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Viele gute Fragen im Schneewinkl

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Beantworteten ausgiebig die Fragen der Schüler (v.l.): Anat Buskila, Esther Foster, Merav Levy und Juliane Niklas. (Foto:Tessnow)

Schönau am Königssee – »Das ist eine sehr gute Frage«, hörten die Schüler der 10. Klassen oft am Donnerstag in der Aula der CJD-Realschule. Juden und Deutsche im Zweiten Weltkrieg sowie die Entwicklung Israels und Jerusalems waren das Tagesthema. Den umfangreichen Diskussionsstoff hatte die Schulleitung der CJD-Realschule im Vorfeld aufgegriffen und eine informationsfreudige Delegation des Bayerischen Jugendrings (BJR) sowie Kolleginnen aus Jerusalem zu einer informativen Podiumsdiskussion eingeladen.


Mit einem herzlichen »Welcome« begrüßte Schuldirektor Wolfgang Greiner die Damen des BJR im Verbund ihrer Begleitung aus Jerusalem und seine rund fünfzig Schüler. Von Beginn an entwickelte sich eine aufmerksame Atmosphäre zwischen allen Parteien. Lebendiger Religions- und Jugendpolitikunterricht wurde gestaltet. Religionslehrer Michael Storch leitete folgend in Kooperation mit Austauschkoordinatorin Susanne Thaler die Einführung. Für die nächsten zwei Stunden war deutsch-englische Kommunikation angesagt.

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Storch gelang es mit einer symbolischen Erzählung von Peter Richter aus dem Jahr 1938, den Schülern exemplarisch, sensibel und aufklärend das damalige prekäre Verhältnis zwischen Juden und Deutschen zu vermitteln. Mit seinem Podiumsprolog setzte er zusätzlich Eckpunkte einer fast siebzigjährigen Entwicklung und dem daraus resultierenden Engagement des BJR, der sich in der perspektivlosen Nachkriegssituation der deutschen Jugend annahm. Juliane Niklas und Valerie Dusch vertraten an diesem Tag den BJR aus München, um ihre jüdischen Kolleginnen zu unterstützen.

Die Delegation aus Jerusalem präsentierte zu Beginn den Promo-Film »Jerusalem – The light of the universe«. Eine ausschließlich bunte und glitzernde Demonstration des lebensfrohen, attraktiven und facettenreichen Jerusalems. Das Video blendete sämtliche Konflikte des Staates und der Stadt aus. Die Schüler der 10. Klassen verfolgten »das Licht des Universums« und die landeskundliche Informationsveranstaltung sehr aufmerksam. Sie hatten sich gut vorbereitet, um die für sie wichtigen Fragen an die Delegation zu stellen.

Das gelang anfangs, von der bunten Bildermacht beeindruckt, noch etwas schüchtern. Waren ihre Fragen doch wesentlich »grauer«, blieben die Zehntklässler dennoch bei ihren Fragen souverän und ergriffen das Mikrofon. So blieb es auch konsequent, dass viele wissen wollten, warum es seit Jahrzehnten Terror in Jerusalem beziehungsweise Israel gibt oder warum Juden und Araber sich nicht einfach friedlich nebeneinander bewegen können. Ein Schüler fragte sogar, ob es dort überhaupt jemals Frieden geben wird. Denn aktuell ereilte ein unvorhersehbares Schicksal Miri Hasson. Die stellvertretende Schulleiterin und Geschichtslehrerin an der Ziv High School Jerusalem musste am Donnerstag ihre Teilnahme absagen. Ein Attentat mit Todesfolge zwang sie zum Verbleib an ihrer Schule.

Der BJR und die jüdischen Lehrerinnen standen nun im Fokus nachhakender Schülerfragen und nahmen ausgiebig Stellung. Zu den dekadenlangen Kriegen mit ihren Nachbarstaaten sowie der aktuellen Konfliktherde, der Hamas, dem Gaza-Streifen sowie der Siedlungspolitik erklärte Austauschkoordinatorin der Stadtverwaltung Jerusalems, Merav Levy, fast stellvertretend: »Sie versuchen, uns zu zerstören.« Auch Esther Foster, Schulleiterin und Lehrerin an der Shoham High School ergänzte und konkretisierte die Problematik. »Das ist eine sehr gute Frage«. Sie versuchte die komplizierte Geschichtsentwicklung des Staates Israel zu verdeutlichen. Die Schüler erhielten viele Informationen über Land und Leute sowie Kulturhintergründe.

Anat Buskila, Abteilungsleiterin für Jugend in der Regionalverwaltung Tamar intensivierte das Thema Gesellschaftsstrukturen. Sie erklärte den Schülern Leben und Sinn eines Kibbuz. Nach der Podiumsdiskussion konnte sich die geladene Delegation des BJR noch einen Einblick in den Religionsunterricht verschaffen und sich anschließend durch das neue Schulhaus führen lassen. Jörg Tessnow

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