weather-image
23°
Mona war offiziell ein Kampfhund – Wesenstest bescheinigt Gutmütigkeit

Vom Staffordshire Terrier zum Bulldoggenmischling

Klaus Frankenberger (l.) mit Hund Tahu und Michael Stodola mit Mona. (Foto: Pfeiffer)

Schönau am Königssee – Dass Hündin Mona nun doch kein Kampfhund ist, darüber freuen sich die Besitzer Michael Stodola und sein Partner Klaus Frankenberger. Denn als Mona am Bahnhof von Freilassing illegal verkauft worden war, die Polizei eingriff und das Geschäft aufflog, kam der Staffordshire Terrier erst mal ins Tierheim.


Mona wirkt zufrieden. Sie liegt am Fußende von Michael Stodola unter dem Esszimmertisch, nur unweit von Tahu, dem sechsjährigen Australian Shepard, und döst. Mona ist mittlerweile eineinhalb Jahre alt. »Sie ist eine Schmusekugel«, sagt Michaels Partner Klaus Frankenberger. Ein ruhiges Gemüt habe sie, Anzeichen von Aggressivität: Fehlanzeige.

Anzeige

Der kleine Hund hat eine bewegende Geschichte hinter sich. Mona wurde am Freilassinger Bahnhof als Welpe feilgeboten, ohne Impfpapiere, ohne Ahnentafel. Der Verkauf flog auf, Mona wurde beschlagnahmt, musste ins Tierheim. Dort sahen Frankenberger und Stodola die junge Hundedame das erste Mal und waren hin und weg von ihr. »Ich wollte Mona haben«, sagt Michael.

Wegen ihres Aussehens, das dem eines Staffordshire Terriers nahekommt, galt der Hund generell als schwer vermittelbar. Zumal nicht endgültig geklärt war, welcher Rasse Mona zugehörig ist. Von offiziellen Rasselisten geführte Hunde unterliegen oft strengen Halterbeschränkungen. Generell gilt bei Staffordshire Terriern, dass der Import nach Deutschland verboten ist. Noch im Tierheim wurde daher ein DNA-Test in Auftrag gegeben. Mit dem Ergebnis, dass Mona kein reinrassiger Staffordshire Terrier ist. Eventuell ein Mischling. Das Ergebnis: zumindest nicht präzise.

Von der Gemeindeverwaltung in Schönau am Königssee, wo die Familie wohnt, wurde festgesetzt, dass Mona unter die Kategorie der Kampfhunde fällt. Zwar darf man sie halten, allerdings wird angenommen, dass die Rasse aggressiv sein könnte. Finanziell macht der Kampfhunde-Status einen gewaltigen Unterschied aus. Besitzer gewöhnlicher Hunde zahlten bislang 50 Euro pro Jahr. Für Kampfhunde wurden 750 Euro berappt, ab 2018 sind es gar 900 Euro. Damit verfolgt man das Ziel, die Zahl der »gefährlichen« Hunde in der Kommune so gering als möglich zu halten.

»Mona ist nicht gefährlich«, sagt Michael Stodola. »Welche Chancen hätte Mona denn schon gehabt, wenn wir sie nicht genommen hätten?«, fragt er. »Dann wäre sie ein Leben lang im Tierheim geblieben«, lautet seine Antwort. Ganz anders zeigt sich die Situation übrigens im nahegelegenen Salzburg. Dort ist nicht nur Monas Rasse erlaubt. In Österreich gibt es nur drei listenführende Bundesländer, Wien, Niederösterreich und Vorarlberg. Der Besitzer eines Staffordshire Terriers benötigt dort entweder einen Hundeführerschein, einen Sachkundenachweis oder die Erlaubnis des zuständigen Bürgermeisters. Daher finden sich dort auch deutlich mehr in Deutschland als Kampfhunde bekannte Rassen.

Stodola weiß, dass es für Mona nur eine Chance gab, nicht mehr als Kampfhund eingeordnet zu werden: eine gutachterliche Stellungnahme, ausgestellt von einem vereidigten Sachverständigen für das Verhalten von Hunden. Also ein Negativzeugnis, das bescheinigt, dass alles okay ist. Diese Stellungnahme ist auch wichtig, weil »wir dann als Halter eine eindeutige Bescheinigung haben. Mona ist einfach kein Kampfhund«, sagt er. Wäre sie auffällig, könnte die Gemeinde Auflagen aussprechen, etwa eine Leinenpflicht oder, im Ernstfall, sogar eine Maulkorbpflicht.

Stodola sagt, dass kein Hund von Grund auf aggressiv sei. »Das Problem ist immer am anderen Ende der Leine.« Natürlich gebe es Rassen, die statistisch gesehen gefährlicher seien. Auffällige Hunde gebe es unter allen Rassen. Es liege aber immer am Halter, wenn Hunde scharf gemacht oder angestachelt werden, sagt er. Wenn es nach ihm geht, müsste es Checkbögen geben, die besondere Anforderungen an den Halter ausweisen. Einige Rassen, wie etwa ein Kangal, seien generell verboten, da diese Art Hund instinktiv darauf fixiert ist, Schafherden zu verteidigen. Aggressiv seien sie aber deshalb noch lange nicht.

Den Wesenstest mussten Klaus Frankenberger und Michael Stodola bei einer Sachverständigen in Freilassing absolvieren. Zu diesem Zeitpunkt war Mona schon acht Monate bei den beiden zu Hause. 350 Euro kostete der Test. Darin wird nicht nur der Hund überprüft und beobachtet, sondern auch der Hundehalter befragt. Bei Mona wurde analysiert, wie sie auf andere Hunde in Alltagssituationen reagiert. Zum Beispiel in der Freilassinger Fußgängerzone. »Wir mussten ihr Leckerlis hinhalten – und sie gleich wieder wegnehmen«, erzählt er. Würde sie etwa zuschnappen? Ungewohnte Geräusche wurden während des Wesenstests simuliert, etwa raschelnde Tüten oder das schnelle Öffnen eines Schirmes. Die große Frage lautete: Wie reagiert Mona darauf? Aus der Stellungnahme, die mehrere Seiten lang ist, geht hervor, dass es keinerlei Auffälligkeiten gab. »Mir war das klar«, sagt Michael Stodola. Obwohl zunächst vermutet wurde, dass es sich bei Mona um einen Staffordshire Terrier handelt, entspreche das Tier vielmehr einer »Bulldoggenmischlingshündin«, heißt es im Gutachten.

Mittlerweile haben die Hundebesitzer den Wesenstest bei der Gemeinde von Schönau am Königssee vorgelegt, um darzulegen, dass die Eineinhalbjährige kein Kampfhund ist. Das Negativzeugnis haben sie indes noch nicht erhalten. Sie warten noch darauf. Stodola und Frankenberger gehen davon aus, dass sie die Kampfhundesteuer, die sie für dieses Jahr geleistet haben, wieder rückerstattet bekommen und dann endlich das Kapitel beendet ist.

Derzeit konzentrieren sie sich lieber auf ihre große Leidenschaft. Gemeinsam mit Mona und Tahu sind sie aktiv im örtlichen Hundeverein, nehmen bei Mantrailings teil, einer Personensuche unter Einsatz von Hunden, und Agility-Trainings, bei denen die Tiere einen speziellen Parcours in einer festgelegten Reihenfolge und einer vorgegebenen Zeit überwinden müssen. Dort sind viele Hunde zusammen unterwegs. »Mona mag das«, sagt Stodola. Als eine Bulldoggenmischlingshündin lebt es sich definitiv leichter denn als Staffordshire Terrier. Kilian Pfeiffer