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Was macht der Luchs, wo will er hin?

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Wildtierkameras sind mit einem Bewegungssensor ausgestattet. So kam am 2. Dezember das erste Foto eines Luchses im Landkreis Berchtesgadener Land zustande. (Foto: privat)
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»Ein Luchs passt nicht mehr zu uns«, sagt Bezirksalmbauer Stanggassinger. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgadener Land – Verunsicherung herrscht bei den heimischen Jägern und Almbauern, nachdem erstmals im Landkreis Berchtesgadener Land von einer Wildtierkamera ein Luchs fotografiert worden war (wir berichteten). Während der Bayerische Jagdverband die hiesigen Jäger dazu auffordert, die Augen offen zu halten, um Informationen über das Wanderverhalten der Raubkatze zu bekommen, sind die Almbauern bereits in Sorge. »So ein Tier passt nicht mehr hier her«, sagt Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger aus Bischofswiesen.


Die mit einem Bewegungssensor ausgestattete Wildkamera eines heimischen Jägers hatte am 2. Dezember im südwestlichen Landkreisteil ausgelöst und deutlich einen Luchs abgelichtet. Solche Kameras sind bei Jägern sehr beliebt. Sie dürfen überall dort angebracht werden, wo keine Menschen zu erwarten sind und deshalb die datenschutzrechtlichen Vorgaben eingehalten werden. »Die Jäger können dadurch wertvolle Hinweise darüber erhalten, wo sich welche Tierarten aufhalten«, sagt Thomas Schreder, Vorsitzender des Regierungsbezirks Oberbayern und Präsidiumsmitglied im Bayerischen Jagdverband.

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Seine Kollegen Hans Niederberger und Hans Berger vom der BJV-Kreisgruppe Berchtesgadener Land rufen die heimischen Jägerinnen und Jäger auf, die montierten Wildkameras regelmäßig zu kontrollieren und bei den Pirschgängen aufmerksam zu sein, um weitere Informationen über die scheue, ganzjährig geschützte Katze zu bekommen. Schließlich ist die Frage der Herkunft des fotografierten Luchses auch für die oberbayerischen Jäger von großer Bedeutung. Thomas Schreder: »Für uns ist es sehr wichtig, herauszufinden, welche Wanderwege dieser Luchs hinter sich gebracht hat, bis er ins Berchtesgadener Land gekommen ist. Anscheinend ist die Ausbreitung der Luchse doch über weitere Distanzen möglich. Ich hoffe, dass wir schnell Informationen darüber erhalten können.«

Nicht nur die Wanderbewegungen des Luchses sind für die Jäger interessant, auch das Verhalten der Wildtiere nach einer Begegnung mit dem Luchs wollen die Jäger genau beobachten. Bislang ist die Raubkatze im Landkreis aber nicht mehr aufgetaucht. Offiziell ist nicht einmal bekannt, wo genau der Luchs fotografiert wurde. »Das Landesamt für Umwelt gibt hier richtigerweise nur sehr kryptische Informationen heraus«, sagt Andreas Scheuer, für den der Schutz des Tieres außer Frage steht.

»Keine Hysterie« will beim Thema Luchs Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger vom Zaun brechen. Trotzdem sieht der Bischofswieser das Auftauchen der Raubkatze sehr kritisch. »Ein Luchs kann Schafe erschrecken und Lampln reißen«, befürchtet Stanggassinger. Weil das Wildbret richtigerweise weniger geworden sei, werde sich das Tier nach Ersatznahrung umsehen, prognostiziert der Almbauernvertreter. »Rinder auf der Alm könnten durch das Auftauchen des Tieres so verschreckt werden, dass sie nurmehr schwer zu finden sein werden«, sagt der Bischofswieser. Der ist auch allgemein der Ansicht, dass ein Luchs nicht mehr in die Region passe. Mit dem Freizeitverhalten der Menschen sei es auch in der Natur zu eng geworden, hier werde sich der Luchs nicht mehr wohlfühlen.

Kaspar Stanggassinger geht nicht davon aus, dass ein einzelner Luchs Probleme bereiten wird. »Momentan muss man nichts unternehmen. Wenn es aber mehr Tiere werden, könnte es schon schwierig werden«, vermutet der Bischofswieser. Ulli Kastner