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Volkstrauertag im Zeichen des Paris-Terrors

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Zahlreiche Vereine und Organisationen beteiligten sich mit Abordnungen an der Gedenkstunde zum Volkstrauertag. (Fotos: Wechslinger)
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Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp zeigte sich schockiert von den Terroranschlägen in Paris.
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Den kirchlichen Teil gestalteten die Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob und Peter Schulz mit Unterstützung mehrerer Ministranten.

Berchtesgaden – Das Totengedenken auf dem Berchtesgadener Schloßplatz anlässlich des Volkstrauertages stand am Sonntag ganz im Zeichen der IS-Anschläge in Paris und der Tatsache, dass die Terrororganisation jetzt auch in Europa angekommen ist. In seiner Ansprache nach dem kirchlichen Teil sparte Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp nicht mit Kritik und schickte einige Fragen nach Berlin. Schließlich legten die verschiedenen Vereine Kränze vor dem Kriegerdenkmal unter den Schlossarkaden nieder. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier von der Marktkapelle Berchtesgaden unter der Stabführung von Erhard Moldan.


Die Gedanken seien an diesem Volkstrauertag bei den Angehörigen der bei den Anschlägen in Paris getöteten Menschen und den Verletzten, von denen noch viele in Lebensgefahr schwebten, begann Franz Rasp seine Trauerrede. Ihn mache diese unmittelbare Nähe des Terrors besonders betroffen und erfülle ihn mit Sorge. Der IS habe es geschafft, den Krieg nach Mitteleuropa zu bringen und damit die Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen. Für viele stelle sich jetzt die Frage, ob man Derartiges nun auch in der eigenen Heimat zu befürchten habe.

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Und es stelle sich jetzt auch die Frage, ob der Flüchtlingszustrom darauf eine Einwirkung habe. Rasp stellte dies jedoch in Abrede, weil die Flüchtlinge ja auch vor dem IS-Terror und der Perspektivlosigkeit in ihrem Land fliehen. Nach Deutschland würden sie aufgrund eines sehr liberalen Grundgesetzes und wegen der hier herrschenden Willkommenskultur kommen.

Für Franz Rasp ist es jedoch ein Skandal, dass die Staatengemeinschaft zusammen mit Deutschland nicht in der Lage sei, die Flüchtlingslager in Nordafrika ausreichend mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Als unerträglich empfindet er es, dass in Deutschland der Rechtsstaat in Teilen außer Kraft gesetzt worden sei, dass man die Flüchtlinge im Glauben lasse, willkommen zu sein, man aber viel zu wenig Personal habe, um die Anträge auf Asyl zu bearbeiten. Nicht nachvollziehen kann das Berchtesgadener Gemeindeoberhaupt auch, dass es »keine greifenden Konzepte für eine echte Integration und auch nicht für eine spürbare Abschiebung gibt«.

Kein Verständnis hat Franz Rasp auch für die Medien, »die jeden, der gesunden Menschenverstand äußert, in die rechte Ecke stellen«. Die Sorgen der Menschen seien nicht ernst genommen worden und dadurch sei ein Bruch in der Gesellschaft entstanden: auf der einen Seite die Gutmenschen und auf der anderen Seite jene, die als Rechtsradikale beschimpft werden. Mitgefühl und Barmherzigkeit seien aktuell sehr wichtig, denn es gehe schließlich um Menschen, sagte Rasp. Dennoch dürfe man sich nicht alles gefallen lassen und die Regeln des Grundgesetzes müssten eingehalten werden. »Es kann nicht sein, dass jemand, der zu uns kommt, glaubt, dass seine Religion etwas Besseres sei. Es kann auch nicht sein, dass die Gleichberechtigung der Frau infrage gestellt wird, und es kann auch nicht sein, dass Menschen als Ungläubige bezeichnet werden, nur weil sie einen anderen Glauben haben. Wir haben genug zu tun, was die Fluchtursachen, Wohnraum und Bildung für Flüchtlinge angeht«, so Rasp, der auch eine Wertevermittlung wie Respekt, Verlässlichkeit und Pünktlichkeit einforderte.

Schaffen könne man dies nur gemeinsam – in Deutschland und Europa, aber auch hier in Berchtesgaden. Ein Vergelt‘s Gott richtete Berchtesgadens Bürgermeister an alle Helfer in der Flüchtlingssache, an alle Behörden, an die Polizei, an die Jugendämter und den Freistaat Bayern für die umfängliche Unterstützung der Gemeinden.

Rasp: »Das Problem ist nicht das Handeln vor Ort, sondern das Nichthandeln der Bundesregierung. Wir sind so stolz auf unsere christliche Leitkultur, jetzt können wir im Handeln beweisen, wie wichtig sie uns ist. Wir können dies in Dankbarkeit darauf tun, dass wir seit 70 Jahren in Frieden und Freiheit leben. Aus dieser Dankbarkeit muss eine Verantwortung für die Zukunft erwachsen. Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg und trauern um die Opfer von Kriegen unserer Tage und die Opfer von Terrorismus«.

Beim »Lied vom guten Kameraden« hallten die Böllerschüsse der Weihnachtsschützen laut vom Lockstein herunter. Christian Wechslinger