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Vorgesetzter und Freund vieler Spitzensportler

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General a. D. Johann Berger ist auch nach seinem Dienstzeitende ein gerne gesehener Gast an der Kunsteisbahn am Königssee. Am Wochenende litt der ehemalige Disziplinarvorgesetzte mit seinen recht erfolglosen Bobfahrern mit. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Schönau am Königssee – General a. D. Johann Berger ist und war neben seiner militärischen Verwendung fast 18 Jahre Vorgesetzter der Sportsoldaten im Berchtesgadener Land. Auch nach dem Ende seiner Dienstzeit interessiert sich der Reichenhaller deshalb für sportliche Wettkämpfe. Der »Berchtesgadener Anzeiger« traf den ehemaligen Zug-, Bataillons- und Brigadechef in Bischofswiesen und Bad Reichenhall am Wochenende bei den Weltcups am Königssee und unterhielt sich mit ihm über eine beeindruckende militärische Karriere.


Sie waren fast 43 Jahre Soldat, wie sieht ein Rückblick aus?

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General a. D Johann Berger: Diese Zeit lässt sich sicherheitspolitisch und militärisch aus meinem Erleben in drei große Blöcke teilen: Von 1971 bis 1989 bezeichne ich es als Armee der Abschreckung, im Kalten Krieg zwischen den Blöcken NATO und Warschauer Pakt in einer bipolaren Welt. »Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen«, hieß das Schlagwort. Dann kamen der eigentlich unvorstellbare Vorgang der deutschen Wiedervereinigung und die Selbstauflösung des Warschauer Paktes ohne einen einzigen Schuss.

Wie ging es mit dem ehemaligen Staatsfeind?

Berger: Das war die zweite Erlebenswelt, die von circa 1989 bis 1995 beginnende Armee der Einheit, in der wir unseren früheren Hauptfeind, nämlich unsere eigenen Schwestern und Brüder der Ex-NVA, in die Bundeswehr integriert und eine Armee geformt haben. Das war eine spannende und auch geschichtlich betrachtet einzigartige Zeit, die trotz unterschiedlicher Bedingungen gut funktioniert hat.

Und auf einmal befanden Sie sich wirklich im Krieg.

Berger: Anfang der 90er-Jahre begannen die immer intensiver werdenden Auslandseinsätze und der Neuprozess zur Bildung einer Armee im Einsatz. Dies hatte natürlich die Folge, dass wir jetzt den Grundsatz » Kämpfen können, weil kämpfen müssen« verwirklichen mussten.

Wie kann es im Friedensprozess weitergehen?

Berger: Durch die heutigen und künftigen Rahmenbedingungen zur Lösung der Probleme auf dem »Raumschiff Erde« befürchte ich, dass wir davon letztlich nicht mehr richtig wegkommen werden. Wir haben mit Masse nur noch asymmetrische Gegner vor uns, die nicht anders befriedet werden können, weil sie zwischen krimineller und fanatischer Motivation agieren. Die Truppe ist nach wie vor gut. Aber ich habe die Befürchtung, dass immer mehr betriebswirtschaftliche Dinge in den Vordergrund treten und nicht das, was eine Armee ausmacht: Kohäsion und Kameradschaft.

Sie waren ja auch mehrfach in Kriegseinsätzen. Wie verarbeitet man das?

Berger: Keiner kommt aus einem Krisengebiet so heraus, wie er hingegangen ist. Da müssen die Soldaten nicht einmal beschossen oder in die Luft gesprengt werden. Da reicht schon die Armut der Menschen, das zerstörte Land, die dahin siechende Infrastruktur, ein fehlendes funktionierendes Staatswesen und so weiter. Und das 24 Stunden am Tag wochen- und monatelang.

Viele Jahre waren Sie auch Vorgesetzter der Spitzensportler in der Bundeswehr.

Berger: Ich war insgesamt in unterschiedlichen Hierarchieebenen und zeitlich mit Unterbrechungen fast 18 Jahre Disziplinarvorgesetzter der Spitzensportler der Sportfördergruppen im Berchtesgadener Land. Über die Jahre hinweg habe ich natürlich die Spitzensportler von ihrer frühesten Jugend an kennengelernt. Peter Angerer, Fritz Fischer, Georg Hackl, Christoph Langen, Peter Roth oder Markus Wasmeier waren Gefreite oder Unteroffiziere, als ich deren Vorgesetzter wurde. Die Beförderung von Georg Hackl zum Oberfeldwebel fand zum Beispiel beim damaligen Leiter Elmar Raab am BGS-Stützpunkt Kühroint statt. Im Laufe der Zeit wurden aus Untergebenen auch persönliche Freunde.

Bei Spitzensportlern wird es wohl keine disziplinären Probleme gegeben haben.

Berger: Außer Kleinigkeiten gab es nichts Schlimmes. Sportler wissen ja schon aus ihrer Tätigkeit heraus, dass man ohne feste Ziele und entsprechende Lebensweise nichts erreichen kann. Ich war gerne Disziplinarvorgesetzter der Sportsoldaten und habe auch immer die Organisationskomitees in der Region bei Veranstaltungen unterstützt.

Sie sind Ende November in der Münchener Staatskanzlei feierlich in den Ruhestand versetzt worden. Wie gelingt es, von 100 auf null zurückzuschrauben?

Berger: Ich bin nicht auf null zurückgegangen und auch nicht in ein tiefes schwarzes Loch gefallen. Dadurch, dass ich spät im Jahr entlassen worden bin, gab es genügend Schreibarbeit, mich von allen Dienststellen, Kameraden und Freunden zu verabschieden. Nach den Feiertagen begannen ja sofort die großen Sportveranstaltungen, die ich nach wie vor verfolge. Und so hatte ich bis zum heutigen Tag keine Sekunde Langeweile.

Was machen Sie sonst noch?

Berger: Ich engagiere mich freiberuflich, halte Vorträge, nehme an Vorträgen, Seminaren sowie Symposien teil und berate auch im Event-Management. Dabei habe ich unterschiedliche Partner aus Industrie und verschiedenen Institutionen, für die ich tätig bin. Aber mein »Raum-Zeit-Kontinuum« bestimme ich jetzt selbst, was sehr angenehm ist. Und ich komme endlich wieder dazu, Sport zu treiben. Christian Wechslinger