruhr in einem Flüchtlingsbus

2.9
2.9
Bildtext einblenden
Mit österreichischen Reisebussen werden seit Freitag Flüchtlinge vom Transitlager Liefering direkt zur Notunterkunft in Freilassing gefahren. (Foto: Hudelist)

Freilassing – 49 Flüchtlinge sind wegen Verdachts auf die ansteckende Durchfall-Krankheit Ruhr seit der Nacht auf Samstag in Salzburg in Quarantäne. Eine 28-jährige Frau aus Syrien ist seitdem im Landeskrankenhaus zur Beobachtung. Österreichische Reisebusse fahren unterdessen die Flüchtlinge vom Transitlager Liefering aus direkt in die Notunterkunft Freilassing. Das Camp auf der Salzburger Seite der Saalachbrücke wird geschlossen, die fünf Kontrollzelte der Bundespolizei auf der bayerische Seiten werden abgebaut.


In der Nacht auf Samstag kam ein Reisebus mit 50 Flüchtlingen aus Kärnten in der ehemaligen Autobahnmeisterei an. Eine 28-jährige Frau klagte über Durchfall und Bauchkrämpfe. »Sehr schnell hat ein Sanitäter den Verdacht auf Ruhr gehabt, auch die Frau selbst äußerte diese Vermutung«, sagte Michael Haybäck, Einsatzleiter der Stadt. Die Frau wurde in eine Isolierstation des Landeskrankenhauses gebracht. Die restlichen 49 Passagiere, sowie der Fahrer, durften den Bus daraufhin nicht verlassen. Später wurde der Bus zum derzeit leeren Camp direkt an der Staatsgrenze dirigiert. Dort sind die 49 Flüchtlinge nach wie vor in einem großen Zelt in Quarantäne, nur der Busfahrer durfte noch am Samstag nach Hause fahren.

Anzeige

Heute soll das Laborergebnis zeigen, ob die Frau tatsächlich an Ruhr erkrankt ist, bei den anderen Buspassagieren ist die Krankheit bisher nicht ausgebrochen. Das ergab auch eine weitere Kontrolle durch eine Amtsärztin am Samstagnachmittag.

Erstkontrolle in Deutschland jetzt in der Möbelhalle

Die Flüchtlinge reisen seit Freitag nicht mehr zu Fuß über das Kraftwerk Liefering-Rott nach Deutschland ein, mit unmittelbarer Kontrolle an der Saalach, sondern werden mit österreichischen Reisebussen vom Transferbereich in der ehemaligen Autobahnmeisterei in Liefering direkt in die Notunterkunft Freilassing-Möbellager gefahren. Es bleibt allerdings bei der vereinbarten Übernahme von 50 Personen pro Stunde, das heißt, einmal in der Stunde fährt ein Bus von Liefering nach Freilassing. Dort ist jetzt im vorderen Teil des ehemaligen Möbeldiskonters ein neuer, großer Kontrollbereich eingerichtet. Die fünf Zelte der Bundeswehr auf der deutschen Seite der Saalachbrücke werden abgebaut.

»Die Kontrolle der Flüchtlinge an der Saalachbrücke war suboptimal«, sagte Manfred Ludwig von der Bundespolizei Rosenheim zum Grund für das neue Verfahren. »Für die ersten drei Monate war es okay, aber jetzt kommt dann der Winter und bei Eis und Schnee ist die Kontrolle in Zelten weder den Flüchtlingen, noch den Beamten zuzumuten.« Während die Polizei bisher auf die Kontrolle der Flüchtlinge und deren Gepäck unmittelbar an der Grenze Wert legte, geht es jetzt auch in der acht Kilometer entfernten Notunterkunft. »Das Risiko ist kalkulierbar, immerhin haben wir seit dem Beginn der Grenzkontrollen bei den Einreisenden keinerlei Waffen gefunden.«

Auch Handy-Bilder werden gecheckt

Ab der Saalachbrücke fahren Bundespolizisten in den österreichischen Transferbussen mit. In der Notunterkunft selbst kommen die Flüchtlinge in einen neuen, großen Kontrollbereich, in dem vor wenigen Wochen noch italienische Schuhe und Mode verkauft wurden. An der ersten Station gibt es einen kurzen Gesundheits-Check durch Bundeswehr-Sanitäter. Anschließend beginnen Leibesvisitation und Kontrolle der wenigen Habseligkeiten. Auch die Fotospeicher der Handys sehen sich die Bundespolizisten genau an. An der letzten Station erfolgt das Erfassen der Daten, der elektronische Fingerabdruck, sowie eine erste Befragung mithilfe eines Dolmetschers. Anschließend kommen die Flüchtlinge in den ersten Stock des ehemaligen Möbeldiskonters, wo sie auf die Weiterreise mit einem der beiden täglichen Sonderzüge nach Mannheim und Berlin warten.

Am Freitag sind rund 1 100 Flüchtlinge über Freilassing nach Deutschland eingereist, am Samstag wurde die vereinbarte Übernahme von 1 200 Migranten ebenfalls erreicht, da auf der Salzburger Seite bis tief in die Nacht noch Reisebusse aus dem Süden Österreichs angekommen sind. Zum Vergleich: Anfang November reisten noch täglich rund 3 200 Schutzsuchende über Freilassing ein, entweder über die Saalachbrücke oder damals noch mit Sonderzügen direkt vom Hauptbahnhof Salzburg. Michael Hudelist

- Anzeige -