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Von der Vernunftehe zur Liebesbeziehung

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Weihbischof Wolfgang Bischof hielt die Predigt im Festgottesdienst zur Gründung des neuen Pfarrverbands. (Foto: Meister)

Schönau am Königssee – Mit einer Vernunftehe verglich Weihbischof Wolfgang Bischof die Gründung des Pfarrverbandes Ramsau-Unterstein. Aus einer solchen Verbindung sei aber oft eine langjährige Liebesbeziehung gereift, erinnerte sich der Würdenträger an seine Zeit als mitunter trauender Pfarrer. Niemand wisse es, aber vielleicht gehe es mit dem neuen Pfarrverband in ähnlicher Weise, wünschte sich der Weihbischof. Mit der Verbandsgründung endete eine lange Vorbereitungszeit, die Hoffnungen, aber auch Zweifel mit sich brachte. »Was Gott uns auferlegt hat, gestalten wir«, ermunterte der Weihbischof.


Den Kirchenzug vom Hubertuspark zur Pfarrkirche Mariä Sieben Schmerzen verfügten vorwiegend Gäste, die sich kräftig mühten, »typisch bayerische Bilder« für das Urlaubsalbum festzuhalten. Hinter der Ministrantenschar aus Ramsau und Schönau am Königssee schritt im Takt der Ramsauer Blasmusik die Gruppe der Geistlichen, optisch dominiert von der im Schritt wippenden Mitra des Weihbischofs Wolfgang Bischof. Dahinter die weltlichen Vertreter beider Gemeinden, denen die Vereinsabordnungen mit Bannern und Fahnen folgten. Alles wie immer bei besonderen Gelegenheiten. Der Zug mündete in die Untersteiner Kirche. Hier erfolgte im Festgottesdienst der letzte Akt der Pfarrverbandsgründung.

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Alles, was bisher in beiden Pfarreien geschieht, werde auch weiter geschehen. Diese Aussage von Pfarrer Herwig A. Hoffmann war für die Gläubigen sowohl in der Ramsau als auch in Unterstein eine wichtige. Hoffmann stellte im Gottesdienst auch das neue Wappen, geschaffen von der heimischen Künstlerin Renate Schuhmann, vor. Es zeigt im oberen Teil die beiden Kirchen St. Sebastian und Mariä Sieben Schmerzen, separat und doch miteinander verbunden. Im unteren Wappenteil, gewissermaßen als Fundament, ist ein verwundetes Herz, vom Schwert des Leidens und einem Pfeil verletzt, zu sehen. Das Wappen, so Pfarrer Hoffmann, bekommt seinen Platz im Pfarrsaal von Unterstein.

Nach dem Verlesen der offiziellen, juristisch fixierten Pfarrverbandsgründungs-Urkunde, ergriff der Weihbischof das Wort. Den juristisch verbrieften, mitunter kalten Worten gelte es nun Leben einzuhauchen, sagte er. Schein oder Sein, die Metapher stellte er an den Beginn seiner Predigt. Auf die vorangegangene Lesung der Lazarus-Geschichte aus dem Lukas-Evangelium eingehend, sprach er vom falschen Bild, das die Welt von Bayern erhalten habe: Das Bier aus großen Humpen trinkend und mit Sepplhosen-Mentalität ausgestattet. Das auch auf Traditionspflege basierende bayerische Leben hätte damit nichts zu tun. Es ist nur der Schein. Im Vorfeld zur Pfarrverbandsgründung habe er sich an seine Zeit als Pfarrer erinnert und insbesondere an die Trauungen, die er vollzog, sagte Weihbischof Bischof. Oft habe er bei den Vorgesprächen mit den Brautleuten Zweifel gehabt, ob das alleinige Motiv der leidenschaftlichen Liebe oder andererseits, so der Schein, ein auf wirtschaftliche Aspekte limitiertes Ehefundament Zukunft haben könnte. Nun sei eine Eheschließung aber immer keine Sache von nur zwei Menschen, Gott sei immer mit im Bunde.

Und so ähnlich sehe er, bekannte der Weihbischof, die Pfarrverbandsgründung zwischen den Gemeinden von Ramsau und Unterstein. Was heute wirklich geschehe, wisse er nicht. Er habe den Eindruck, es werde eine Vernunftehe geschlossen. Aber er wisse auch, dass sich aus mancher Vernunftehe später eine Liebesbeziehung entwickelt habe. Christen wären nicht Schwestern und Brüder, weil sie aus Ramsau, Königssee, Unterstein oder sonst woher kämen, sondern »wir sind Geschwister in Jesus Christus.« Die Welt verändere sich stetig. Niemand hätte beispielsweise vor Jahrhunderten sagen können, dass Unterstein und Ramsau jemals zu München-Freising gehören würde. Veränderungen seien der Lauf der Welt und der Geschichte – Was bleibe, wäre der Sendungsauftrag, in der Welt als Christ zu leben.

Was Gott, auch mit diesem neuen Pfarrverband, zusammengefügt habe, »sollten wir nicht auseinanderdividieren«. »Lasst Euch ein auf die gemeinsame Zukunft«, so die Botschaft des Weihbischofs an die Mitglieder der Pfarrgemeinden Ramsau und Unterstein. Es gelte, Neues zu akzeptieren und von Gewohntem loslassen zu können. Was Gott den Menschen auferlegt habe, gelte es, in Zukunft zu gestalten.

Das ein gutes Miteinander bereits nach kurzer Zeit in ein gutes, ja hervorragendes Ergebnis münden kann, bewiesen die Chorsänger beider Gemeinden im Festgottesdienst, von Weihbischof Wolfgang Bischof ebenso mit Anerkennung bedacht, wie das gemeinsame Agieren der Ramsauer und Untersteiner Ministranten.

Von der Orgelempore schwebte unter Leitung von Friedrich Gaisbauer außergewöhnlich berührender Chorgesang, verziert mit solistisch stimmlich überraschender Qualität in den Kirchenraum, der den Festgottesdienst ganz »nebenher« auch zu einem akustisch besonderem Erlebnis machte. Dieter Meister