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Vorbereitungen für den Ausstieg laufen auf Hochtouren

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Das Rettungsteam in der »Riesending«-Schachthöhle kommt besser voran, als geplant. Fotos: BRK BGL
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Die Retter in der Höhle werden regelmäßig ausgetauscht.

Berchtesgaden - Sehr entspannt, wenn auch nach wie vor hoch konzentriert, berichtete der Einsatzleiter am Boden Stefan Schneider von der Bayerischen Bergwacht über die Bergungssituation des vor elf Tagen verletzten Höhlenforschers Johann Westhauser aus der »Riesending«- Schachthöhle im Untersberg.


»Die Ereignisse im Berg überschlagen sich förmlich, die Rettung liegt über dem Zeitplan«, informierte Schneider, der jedoch einschränkte, dass man allzu große Euphorie vermeiden möge. Denn noch liegen einige Hundert Meter im direkten Aufstieg vor der 15-köpfigen Rettungsmannschaft, die den Verunglückten zieht, schiebt und mittels Flaschenzugtechnik nach oben hievt.

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Schneider sprach neuerlich den unglaublich hohen logistischen Einsatz an. Schließlich seien etwa 60 Personen in der Höhle und auch am Höhleneingang mit Nahrung, Getränken und allerhand Bergungsmitteln zu versorgen. Vor der Höhle stehen zwei kroatische Höhlenrettungsmannschaften in Alarmbereitschaft, die im Notfall sofort einsteigen können.

Zuletzt habe eine italienische Ärztin den italienischen Arzt beim Patienten abgelöst. Der Patient befindet sich permanent unter ärztlicher Aufsicht.

Der stellvertretende bayerische Bergwachtchef sprach auch den Wasserfall an, der bald zu überwinden sei. Wenn dies auch keine bergungstechnisch schwierige Stelle sei, so habe man Vorkehrungen getroffen. Ein Schweizer Team hat den Wasserfall mit Planen so abgeleitet, dass der verletzte Forscher und die Retter nicht nass werden. Nach ausgeführter Arbeit stieg das Schweizer Team ziemlich durchnässt wieder aus der Höhle aus.

Zur Bergung sagte Schneider, dass man stets versuche, den Patienten in der schonenden Horizontalen zu transportieren, wenn dies auch an einigen engen Passagen nicht möglich sei. »Der Patient befindet sich in einem guten Zustand und hat darum gebeten, seine Arme aus dem Schlafsack nehmen zu dürfen, damit er bei der Bergung selbst Hand anlegen kann«, führte Schneider weiter aus.

Mit der endgültigen Befreiung aus der »Riesending«-Schachthöhle rechnet man für Donnerstag, spätestens Freitag. Natürlich wird auch schon der Abtransport des Verletzten mit einem Hubschrauber in ein Krankenhaus vorbereitet. Bei den Hubschrauberflügen bat der Einsatzleiter die Bevölkerung um Verständnis. Man fliege nur nach Bedarf und wenn Rettungsmannschaften ausgestiegen sind oder ausgetauscht werden. Keinesfalls würden Gratisflüge mit Journalisten stattfinden, erklärte Schneider. Gleichwohl habe man einen Kameramann eingeflogen, dessen Aufnahmen allen Medien zugänglich gemacht wurden.

Mit Andreas Müller-Cyran ist in der Einsatzzentrale auch ein Münchner Diakon und Notfallseelsorger von der Erzdiözese München Freising in Berchtesgaden im Einsatz. Der Chef des Kriseninterventionsteam München hat große Erfahrung nach Katatstrophenfällen mit Menschenopfern. Ihm gehe es um die Angehörigen und die Einsatzkräfte. In Berchtesgaden habe er eine leichte Aufgabe, weil die Einsatzkräfte trotz ihrer gefährlichen und anstrengenden Arbeit nicht traumatisiert seien. Christian Wechslinger