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Verzweifelte Wohnungssuche nach Turnhalleneinsturz

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Verena und Björn Strömmer vor der Wand des Mietshauses, an die die Turnhalle grenzte. Die Mauer wird von Balken abgestützt. Foto: Mühlbauer

FREILASSING (cm) - Das Schicksal von Familie Strömmer mutet an wie eine moderne Herbergssuche in der Vorweihnachtszeit, ist für die Eltern von vier Söhnen aber bitterer Ernst. Als am 30. Juni das Dach der ehemaligen Jahnturnhalle einstürzte, verloren die Strömmers ihr Zuhause, denn sie wohnten Wand an Wand zu dem maroden Gebäude.


Zwar konnte die Familie nach drei Monaten zurück, doch spätestens seit dem Abriss der angrenzenden Ruine ist das Haus an der Jahnstraße 8 kaum noch bewohnbar. Seit Ende November müsste die Familie eigentlich ausgezogen sein. Verzweifelt suchen Verena und Björn Strömmer seit Wochen nach einer neuen Bleibe für sich und die vier Buben, zehn, neun, sechs und vier Jahre alt.

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Es war Samstag, 15.45 Uhr, als einer der vier kleinen Söhne von Familie Strömmer erschrocken zu seinem Vater lief, weil er einen lauten Knall gehört hatte. „Ich wusste gar nicht, was los ist“, erinnert sich Björn Strömmer, dessen Frau Verena zu diesem Zeitpunkt einkaufen war. „Dann kam auch schon unsere Vermieterin vom Gebäude gegenüber angerannt und hat uns lautstark herausgerufen“, so der Familienvater, der sofort mit seinen vier Kindern aus dem Haus neben der Jahnturnhalle flüchtete. 

Was dann folgte, am 30. Juni dieses Jahres, als der Dachstuhl der ehemaligen Jahnturnhalle einstürzte, war ein Großaufgebot an Einsatzkräften und eine zunächst schwer überschaubare Lage. Sogar eine Lawinenhundestaffel der Bergwacht wurde angefordert, da zunächst unklar war, ob sich unter den Trümmern Menschen befinden. Glücklicherweise gab es keine Verletzten doch für die Strömmers begann an diesem Tag eine Notlage, die der jungen Familie nun über den Kopf zu wachsen droht.

Einsatzkräfte des Roten Kreuzes und drei Helfer des Kriseninterventionsteams betreuten die Familie nach der Evakuierung. Die Mutter der Freilassingerin Verena Strömmer nahm die Sechs bei sich auf. Drei Monate lang teilten sich Eltern und Kinder zwei Zimmer, ehe sie im Oktober wieder in das Haus an der Jahnstraße 8 zurück durften. Doch es war klar, dass es sich nur um eine Übergangslösung handeln konnte. Bis 28. November sollte die Familie das Gebäude endgültig verlassen.

Die Rettung war nah: Ein Bekannter stellte der Familie ein Bauernhaus in Aussicht, das er kaufen und an die Strömmers vermieten wollte. „Doch kurz bevor es soweit war, sprang der Verkäufer ab“, berichtet der Familienvater. Die Kisten waren zu diesem Zeitpunkt bereits gepackt, die Möbel abgebaut. „Es ist, als würden wir mit Koffern am Bahnhof stehen und der Zug kommt nicht“, schildert Björn Schrömmer. Als Mitte November die Turnhalle schließlich ganz abgerissen wurde, wurde die Lage der Strömmers unerträglich. „Wir hatten richtig Angst, als die Maschinen anrollten“, erzählt Verena Strömmer. Das Haus habe vibriert, die Tassen im Schrank gewackelt und die Kinder fingen an zu weinen. „Wir sind raus und waren den ganzen Tag im Europark“, so die Mutter. Seither klafft in einem der Kinderzimmer ein faustgroßes Loch in der früheren Verbindungswand zur Turnhalle. Da zudem kaum mehr Möbel stehen, wohnt und schläft die  sechsköpfige Familie nun im Elternschlafzimmer auf rund 20 Quadratmetern. „Wir wälzen Zeitungen, haben Inserate aufgegeben und Aushänge in Kaufhäusern und in Supermärkten aufgehängt“, beschreibt das Ehepaar seine verzweifelte Suche. Doch eine Wohnung für sechs Personen zu finden, die erschwinglich ist, sei derzeit fast ein Ding der Unmöglichkeit.  

In ihrer Not haben sich die Strömmers an die Stadt Freilassing gewendet. „Die Familie war in der letzten Bürgersprechstunde bei mir“, bestätigt Bürgermeister Josef Flatscher, der daraufhin gleich mit Mitarbeitern über den Fall beraten hat. „Wir sprechen gerade mit allen größeren Vermietern“, so Flatscher, der als zweifacher Vater Anteil an dem Schicksal der Familie nimmt. „Mehr als Empfehlungen aussprechen können wir aber leider auch nicht“, räumt der Rathauschef ein. Auch er wisse, dass eine Wohnung in der Größe nicht leicht zu finden ist.

Die Familie sucht längst nicht mehr nur in Freilassing. Auch die umliegenden Gemeinden kommen für die Strömmers in Frage. „Wir würden überall hin gehen, obwohl ich mir wünsche, dass im Fall der Fälle meine Mutter in der Nähe wäre“, so Verena Strömmer. Denn die Wohnungsnot ist nicht der erste Schicksalsschlag, der die junge Familie ereilte: Vor wenigen Jahren ist Verena Strömmer an Krebs erkrankt. Nun wünscht sich die Familie nichts mehr, als so schnell wie möglich ein neues Zuhause zu finden. „Unser Sohn hat ein Bild von einem Haus gemalt und gesagt, er wünsche sich dieses Jahr zu Weihnachten keine Geschenke. Nur ein neues Zuhause.“