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Vilsmaiers fulminante Filmsause "Bayern – Sagenhaft"

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Foto: Pfeiffer

Berchtesgaden – Regisseur Joseph Vilsmaier hat am Sonntag im gut besuchten Kongresshaus seinen neuen Film »Bayern – Sagenhaft« der Öffentlichkeit vorgestellt.


Vier Jahre lang hatte der Filmemacher an seinem Werk, das rund 1 Million Euro gekostet hat, gearbeitet. Zahlreiche Landkreis-Bürgermeister waren bei der Filmpremiere dabei. Die Besucher zeigten sich begeistert.

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Für Joseph Vilsmaier ist Berchtesgaden eine zweite Heimat: »Wenn ich all die Zeit, die ich in Berchtesgaden war, zusammenrechne, komme ich auf knapp zwei Jahre«, sagt Vilsmaier, unterlegt mit einem Lächeln, und versetzt den Besuchern einen launigen Seitenhieb: »Ich kenne mich hier wahrscheinlich besser aus als Ihr alle.«

In der Tat hat der Kultregisseur schon mehrfach im Landkreis gedreht. Etwa einen Werbefilm für die Region. Später folgte der Bewerbungsfilm für die Olympischen Spiele. Die von Vilsmaier und Monika Gruber eingesprochenen Texte stammen aus der Feder von Autor Hannes Burger, der 20 Jahre lang für Walter Sedlmayr, Max Grießer und Erich Hallhuber die Salvatorreden beim Politiker-Derblecken am Nockherberg schrieb.

Premiere im Kurkino Berchtesgaden:

Für »Bayern – Sagenhaft« hat Vilsmaier zahlreiche Aufgaben selbst übernommen: Er war Produzent, Regisseur und Verleiher in einer Person. Er hat alles aus eigener Tasche finanziert und keine Förderungen angenommen. Als er 20 000 Euro für den Verleih bekommen sollte, lehnte er ab. »Ich wollte nicht abhängig sein«, sagt er. Sein Filmteam bestand aus vier Personen, mit denen er durch ganz Bayern tourte. Sein Ziel: Den bayerischen Jahreskreislauf darzustellen.

Der Film beginnt im Januar und endet im Dezember. Den Startschuss setzen die Weihnachtsschützen am Lockstein, das Ende bilden die Buttnmandl. Dazwischen gibt es rund 90 Minuten lang Brauchtum und Besonderheiten. Vilsmaier selbst bezeichnet seinen Film als »kuriosen Reigen«.

Lustige erste Szene

Allein schon die erste Szene ist ein Vilsmaier’sches Kuriosum: Kabarettistin Monika Gruber sitzt in einer Raumstation, blickt sehnsüchtig auf Bayern hinab und wünscht sich nichts sehnlicher, als möglichst schnell nach Hause zu kommen, in die Heimat, um dort ein Jahr zu verbringen, das abwechslungsreicher nicht sein könnte. Der Titel lässt sich als Kompliment für die geschätzte Landschaft und deren Vielfalt verstehen, egal, ob in Kunst, Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft oder Sport.

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Hatten nicht nur im Film, sondern auch bei der Premiere einen kurzen Auftritt: die Wurzngraber, die im Auftrag der Enzianbrennerei Grassl am Priesberg unterwegs sind. (Foto: Pfeiffer)

Vilsmaier besuchte die Berchtesgadener Weihnachtsschützen, stattete der Wildfütterung im Nationalpark Berchtesgaden am Königssee einen Besuch ab, filmte das bäuerliche Handwerk des Köhlervereins Neukirchen am Teisenberg und schickte seine Mitarbeiter zur Almer Wallfahrt. »Als wir das erste Mal teilnehmen wollten, war das Wetter so schlecht, dass wir unsere Technik nicht einsetzen konnten, da wir ja auch einen Hubschrauber brauchten«, erinnert sich der Regisseur. Also musste ein Jahr drauf ein neuer Versuch gestartet werden – mit Erfolg.

Unterhaltsame Wurzngraber

Besonders unterhaltsam sei der Besuch der Wurzngraber Michael Kunz, Stefan Kroll, Sepp Hofreiter, Stefan Walch und Peter Oswald auf der Priesbergalm gewesen. Neben harter Arbeit waren es die vielen Gesangseinlagen, die nicht nur den Filmemacher begeisterten, sondern auch das Publikum zum Lachen brachten.

Im Film wird auch das Handwerk groß geschrieben: Drechsler Franz Keilhofer, der vor zwei Jahren eines der Gesichter für eine Werbekampagne für den bayerischen Tourismus war, ist mit von der Partie, ebenso Alphornbläser Alois Biermaier und Lederhosenmacher Franz Stangassinger. Und auch Schmied Erich Schwab bekommt einen Kurzauftritt im Vilsmaier-Werk.

Natürlich besteht »Bayern – Sagenhaft« nicht nur aus Berchtesgadener Themen: Von der Landshuter Hochzeit über bayerische Juden beim Beten bis hin zu einem Besuch des Zirkus Krone ist alles vertreten. Schnelle Schnitte, viele Bilder, Luftaufnahmen en masse. Am Ende des Films ist man beinahe satt, was das Brauchtum betrifft. »Man möchte meinen, dass die Bayern die ganze Zeit in der Tracht von einer Brotzeit zur nächsten marschieren und das gesamte Jahr nichts arbeiten«, sagt Monika Gruber im Film. Kilian Pfeiffer