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Vom Zehnkaser zum Scheibenkaser

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Victoria Huber geht voran.
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Wolfgang Reif ist seit seiner Jugend als Treiber mit dabei.
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Die Dore spendiert ein Schnapserl und freut sich, dass alle Tiere gesund auf der »Scheibn« sind.
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»Maipfeifischnitzer« Franz Angerer ist seit 40 Jahren Treiber beim Lusabethbauern.
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Die Tiere haben Vertrauen in Sennerin Dore und Bauer Hans Huber. Fotos: Anzeiger/B. Stanggassinger

Marktschellenberg – Der Zehnkaser und der Scheibenkaser sind nur zu Fuß erreichbar. Ein schmaler alpiner und zum Teil ausgesetzter Steig geht hinüber vom Scheibenkaser zum Zehnkaser. Von der Hochalm Zehnkaser war am Freitag Abtrieb zur Niederalm beim Scheibenkaser. »Anzeiger«-Fotograf Bernhard Stanggassinger war dabei.


Insgesamt 19 Treiber halfen zusammen, das Vieh wohlbehalten auf die »Scheibn« zu bringen. Verantwortung, Sachverstand, körperliche Fitness, Erfahrungswerte, das Erkennen von Gefahren, Mut, Tierliebe, Tradition sowie Liebe zur Heimat und zum Almbauernstand – all dies ist Voraussetzung, um diese Aufgabe erfüllen zu können.

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Eine 13-jährige Kuh war kurz vor dem Abtrieb »stierig« geworden. Die Helfer wussten um die Gefahr, die davon ausgeht. Denn das Aufspringen auf eine andere Kuh kann auf dem felsigen, schmalen Pfad tödlich für die Tiere sein. Sennerin Victoria Huber hat freilich Erfahrung mit solchen Dingen. So musste diese Kuh am Freitag als Erste frei gehen, angeführt von der ihr vertrauten Sennerin, dahinter der Bauer Hans Huber. Eine Stunde benötigte man vom Zehnkaser zum Scheibenkaser. Zum Teil herrschte dichter Nebel, aber Gott sei Dank kein Regen. Und der Steig war trocken, nicht glitschig, nicht nass.

In langsamen Schlägen erklangen die Glocken. Ruhe, Disziplin und Konzentration waren angesagt. Hektik wäre fehl am Platze gewesen, stattdessen bestimmten erfahrene Treiber das Tempo. Voran die Dore, seit 36 Jahren Sennerin, und der 77-jährige Treiber Franz Angerer, der seit über 40 Jahren mit dabei ist. Auch Wolfgang Reif hat viel Erfahrung, wie er erzählte: »Ich treib schon seit ich ein kleiner Bub war, insgesamt bin ich schon seit 50 Jahren mit dabei.«

Die Almwiesen um den Scheibenkaser leuchteten wie ein Blumenmeer. In den Gesichtern der Treiber war deutliche Erleichterung zu erkennen, als das Ziel unfallfrei erreicht war. Da spielte dann auch der nasse Sommer keine Rolle mehr. Die Sennerin zum »Anzeiger«-Fotografen: »Wenn ich mit meinen Tieren gesund hier herüben bin, dann war es ein guter Sommer.«

Auch Bauer Hans Huber schnaufte auf und betonte: »Guad is scho, wenn ma wieder herent san.« Die Kühe bekamen als Belohnung eine saftige Wiese, die Treiber ein Schnapserl von der Sennerin und von der Bäuerin Annelies Huber ein Szegediner Gulasch sowie Kaffee und Kuchen.

Jetzt bleibt die Dore vielleicht noch eine Woche oben und beginnt mit dem Anfertigen des Kranzzeugs. Wann Tiere und Menschen heim fahren, entscheiden das Wetter und die Weide. Nach derzeitigem Stand wird wohl unten beim Sägewerk gekranzt. Dann kann der Almabtrieb mit den prächtig geschmückten Tieren vorbeigehen an der berühmten Wallfahrtskirche Maria Ettenberg bis zum Lusabethlehen. Bernhard Stanggassinger

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