weather-image
13°

»Vermittler« neun Monate auf Bewährung – Spezl hat sie »verpfiffen«

5.0
5.0

Berchtesgaden/Laufen – Ein halbes Jahr nur hat der 23-jährige Hotelfachmann aus dem Norden der Republik in Berchtesgaden gearbeitet. Lange genug, um Menschen mit »gemeinsamer Neigung« kennenzulernen, wie Schöffengerichts-Vorsitzender Thomas Hippler den Konsum von Marihuana beschrieb. Später noch, als der Mann im Schwäbischen beschäftigt war, vermittelte er eine Großlieferung des Rauschgifts an zwei junge Berchtesgadener. Wegen Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben erhielt der 23-Jährige eine neunmonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung.


Man hätte es halt nicht weitererzählen sollen. Ein Spezl der beiden Jung-Handwerker hatte die Lieferung eines 450-Gramm-Paketes bei der Polizei gemeldet. 3 500 Euro hatten die Burschen dem Lieferanten am Münchner Flughafen dafür ausgehändigt. Als die Polizei zuschlug, konnte zumindest ein Teil der Ware sichergestellt werden. Beide Handwerker waren dafür zu einer Woche Jugendarrest verurteilt worden.

Anzeige

Angeklagt war nun der Vermittler des Geschäfts. Er hatte den Berchtesgadenern mitgeteilt, er kenne jemanden, der auch größere Mengen besorgen könnte. Dieser Jemand benutzte dazu jedoch vorwiegend das Mobiltelefon des Angeklagten, weil der einen günstigen Handy-Vertrag hatte.

»Ich habe gar nichts dafür bekommen«, beteuerte der Hotelfachmann. »Auch kein Marihuana?«, fragte Richter Hippler ungläubig. »Nicht mal das«, antwortete der Angeklagte. »Es war also reine Gefälligkeit?«, hakte Hippler nach. »Es war reine Dummheit«, korrigierte der 23-Jährige.

Einer der beiden verurteilten Burschen bestätigte im Zeugenstand die Version des Angeklagten. »Als Beschuldigter durften Sie lügen«, belehrte ihn Hippler, »als Zeuge nicht.« Bei dem 21-jährigen Anlagenmechaniker hatte man noch 87 Gramm an Marihuana sicherstellen können.

»Der Angeklagte hat den Lieferanten benannt«, hielt Staatsanwalt Dr. Anton Burger dem Hotelfachmann zugute. Wegen Beihilfe erachtete Burger eine Freiheitsstrafe von einem Jahr für angemessen, mochte dem bislang unbescholtenen Mann jedoch eine Bewährungszeit zugestehen.

»Mein Mandant hat Aufklärungshilfe geleistet, sodass der Haupttäter überführt werden konnte«, würdigte ebenso Verteidiger Jürgen Tegtmeyer. Nicht zuletzt, weil es sich um eine sogenannte weiche Droge handle, wollte der Anwalt sogar von einem minderschweren Fall ausgehen und plädierte für eine Strafe von deutlich unter einem Jahr.

Das Schöffengericht entschied auf neun Monate und eine dreijährige Bewährungszeit. Bei einem Wirkstoffgehalt von 6,5 Prozent Tetrahydrocannabinol ergab sich für die 450 Gramm eine Gesamt-Wirkstoffmenge von 27 Gramm, was den Grenzwert einer »nicht geringen Menge« um das Vierfache überstieg. »Dass er das alles aus reiner Gefälligkeit getan hat, ist nicht widerlegbar und nicht völlig unglaubwürdig«, fasste Thomas Hippler zusammen. Weil die ganze Sache jedoch »professionell abgewickelt« worden war, wollte der Vorsitzende nicht von einem »minderschweren Fall« ausgehen. »Er hat eine feste Arbeitsstelle und eine feste Beziehung«, begründete Hippler eine positive Sozialprognose. »Wenn Sie noch irgendwo einen Rest rumliegen haben, schmeißen S' den weg«, empfahl er dem Verurteilten und wünschte ihm eine gute Heimreise. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig. Hannes Höfer