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Vergewaltigte Ehefrau glaubwürdig

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Schönau am Königssee – Zu viereinhalb Jahren Gefängnisstrafe verurteilte die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein am Dienstag einen 31 Jahre alten Flüchtling aus Afghanistan – wegen Vergewaltigung und vorsätzlicher Körperverletzung an seiner 21-jährigen Ehefrau in einer Asylbewerberunterkunft in Schönau am Königssee. Der Angeklagte blieb in der dreitägigen Verhandlung bis zuletzt dabei, er sei »unschuldig«. Zu den Verletzungen beteuerte er, er habe seine Frau nie geschlagen, höchstens geschubst. Dabei sei sie versehentlich gegen eine Kommode gefallen. Andere Verletzungen habe sie sich vielleicht selbst beigebracht, um ihn zu belasten und geschieden zu werden. Damit fand der 31-Jährige bei der Kammer mit Vorsitzendem Richter Dr. Jürgen Zenkel aber keinen Glauben.


Die 21-Jährige, die sich tatsächlich scheiden lassen möchte, hatte alle Punkte der Anklageschrift von Staatsanwältin Alexandra Karch bestätigt. Das seit rund sechs Jahren verheiratete Paar kam im September 2015 mit dem gemeinsamen Kind über Ungarn in die Bundesrepublik. In der Unterkunft gab es regelmäßig Streit. Im November 2015 sowie an zwei Tagen Mitte Januar 2016 zwang der Afghane seine Ehefrau durch Schläge und in einem Fall durch Würgen gegen ihren erklärten Willen zum Geschlechtsverkehr. Die Zeugin erlitt Schmerzen, Blutergüsse, eine geschwollene Nase und Würgemale.

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Die Polizeiinspektion Berchtesgaden, an die sich die junge Frau wandte, veranlasste eine Untersuchung und Ermittlungen durch die Kripo Traunstein. Der Rechtsmediziner Professor Dr. Fritz Priemer aus Wonneberg wurde zugezogen. Der Gutachter bestätigte in dem Prozess, die Verletzungen passten zu der Tatschilderung der 21-Jährigen. Auch Polizeibeamten war die Aussage des Opfers plausibel und glaubhaft erschienen, wie sie im Zeugenstand berichteten.

Staatsanwältin Alexandra Karch sah den Angeklagten im Plädoyer aller Straftaten überführt und forderte die letztlich vom Gericht verhängte Freiheitsstrafe von vier Jahren sechs Monaten. Der Verteidiger, Josef Knoll aus Freilassing, bewertete das Ergebnis der Beweisaufnahme ganz anders. Sein Mandant sei vom Vorwurf der Vergewaltigung freizusprechen. Für die drei vorsätzlichen Körperverletzungen sei eine Geldstrafe angemessen.

Im Urteil begründete Vorsitzender Richter Dr. Jürgen Zenkel den Schuldspruch im Sinn der Anklage. Die Frage sei gewesen: »Wem glaubt man, wenn Aussage gegen Aussage steht?« In der Regel seien bei solchen Fällen nur zwei Personen beteiligt. Deren Aussagen gelte es zu gewichten. Die Kammer habe der Ehefrau geglaubt. Ihre Angaben seien durchgehend konstant gewesen und nicht von Belastungseifer geprägt. An der 21-Jährigen und am Angeklagten seien Verletzungen nachgewiesen, die eindeutig mit der Schilderung der Frau in Einklang zu bringen waren. kd