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Von der Waterkant in die Berge

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21 Jahre lang leitete Harro Esmarch die Redaktion des »Berchtesgadener Anzeigers«. Letzte Woche verstarb der gebürtige Hamburger 84-jährig in Oberhof. Foto: FIL

Berchtesgaden/Oberhof – 21 Jahre lang war Harro Esmarch für den redaktionellen Inhalt des »Berchtesgadener Anzeigers« verantwortlich. Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb der aus Hamburg stammende frühere Redaktionsleiter im Alter von 84 Jahren am Donnerstag letzter Woche an den Folgen einer schweren Krankheit in seiner Wahlheimat Oberhof.


Der gebürtige Hamburger Harro Esmarch war der Sohn von Kurt Ernst Gustav Esmarch, der als Erfinder des »Hamburger Hafenkonzerts« gilt. Die verhängnisvolle »Reise ohne Wiederkehr« fand 1967 statt, als Harro Esmarch – damals als Journalist für die Mineralölfirma Castrol arbeitend – während des Roßfeldrennens seine spätere Frau Ditta Gertler kennenlernte, eine langjährige Journalistin des »Berchtesgadener Anzeigers«. Der Hamburger, der bei einem Zeitschriften-Verlag in Alfeld an der Leine sein Handwerk erlernt hatte, wählte damals Berchtesgaden zur neuen Heimat und teilte von da an den privaten und beruflichen Lebensweg mit Ditta Gertler. Neben der Arbeit für die Heimatzeitung beschäftigten sie sich gemeinsam mit der Herausgabe von Pressediensten und Broschüren auf dem Tourismussektor und mit der Berichterstattung für Nachrichtenagenturen.

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Es war 1974, als Harro Esmarch die Nachfolge von Franz Hilpoltsteiner als Redaktionsleiter des »Berchtesgadener Anzeigers« antrat. Auf der Suche nach dem »perfekten Journalismus«, der auch Kritik verlangt, wo sie notwendig ist, machte sich Esmarch nicht nur Freunde. Schließlich fühlte er sich als Redaktionschef nur einem verpflichtet: dem Leser. Und um dieser Verpflichtung nachzukommen, übte Esmarch wenn nötig auch »Druck« aus: auf Politiker, Vereinsvorstände, Mitarbeiter und erst recht auf sich selbst. Dieser Linie blieb er bis zum 1. März 1995, als er in den wohlverdienten Ruhestand übertrat, treu.

Wenn Harro Esmarch Mitteilungen aus dem Bereich des Rodelsports gelegentlich größeren Nachrichtenwert zumaß als anderen Ereignissen, dann hat dies viel mit seinem Engagement als Pressesprecher des Internationalen Rodelsportverbandes (FIL) zu tun. Viele Jahre lang setzte sich Esmarch im Rahmen seiner Möglichkeiten für die umfassende Präsenz des Kufensports in den Medien ein. Für die FIL und den damaligen Deutschen Bob- und Schlittensportverband (DBSV) war er darüber hinaus ein wertvoller Chronist, auf dessen Archiv man immer wieder gerne zurückgriff. Auf seinen Unterlagen beruhen zum größten Teil die offiziellen Statistiken des Weltverbandes.

Nach dem Tod seiner Ehefrau Ditta Gertler zog sich Harro Esmarch zunächst immer mehr zurück. Doch die Begegnungen mit der früheren Weltklasserennrodlerin und Olympiasiegerin Margit Schumann ließen ihn den Schmerz über den Verlust seiner Frau etwas vergessen. Man kannte sich bereits aus Margit Schumanns aktiver Zeit, kam sich allerdings erst jetzt näher. Geheiratet wurde am 5. Oktober 2005 im Berchtesgadener Rathaus, Standesbeamter war damals FIL-Präsident Josef Fendt.

Harro Esmarch zog im Alter von 73 Jahren in die Heimat seiner zweiten Ehefrau – nach Oberhof. Dort baute er sich einen neuen Freundeskreis auf und machte sich um den Aufbau der Thüringer Wintersportausstellung verdient. Später kehrte Harro Esmarch zu seinen Wurzeln zurück und organisierte Automobil- und Motorradausstellungen mit. Nicht abreißen ließ er bis zuletzt seine Kontakte ins Berchtesgadener Land, das er zusammen mit seiner zweiten Ehefrau immer wieder aufsuchte.

Von einem Schlaganfall im Jahr 2009 konnte sich Harro Esmarch nie mehr richtig erholen. Dazu kam dann eine weitere schwere Krankheit, der er am 13. März in seiner Thüringer Wahlheimat erlag. Ulli Kastner