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Wann ist Weihnachten?

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Ehrenamtliche der Tafel bereiten die Adventsfeier vor. Fotos: privat
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Nikolaus-Säckchen für die Tafel-Kinder, liebevoll zusammengestellt vom Ramsauer Familienkreis.

Berchtesgaden - Worauf warten eigentlich heute Menschen im Advent? Vom katholischen Ordensgeistlichen Phil Bosmans gibt es den berührenden Satz: »Um im Advent glücklich zu sein, brauchst du Licht und Wärme.« Licht gäbe es in den erleuchteten Straßen, Geschäften und Weihnachtsmärkten genug - aber ohne Geld fühlt man sich da schnell ausgeschlossen. Und Wärme? Wenn man allein ist? Die Ehrenamtlichen der »Berchtesgadener Tafel« wissen um die Problematik dieser so emotionalen Zeit für viele Tafel-Gäste. Gemeinsam mit fast 40 Sponsoren und vielen privaten Unterstützern des Tafel-Vereins gibt es deshalb neben der samstäglichen Lebensmittel-Verteilung besondere Aktionen im Advent.


Begonnen hatte der Advent auch in diesem Jahr mit einer festlichen Tafel-Adventsfeier (der »Berchtesgadener Anzeiger« berichtete) für Tafel-Gäste, Ehrenamtliche und Ehrengäste, die den Herzen das so wichtige Licht und die Wärme geben konnte. Und einen Nachmittag lang Geborgenheit und das Gefühl, dazuzugehören. Neben Nikolaus-Päckchen für die Tafel-Kinder, liebevoll zusammengestellt vom Ramsauer Familienkreis, konnten danach auch Extra-Säckchen für die Erwachsenen verteilt werden sowie Gutscheine, gesponsert von einer großherzigen Privatperson. Sich dann endlich einmal zum Beispiel die Handcreme kaufen zu können, die man schon lange gerne gehabt hätte - das eröffnet einen kostbaren Freiraum jenseits der alltäglichen Abhängigkeiten.

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Um auf diese Weise an Menschen Licht und Wärme und eine ganz reale Alltagsunterstützung weitergeben zu können, dazu braucht es vor allem Ehrenamtliche, die sich in ihrer Freizeit engagieren, und großzügige Sponsoren vor Ort, bei denen jeden Samstag Lebensmittel abgeholt werden können zur Verteilung. Um die Winterszeit werden auf diese Weise mehr als 100 Personen aus dem Berchtesgadener Talkessel pro Woche mit Grundnahrungsmitteln versorgt. Das sind zum Beispiel alleinstehende Frauen, junge wie ältere, die sich vor allem um ihre Kinder sorgen, die von vielem ausgeschlossen sind; das sind Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, aber durch Krankheit oder schlimme Situationen aus der Bahn geworfen wurden und jetzt auf Hartz IV angewiesen sind und kaum über die Runden kommen. Das sind allein lebende Männer, Rentner, denen oft nur sehr wenig zum Leben bleibt.

Und dann kommen gerade im Advent zusätzlich hilfsbereite Einheimische vorbei und bringen köstliche rote Nikolausäpfel mit oder Wolle für eine Frau, die gerne strickt. Oder sie spenden ohne großes Aufheben Geld: »Ihr wisst ja am besten, was ihr für die Leut' braucht.« Davon können Lebensmittel gekauft werden, die selten oder nie verteilt werden. So gibt es im Advent Eier und Butter zum Backen und geschenkte Rehstücke als Braten für die Feiertage. Auch Kaffee und ein einfaches Paket Waschmittel sind in dieser Zeit hoch geschätzte Gaben, um den ohnehin knappen Geldbeutel zu entlasten. Da Kinder aber zu Weihnachten auch auf Geschenke warten, gibt es heute, am Samstag vor Weihnachten, für jedes Kind ein Geschenkpäckchen, die in diesem Jahr dankenswerterweise die Grundschule Ramsau gepackt hat. (Wir kommen in einer der nächsten Ausgaben darauf zurück.)

Bedürftig zu sein, also fremder Hilfe zu bedürfen, tut weh und beschämt. Und macht einsam. Damit wenigstens am Heiligen Abend das Alleinsein und das Ausgeschlossen-Sein durchbrochen werden können, bietet der 1. Tafel-Vorsitzende Eduard Landes auch in diesem Jahr wieder eine Weihnachtsfeier für alleinstehende Tafel-Gäste an, zusammen mit seiner Frau Ruth. Dieser festliche Abend mit gemeinsamem Essen und mit vielen Kerzen, mit Geschichten und mit Reden wird auch dankbar angenommen. Denn worauf warten wir alle eigentlich immer noch im Advent? Auf Licht und Wärme, denn beides brauchen Menschen mehr denn je: Um im eigenen Leben Sinn sehen zu können und um mit offenem Herzen dann Weihnachten feiern zu können. Denn »Gott ereignet sich zwischen Menschen«, so hat es die Theologin und Germanistin Dorothee Sölle beschrieben. Und dann ist Weihnachten! UKw