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Verwechslungsreigenleichtigkeit

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Vor allem leicht erlebbare Spielfreude zeichnet die Darstellung der Marktbühne aus.
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Das tragende Quartett im Verwechslungsspiel: Christian Bätzold als Antipholus von Ephesus und sein Bruder von Syrakus sowie ihre Dienerinnen Dromia von Syrakus und die von Ephesus. Oder umgekehrt. Fotos: Anzeiger/Meister

Berchtesgaden – Es ist schon seit Jahrhunderten ein bewährtes Erfolgsrezept im Theater: Der Zuschauer weiß, was richtig ist, die Protagonisten des Stückes wissen es nicht. Das ist auch das Prinzip in der »Komödie der Irrungen«, die man dem jungen Shakespeare zuschreibt und deren Ursprung wohl auf »Menächmen« des Römers Plautus zurückgeht. Was die Marktbühne Berchtesgaden in Kooperation mit dem Halleiner Laientheater »Bodiendsole« und mit Akteuren aus der von Helmut Russegger seit Jahrzehnten brillierenden Spieltruppe des Bad Reichenhaller Karlsgymnasiums aus der munteren Verwechslungskomödie macht, ist sicher sehenswert, vor allem aber äußerst vergnüglich. Das Stück hatte am Donnerstag im Museum »Schloss Adelsheim« Premiere.


Der Herzog von Ephesus mag keine Fremden, vor allem, wenn sie aus Syrakus kommen. Und so füllt sich der Herrscher, der bei der Marktbühne weiblich ist, gern seinen Beutel auf, wenn sich einer der nachbarlichen Feinde blicken lässt. Möglicherweise wäre die Herzogin in heutiger Zeit eine aussichtsreiche Kandidatin für das Tourismusmanagement gewesen. Aegon, ein Kaufmann aus Syrakus, ist blank, als er den Ephesusser Schergen in die Hände fällt. Geld soll er auftreiben, sonst droht ihm die Hinrichtung. Die Sitten waren in der Antike und offensichtlich zu Shakespeares Zeiten immer noch recht rau.

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Aegon hat zwar keine Freunde in Ephesus, die ihm finanziell aus der Patsche helfen könnten, dafür allerdings eine interessante Geschichte. Bei einem schlimmen Seesturm wurde seine Familie grausam getrennt. Die Gattin mit einem Zwillingssohn und dessen Diener Dromio war bei Flaute verschwunden und er mit dem anderen Sohn und dem anderen Dromio plötzlich allein. Die Söhne übrigens trugen deshalb beide den Namen Antipholus, weil sie sich aufs Haar glichen, ebenso wie die Zwillingsdiener, die im Heimatmuseum von zwei spielfreudigen jungen Damen gegeben werden und folgerichtig Dromia heißen.

Das jedenfalls ist der gute Stoff für das Spiel der Irrungen, bei dem das Publikum immer ein Stück voraus sein darf und sich köstlich zu amüsieren weiß. Vor allem, weil die Regisseure Hermann Kruettner und Martin Klocke die Handlung mit allerlei Einfallsreichtum angereichert haben, pfiffige und skurrile Versatzstücke aneinanderreihen. Was allerdings eine Darstellerschar bedingt, die bereit ist, sich auf komisch absurde Pfade einzulassen. Im speziellen Fall hatten sie dies, nämlich ein Darstellerensemble, das vor allem Spielfreude einbringt, das augenscheinlich mit Lust agiert und selbst Spaß am lustigen und mit Tempo und einer wohltuenden Leichtigkeit vorgetragenen Verwechslungsreigen hat.

Die beiden Antipholusse werden von Christian Bätzold und Lorenz Brandner gegeben, die Dromias von Caroline Scharla und Klara Iljazovic. Das Quartett trägt die Handlung und hat natürlich mehr Raum, darstellerisches Talent und überzeugende Leistung glaubhaft zu machen. Auch die Leistung Simon Eibensteins als Vater der Zwillinge und letztlich zum Tod Verurteilter ist beachtenswert. Ebenso Leonie Reschreiter und Kerstin Glacks als Gattin des Antipholus von Ephesus und deren Schwester Luciana, die wohl bald ihre Schwägerin werden wird. Es sind nicht nur Irrungen, auch manchmal Verwirrungen, die das Stück mit Leichtigkeit und Spritzigkeit zum Ende tragen.

Auch in den Nebenrollen lassen manche Darsteller Spiellust und Können aufblitzen. Als Kurtisane nutzt Isabel Galk ihre relativ kurzen Auftritte eindrücklich zu ihren Gunsten. Ein »Freudenmädchen«, das dem Zuseher tatsächlich Freude macht. Es ist aber auch das Ensemble insgesamt, das aus der Shakespeare'schen Slapstick-Vorlage einen beeindruckend kurzweiligen Theaterabend zu gestalten imstande ist. Neben den oben Genannten wirken unter anderem Lili Schauerte, Mara Iljazovic, Caspar Russeggger und Andreas Bernegger mit.

Hermann Kruettner und Martin Klocke ist mit ihrem engagierten, jungen Ensemble eine Theaterspaß-Inszenierung gelungen, die einen garantiert vergnüglichen Abend bereiten kann.

Die weiteren Aufführungen sind heute Samstag, 15. März, sowie am Sonntag, 16. und Montag, 17. März. Weitere Aufführungen sind vom 20. bis einschließlich 23. März vorgesehen. Spielbeginn ist jeweils um 19.30 Uhr im Museum »Schloss Adelsheim«. Dieter Meister