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Wald weg, Frust da

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Neue Wege, wo man nur hinschaut, über ein Hektar Wald, der nun weg ist. Forstamtmann Otto Ertl sagt, die Aktion sei rechtens, Anwohner haben nun trotzdem Anzeige erstattet. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Ein Hektar Wald ist weg. »Unangemessen« sei das alles, sagt Peter Zimmermann. Eine »Naturzerstörung« obendrein, sagt der Anwohner des Rabensteinerweges. Allerdings ist das Grundstück unweit davon im Besitz einer heimischen Baufirma. Forstamtmann Otto Ertl sagt, dass alle Bauarbeiten rechtens abgelaufen seien. Nur eine Müllablagerung musste der Waldexperte beanstanden. Trotzdem haben die Anwohner Anzeige erstattet.


Ein Teil der Soleleitung des Salzbergwerks verläuft im Gebiet unweit des Rabensteinerweges. Diese wurde kürzlich erneuert. Daher auch die Waldarbeiten, heißt es von offizieller Seite. »In einem Privatwald ist eine Waldbewirtschaftung natürlich möglich«, sagt Otto Ertl. »Es ist nicht etwa eine Waldbewirtschaftung vorgenommen worden. Es ist vielmehr großflächig abgeholzt worden«, sagt hingegen Peter Zimmermann, dem die Sache sauer aufstößt. Drei Meter breite Straßen waren in der Vergangenheit entstanden, »mehrere Hundert Meter lang«. Außerdem sei »das Gelände mit teils verunreinigtem Aushub von anderen Baustellen aufgefüllt« worden«, heißt es in einem Schreiben, das unter anderen auch an Forstamtmann Otto Ertl gerichtet ist. »Das hat nichts mit Waldbewirtschaftung zu tun, sondern ist in diesem Ausmaß völlig unangemessen und stellt eine Naturzerstörung dar.«

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In einem Ortstermin trafen sich letzte Woche Waldexperte Ertl, zwei Anwohner des Rabensteinerweges sowie zwei Vertreter der Baufirma, um noch offene Fragen zu klären. Allerdings habe der Termin »in keinster Weise zur Klärung beitragen können«, sagt Anwohnerin Klara Zimmermann. Nicht nachvollziehbar seien die Ausführungen von Forstamtmann Ertl, »warum man straßenähnliche Wege anlegen und Stromkabel verlegen muss, um Waldbewirtschaftung betreiben« zu können. Zunächst, so sagen es die Anwohner, war immer nur von einem »selektiven Entfernen kranker Bäume« in besagtem Gebiet gesprochen worden. »Jetzt zeigt sich, dass ein Hektar Wald unter dem Deckmantel der Soleleitungsverlegung platt gemacht wurde, um Gelände für eine weitere Verwendung komplett zu erschließen.«

Erst in letzter Zeit seien »hektisch in Gang gesetzte Maßnahmen« zu erkennen, etwa »dilettantisches Pflanzen von wenigen Setzlingen oder das Entfernen von Müll.« Allerdings, so Klara Zimmermann, könne dadurch der Schaden nicht »ungeschehen« gemacht werden.

Forstamtmann Otto Ertl vom Forstrevier Berchtesgaden, bestätigte der Heimatzeitung telefonisch, dass alles in Ordnung sei. Der Wald habe keine Schutzfunktion, die Waldarbeiten seien regelkonform verlaufen – und nun auch weitestgehend abgeschlossen. »Alle Wege, die neu gebaut wurden, wurden angegeben«, so Ertl. Weil es sich um Privatwald handle, könne dieser nach den Vorstellungen des Besitzers genutzt werden. »Die Anwohner wollten den Wald einfach Wald sein lassen.« So einfach funktioniere das aber nicht. Die Bäume könnten ohne Weiteres eingeschlagen und verkauft werden, sagt Ertl. Beanstandungen gab es von seiner Seite trotzdem: »Es wurde Material abgeladen, etwa Rohrteile, die dort nicht hingehören.« Die Baufirma habe diese aber bereits wieder entfernt.

Klara Zimmermann ist grundsätzlich anderer Meinung, und sauer, weil die Anwohner im Vorfeld nicht informiert worden waren: »Sollte ich vor Ort feststellen, dass weiter abgeholzt oder aufgeschüttet wird, werde ich sofort die Polizei rufen. Kilian Pfeiffer

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