weather-image
22°

Warten auf den Gast

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Leere Betten, leere Kasse: Der verregnete Sommer verleitet viele Urlauber dazu, ihre Zimmerreservierung kurzfristig abzusagen. Foto: dpa

Berchtesgaden – Hochsaison, Hochbetrieb in Hotels und Pensionen. Aber: Der kalte, verregnete Sommer sorgt dafür, dass viele Urlauber kurzfristig absagen. Das bereitet gerade kleinen Beherbergungsbetrieben massive Probleme. Der »Berchtesgadener Anzeiger« zeigt, was einem als Zimmervermieter so alles passieren kann und wie man den plötzlichen Einnahmeausfällen vorbeugen kann.


Eine Vermieterin aus dem Talkessel, die lieber anonym bleiben möchte, ist ziemlich sauer. Im November hat sie eine Anfrage für ihre einzige Ferienwohnung erhalten. Zwei Wochen im August. Also hat die Frau einen unterschriebenen Mietvertrag in doppelter Ausführung per Post an die Interessenten geschickt. »Ich mache das immer so«, sagt die Vermieterin. Einen davon hat das Urlauberpaar unterschrieben an die Berchtesgadenerin zurückgeschickt. Der Vertrag beinhaltet eine Klausel, die eine zehnprozentige Vorauszahlung des Gesamtbetrags bei Buchung fordert. »Leider habe ich nicht kontrolliert, ob das Geld gekommen ist«, gibt die Vermieterin zu.

Anzeige

Nicht gekommen sind auch die Gäste. Seit Samstag wartet die Frau auf deren Ankunft. Da sie keine Telefonnummer der Urlauber hatte, recherchierte sie im Internet. Doch auch da: Fehlanzeige. Die daraufhin kontaktierte Telefonauskunft konnte der auf dem Vertrag angegebenen Adresse keinen passenden Namen zuordnen.

Verärgert und ratlos wandte sich die Vermieterin an die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK). Dort ist man allerdings in solchen Fällen vorsichtig. »Wir dürfen keine Rechtsauskunft geben«, erklärt Gästeservice-Leiterin Claudia Schülein. »Wir können da nur empfehlen, das Zimmer oder die Ferienwohnung wieder als frei zu melden.«

Das hat die betroffene Vermieterin auch getan. »Ich werde nun die zwei Wochen warten und dann eine Rechnung über diesen Zeitraum rausschicken.« Natürlich ohne Kurtaxe und Endreinigungskosten. Sollte die Rechnung nicht beglichen werden, will die Frau einen Rechtsanwalt einschalten. »Ich vermiete jetzt seit 25 Jahren«, erzählt die Berchtesgadenerin. »Aber gerade heuer habe ich schon zwei so komische Fälle gehabt.«

Kein Wunder: Ist das Wetter schlecht, haben viele keine Lust mehr auf den bereits gebuchten Urlaub. Ein Phänomen, von dem nicht nur Beherbergungsbetriebe im Berchtesgadener Land betroffen sind. »Gerade bei Online-Buchern spielt das Wetter eine große Rolle«, weiß die Mitarbeiterin eines heimischen Reisebüros, die ebenfalls lieber anonym bleiben möchte. »Kurzfristige Stornierungen werden immer häufiger«, sagt sie.

Doch Stornierung ist nicht gleich Stornierung. Rechtliche Vorgaben gibt es für diesen Fall nicht. Jedes Unternehmen hat dafür deshalb seine eigenen Spielregeln. »Die Stornofristen sind sehr unterschiedlich«, stellt die Reiseexpertin klar. Prinzipiell gilt: »Stornieren kann man immer. Die Frage ist nur, wie viel es kostet.« Bei manchem Online-Portal fallen 24 Stunden vor Reiseantritt kaum Kosten an, manche Premiumanbieter lassen sich eine Stornierung eine Woche vorher teuer bezahlen. »Die Bedingungen gibt immer das Hotel oder die Pension vor«, weiß die Fachfrau. Noch eine Faustregel: Je billiger das Sonderangebot, desto teurer die Stornogebühren.

Auch bei der Reiserücktrittsversicherung gibt es zwei wichtige Punkte zu beachten. »Sie greift nur im Krankheitsfall. Und nur dann, wenn ein ärztliches Attest vorliegt«, weiß die Expertin. Seit Kurzem angebotene sogenannte Flex-Versicherungen, die auch bei beruflicher Verhinderung gelten, sind jedoch ziemlich teuer.

Die Reisefachfrau rät den Inhabern kleiner Beherbergungsbetriebe, die Rahmenbedingungen des Aufenthalts schriftlich genau zu fixieren. Als Stornierungsgebühren ist zum Beispiel bei einer Absage vier Wochen vorher eine Zahlung von 10 Prozent des Zimmerpreises üblich. Zwei Wochen vorher können es dann 20 Prozent sein. Und: »Das Wichtigste ist gegenseitiges Vertrauen«, sagt die Expertin. Christian Fischer