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Vorplatz-Debakel trübt die Stimmung

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Alles neu rund um das Berchtesgadener »Haus der Berge«. Der Naturstein wurde nun durch Asphalt ersetzt. (Fotos: Pfeiffer)
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Der Chef im »Haus der Berge«, Ulrich Brendel, ist nicht zufrieden, dass nach dreieinhalb Jahren bereits Änderungen auf dem Vorplatz stattfinden müssen.

Berchtesgaden – Fehlplanung oder doch nur blöder Zufall? Eins ist zumindest sicher: Das »Haus der Berge« hat seinen ersten öffentlichen Aufreger. Nur dreieinhalb Jahre nach Eröffnung müssen die Vorplätze vor dem Haupteingang sowie der angrenzenden Gastronomie ausgetauscht werden. Der einst viel gepriesene Naturstein aus St. Koloman entpuppte sich an dieser Stelle als Reinfall. Den Steuerzahler kostet das nun eine sechsstellige Summe.


Natürlich ist man am Ende immer schlauer. Meistens ist es dann aber zu spät. So geschehen beim »Haus der Berge«. »Wir haben den Versuch gewagt, mit regionalem Gestein einen guten Vorplatz hinzubekommen«, sagt Ulrich Brendel, der Leiter des Nationalparkzentrums. Naturstein aus dem österreichischen St. Koloman war vor dem »Haus der Berge« verbaut worden. Die Wahl des Steines sei ohne Gegenstimme ausgefallen, erzählt Brendel rückblickend. Das Staatliche Bauamt Traunstein mit Baudirektorin Doris Lackerbauer, Vertreter der Gemeinde und Nationalparkmitarbeiter seien sich damals einig gewesen, den St.-Koloman-Stein auf dem Vorplatz zu verwenden.

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»Natürlich kann man, wenn man ungünstig hängen bleibt, stürzen«, sagt Doris Lackerbauer, die für den Hochbau zuständige Direktorin des Staatlichen Bauamtes. »Eine Restgefahr war da.« Zweifel gab es dann aber von keinem der Beteiligten, die im Vorfeld bereits an einer Besichtigung zur Wahl der zu verwendenden Materialien teilgenommen hatten. Kritiker von damals, die den unebenen Untergrund wegen seiner Nachteile bei der Schneeräumung und der Barrierefreiheit angemahnt und Bedenken an der Gesteinswahl geäußert hatten, blieben ungehört. Ulrich Brendel, der »Haus der Berge«-Chef, sagt, dass sich die Steinplatten »anders verhalten haben, als wir es erwartet hatten.« Schichtweise seien einzelne Bereiche abgesplittert. Die Gründe seien vielfältig: Frost und eindringendes Wasser haben in jedem Fall dafür gesorgt, dass der Vorplatz zur Tortur für so manchen wurde. In Sachen Winterdienst sei man mit dem unebenen Naturstein ebenfalls unzufrieden gewesen, heißt es aus der Nationalparkverwaltung.

Diese erkannte dann auch das Problem vor dem eigenen Haus. »Wir mussten etwas ändern«, sagt Ulrich Brendel, der selbst unzufrieden mit der Situation ist. Schließlich lässt die Tatsache, dass nach dreieinhalb Jahren zwei große Vorplätze an einem nigelnagelneuen Gebäude ausgetauscht werden müssen, die Planer in keinem guten Licht dastehen. »Wir sind schon davon ausgegangen, dass uns der Naturstein bessere Dienste erweist«, sagt Ulrich Brendel heute. »Fachleute haben uns den Stein empfohlen und wir haben zugestimmt.« Fachleute vom Staatlichen Bauamt Traunstein.

Doris Lackerbauer sagt, dass kein Fehler vorliege und der Ausbau der Vorplätze eine gewollte Sache seitens des Nationalparks Berchtesgaden sei. »Wenn es nach dem Staatlichen Bauamt Traunstein geht, hätten wir die Steine da gelassen, wo sie waren. Wir stehen noch immer zum Naturstein und brauchen uns nichts vorwerfen.« Eine Empfehlung für einen Komplettausbau habe das Bauamt in Traunstein nicht gegeben – im Gegenteil. Die Nationalparkverwaltung sei es gewesen, die die Entscheidung alleine getroffen habe.

200 000 Euro, so Ulrich Brendel, habe die Maßnahme, die in den letzten Tagen durchgeführt worden war, gekostet. Die damals teuer verlegten St. Koloman-Steine mussten entnommen und abtransportiert werden. Eine heimische Firma hat nun den Bereich vor dem Haupteingang asphaltiert.

Wer verantwortlich ist für das Debakel mit dem brüchigen Stein, ist nicht geklärt. Ulrich Brendel sagt, dass das Staatliche Bauamt Traunstein für alle Fragen zur Causa zur Verfügung stehe. Beim Staatlichen Bauamt verweist man – natürlich – auf die Nationalparkverwaltung. Kilian Pfeiffer