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Von »rundum zufrieden« bis »nicht glücklich«

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Berchtesgadener Land – Wie im ganzen Freistaat, so gibt es nach der Landtagswahl auch bei den Parteien im Berchtesgadener Land Freud und Leid. Die Heimatzeitung befragte fünf politisch Aktive nach ihrer Meinung zum Wahlausgang: Sebastian Rasp (CSU), Thomas Jander (SPD), Sepp Wenig (Freie Wähler), Michael Drummer (Grüne) und Armin Nowak (FDP).


»Rundum zufrieden« – so lautet das Fazit des Berchtesgadener CSU-Vorsitzenden Sebastian Rasp. Er spricht von einem »tollen Ergebnis in Land und Kommunen« für seine Partei. Vor allem das Erststimmen-Ergebnis von Michaela Kaniber sei hervorragend – und das trotz starker Konkurrenten. Sebastian Rasp freut sich aber auch darüber, dass die CSU im Stimmkreis bei den Zweitstimmen gegenüber der Wahl 2008 um rund 6 Prozent zugelegt habe – das sei eine Auszeichnung für die geleistete Arbeit. »Ich gratuliere Michaela Kaniber zu ihrem Erfolg, aber auch den anderen Kandidaten, die respektable Ergebnisse eingefahren haben«, so Rasp.

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Dass die CSU in Bayern künftig wieder alleine regieren kann, wertet Rasp als Folge der guten Arbeit Seehofers. Die FDP muss sich dagegen seiner Ansicht nach an der eigenen Nase packen, denn im Freistaat gebe es sicherlich ein liberales Potenzial. »Doch die FDP muss selbst ihre Wähler aktivieren«.

Vor allem mit dem Abschneiden von Freie-Wähler-Direktkandidat Michael Koller ist Sepp Wenig sehr zufrieden. Wenig, der selbst drei Amtsperioden lang Vorsitzender der Freien Wähler Berchtesgaden war, spricht von einem »Achtungserfolg« für den Salzberger. Die 13 Prozent, die ihm die Wähler im Stimmkreis gegeben haben, seien »sehr in Ordnung«. Und das enorm gute Abschneiden in den Talkessel-Gemeinden, in denen es bis über 35 Prozent für Koller gab, habe gezeigt, dass die Landtagswahl eben doch in erster Linie eine Persönlichkeitswahl sei. Ob mit dem respektablen Ergebnis auch Kollers Bürgermeisterkandidatur in Berchtesgaden besiegelt sei, vermag Wenig nicht zu sagen. »Unsere Gruppierung wünscht sich das schon. Aber wir machen da keinen Druck, es ist Michael Kollers eigene Entscheidung«.

Weniger positiv beurteilt Sepp Wenig das Wahlergebnis für die Freien Wähler in Bayern. »Das war sicher nicht das Wunschergebnis«, sagt der Berchtesgadener, denn eigentlich wollte man ein zweistelliges Ergebnis einfahren. Sepp Wenig meint, dass Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger daran nicht ganz schuldlos sei. »Eine konkrete Aussage zu möglichen Koalitionen wäre beim Wähler sicherlich besser angekommen«.

Mehr erwartet hat sich auch der Ortsvorsitzende der Grünen, Michael Drummer. »Wir sind nicht glücklich über den Wahlausgang«, sagt er. Die Grünen hätten im Wahlkampf neben den Kernkompetenzen Energie, Umwelt und Klima auch heikle Themen »ehrlich« angesprochen. »Das war ein Fehler im Wahlkampf«, gibt Drummer zu.

Gar nicht begeistert ist der Ortsvorsitzende von der absoluten Mehrheit für die CSU. »Das sind schon fast kubanische Verhältnisse«, findet Drummer. »Ein Mitregieren einer anderen Partei würde der CSU gut tun.« Die Grünen würden jetzt auf eine gute Oppositionsarbeit setzen. »Schließlich übernimmt die CSU gerne mal andere Ideen«, lacht Drummer.

Eine negative Überraschung ist die absolute Mehrheit der CSU für den SPD-Ortsvorsitzenden Thomas Jander. »Damit hätte ich nicht gerechnet«, sagt er. »Mit dem Ergebnis der FDP allerdings schon.« Für die SPD hätte sich Jander ein besseres Ergebnis gewünscht. »Ein bisschen mehr Ude-Effekt hätte ich mir schon erwartet«, bedauert der Ortsvorsitzende.

Viel Lob gibt es von Thomas Jander für den heimischen SPD-Kandidaten Roman Niederberger. Er habe einen hoch motivierten Wahlkampf geführt und ein »respektables Ergebnis« eingefahren. Niederbergers bescheidenes Abschneiden in den Talkessel-Gemeinden sieht Jander in den beiden heimischen Kandidaten Michael Koller (FW) und Dr. Bartl Wimmer (Grüne) begründet.

Überrascht zeigt sich Armin Nowak, Vorsitzender der FDP im Ortsverband Berchtesgadener Tal, über das Wahlergebnis der Landtagswahl. »Wir sind aus dem Parlament rausgeflogen, daran gibt es nichts zu rütteln«, so Nowak. Mit lediglich drei Prozent haben die Liberalen den Wiedereinzug verpasst. »Ein katastrophales Wahlergebnis«, konstatiert Nowak. Alle Erfolge, die in den vergangenen Jahren umgesetzt werden konnten, seien von den Wählern zu »100 Prozent der CSU angerechnet worden«, meint der Ortsvorsitzende, der sich aber zufrieden zeigt, was die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung betrifft. Allerdings konnte die FDP davon nicht profitieren. Das nächste Ziel: Wieder in den Landtag reinzukommen. Davor gelte es allerdings, die Bundestagswahl am Sonntag zu meistern. Es gehe um viel, meint Nowak im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. »Die fünf Prozent müssen wir schaffen, anderenfalls verschwinden wir in der Bedeutungslosigkeit.« Dass die FDP bundesweit zumindest die Fünf-Prozent-Hürde meistert, davon ist Armin Nowack überzeugt: »Immerhin sind wir das Kämpfen gewohnt.« UK/cfs/kp