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Von Alm-Autorallyes bis zum Thema Kormoran

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Freiweide versus Fahrzeugverkehr: Am Hintersee nutzen Kühe und Autos die Straßen. (Foto: Maria Stöberl)

BGL/Traunstein – Zunehmender Wassermangel und rücksichtslose Freizeitsportler auf den Almen, Probleme der Regionalvermarktung, Wildverbiss und Lawinenschutz oder die Milchvermarktung in Zeiten kommunizierender Kühlschränke: Mit einem ganzen Bündel an Themen beschäftigte sich der CSU-Arbeitskreis des Landtagsausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei einem Besuch in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land.


Bei der Exkursion diskutierten die vier Landtagsabgeordneten und eine Mitarbeiterin des Landwirtschaftsministeriums an drei Tagen mit Bezirksalmbauern in Schleching und ließen sich im Forstamt Ruhpolding Maßnahmen der Schutzwaldsanierung erklären. Auf der Fraueninsel ging es im Gespräch mit Berufsfischern um Probleme mit dem Kormoran. Die Zukunft der Milchvermarktung war ein Schwerpunktthema beim Besuch der Milchwerke Berchtesgadener Land in Piding. Organisiert hatte die Informationsfahrt der Traunsteiner CSU-Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner.

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Wasserknappheit belastet Almen

»Im Gespräch mit den Experten konnten wir uns ein detailliertes Bild machen, wo die Betroffenen der Schuh drückt und die Unterstützung des Landtags gefragt ist«, bilanzierte Martin Schöffel nach Abschluss der Fahrt. Der Landtagsabgeordnete aus Wunsiedel ist Vorsitzender des Arbeitskreises.

»Auf den Almen wird das Wasser knapp«, warnte Georg Hacher, Bezirksalmbauer aus Grassau und Wassermeister in der Gemeinde Marquartstein, bei der Fachdiskussion im Berggasthof »Streichen« in Schleching. Schwierigkeiten bei der Erschließung neuer Quellen, heiße Sommer sowie kostenintensive Qualitätsanforderungen und Beprobungen machten den Almbauern das Leben schwer. Dringend notwendig seien zudem Ansprechpartner bei Behörden, die in Wasserfragen technisch versiert seien. Den wachsenden Konfliktstoff zwischen Gemeinde und Almgenossenschaft im Bereich der Winklmoosalm machte Bezirksalmbauer Franz Mühlberger aus Reit im Winkl deutlich. Dies betreffe einerseits »Autorallyes« und wachsende Tourismusströme, etwa durch den neuen Sternenpark, andererseits hohe Kosten für den Anschluss an die gemeindliche Wasserversorgung.

Rücksichtslose Freizeitsportler

»Mehr Rechtssicherheit bei Haftungsfragen für Almbauern« forderte Bezirksalmbäuerin Maria König aus Schleching. Rücksichtslose Freizeitsportler auf den Weideflächen und uneinsichtige Hundebesitzer erhöhten das Konfliktpotenzial. Auf ein positives Beispiel verwies Ludwig Böddecker, Bezirksalmbauer aus Ruhpolding. Er machte am Pilotprojekt der Haaralm deutlich, wie sich mit gelenkter Weideführung unkrautübersäte Almflächen sanieren lassen und den Lawinenschutz verbessern.

Eine kontroverse Diskussion zum Thema Rindfleischvermarktung und die finanzielle Tragfähigkeit zukunftsfähiger Regionalmärkte stieß Hans Grabner, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Schlachtvieh aus Traunstein, an. Er warf die Frage auf, ob zeitlich befristete Fördergelder etwa für den Aufbau von Ökomodellregionen richtig eingesetzt seien. »Von den 50 000 Rindern, die wir jährlich am Schlachthof in Traunstein verarbeiten, gehen ganze 700 in Regionalmärkte.« Angesichts der Marktmacht von vier großen Lebensmittelketten müsse auch das Marketing ganz neu ausgerichtet werden.

Gams-Abschüsse in der Diskussion

Ein umfangreiches Themenpaket präsentierte der Landtagsgruppe auch Paul Höglmüller, Leiter des Forstamts Ruhpolding, bei einer Exkursion durch den Bergwald oberhalb des Bereichs Seehaus. Anhand von Grafiken, Schutzzaunbauten und Jungwaldbereichen erläuterte er die Notwendigkeit der Jagd nach Schalenwild, um durch gezielte Waldverjüngung speziell mit der Tanne die Artenvielfalt und den Bodenaufbau zu verbessern. Dies sei entscheidend für den Hochwasser- und Lawinenschutz. Höglmüller machte anhand von Zahlen deutlich, dass man von einer »Ausrottung der Gams« weit entfernt sei.

Revierleiter Harald Siegler stellte die Millionenkosten der Schutzwaldsanierung einer langfristigen und zuverlässigen Sicherung des Waldes als Wirtschaftsgut und der Bundestraße zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl gegenüber.

Kormorane brüten bei Prien

Einen Überblick über die Situation und Probleme der 16 Berufsfischer am Chiemsee verschaffte sich die Landtagsgruppe auf der Fraueninsel. Thomas Lex, Vorsitzender der 1897 gegründeten Fischereigenossenschaft Chiemsee, und Vorstandsmitglied Engelbert Stephan erläuterten, wie die Fischer mit eigenen Brutanlagen und jährlich rund 135 Millionen ausgesetzten Renken sowie anderem Fischnachwuchs im Staatsauftrag nachhaltig wirtschaften. Mit neuen Vermarktungsstrategien wie Fischveredelung, Maschineneinsatz und Online-Handel sichern die traditionsreichen Familien ihre Zukunft.

Sorgen bereitet dagegen der stetige Zuwachs der Kormorane in der Schutzzone der Tiroler Achen, die jährlich rund 40 Tonnen Fisch vertilgen. »Wir brauchen eine gesamteuropäische Lösung«, sagte Lex und verwies auf nördliche Regionen, wo Überpopulationen des »Seeraben« bereits das Ende der Binnenfischerei eingeläutet haben. Die Abgeordneten versprachen, zumindest in der neuen Brutkolonie im Bereich der Alten Kläranlage in Prien die Möglichkeit zum Abschuss prüfen zu lassen.

»Flexitarier« auf dem Vormarsch

Mit der Zukunft der Milchwirtschaft setzten sich die Landtagsabgeordneten bei einem Besuch der Milchwerke Berchtesgadener Land auseinander. Geschäftsführer Bernhard Pointner und Vorstandsvorsitzender Andreas Argstatter beleuchteten die Marktprobleme bei einem zu schnellen Anwachsen des Bio-Marktes, die zunehmende Bedeutung von Milchersatzprodukten und dem neuen Verbrauchertypus des »Flexitariers«, den Einfluss von Onlinegiganten und Smarthome-Elektronik auf neue Produktionsverfahren sowie die Konflikte, die die neue Verschreibungspraxis für Tierarzneimittel für das Tierwohl birgt. eff