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»Viel Mist an der Hacke« – Mit 2,6 Promille am Steuer zum Friedhof

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»Das Leben springt einen förmlich mit dem Hintern ins Gesicht«, beschrieb der Verteidiger die »Ausnahmesituation« seiner Mandantin. (Archivfoto: Höfer)

Berchtesgadener Land – Tod, Krankheit, Trennung, Vorwürfe. Was der Verteidiger mit »viel Mist an der Hacke« umschrieb, war für die 30-jährige Sozialarbeiterin aus dem Landkreis zu viel gewesen. Mit 2,6 Promille hatte sie sich am späten Abend in ihren Wagen gesetzt, um Trost bei ihrer verstorbenen Mutter am Friedhof zu suchen. Wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr hat die Frau nun 1500 Euro zu zahlen. Am Laufener Amtsgericht kam noch ein weiterer Führerscheinentzug von neun Monaten hinzu.


Rechtsanwalt Florian Eder bat Staatsanwalt und Richter um »die nötige Sensibilität«. Ausführlich schilderte der Verteidiger die vielen Schicksalsschläge seiner Mandantin. Als dann auch noch ihr Lebensgefährte per Handynachricht die Beziehung beendet und sie sich Vorwürfe der Familie anhören habe müssen, sei das einfach zu viel gewesen. Nach reichlichem Biergenuss hatte sich die Frau in ihr Auto gesetzt und war losgefahren.

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Aufgefallen war ihre Fahrweise einem anderen Verkehrsteilnehmer. Der verständigte die nächstgelegene Polizeidienststelle und behinderte die Frau mit seinem Fahrzeug an der Weiterfahrt. »Sie saß weinend am Lenkrad«, schilderte ein 38-jähriger Polizeibeamter die nächtliche Situation. Der Alkoholgeruch sei deutlich gewesen, auf der Rückbank des Kleinwagens hätten leere Bierflaschen gelegen. »Sie ist mir direkt in die Arme gefallen«, berichtete der Zeuge, eine Atemalkoholmessung sei nach einigen Versuchen dann doch gelungen. Die 2,6 Promille bestätigte wenig später eine Blutprobe im Krankenhaus.

Staatsanwalt Thomas Peter wertete die »schwierige Lebenssituation« der Angeklagten, sah aber auch die nicht geringe Fahrstrecke über rund sechs Kilometer. Er beantragte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 30 Euro. Dazu eine weitere Führerscheinsperre von noch zehn Monaten. Eine verminderte Schuldfähigkeit stand für Verteidiger Florian Eder außer Frage. »Meine Mandantin ist noch nie irgendwie aufgefallen«, der Vorgang sei einmalig gewesen.

»Das Leben springt einen förmlich mit dem Hintern ins Gesicht«, beschrieb der Verteidiger die »Ausnahmesituation« seiner Mandantin drastisch. Glücklicherweise sei in dieser Sonntagnacht auf den Straßen wenig los gewesen. Eder bat das Gericht, darüber nachzudenken, ob man nicht von einem Führerscheinentzug absehen könne, sei das Verhalten doch »kein Indiz für die Zukunft«. Eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 30 Euro erschien dem Anwalt ausreichend. »Es war ein Riesenfehler. Ich bitte um ein mildes Urteil«, erklärte die 30-Jährige in ihrem Schlusswort.

Christopher Lang urteilte auf 50 Tagessätze à 30 Euro. Die Führerscheinsperre gilt nach rund dreieinhalb Monaten für weitere neun Monate. Einen Verzicht auf einen Führerscheinentzug, wie vom Verteidiger angeregt, sah Lang nicht angezeigt. Der Strafrichter mochte zwar ein »Motiv« für den übermäßigen Alkoholkonsum erkennen, nicht aber einen »Notstand«, um sich in diesem Zustand ans Steuer eines Autos zu setzen.

Hannes Höfer