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Was macht eigentlich Lisa Buckwitz?

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Nach der olympischen Goldmedaille will sich Lisa Buckwitz in Berchtesgaden zur Bob-Pilotin ausbilden lassen. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Die BMW IBSF Bob-Weltcupserie 2018/19 ist bereits in vollem Gang, aber eine deutsche Athletin fehlt im Weltcup-Geschehen – Lisa Buckwitz. Sie gewann im Februar 2018 bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang zusammen mit Pilotin Mariama Jamanka olympisches Gold und bescherte dem deutschen Frauenbob nach einer 12-jährigen Pause erstmals wieder einen Olympiasieg. Nach den Spielen begann die 24-Jährige im Herbst 2018 die Ausbildung zur Bob-Pilotin, die sie überwiegend am Stützpunkt Berchtesgaden absolviert. Das ist auch der Grund, warum sie seit dieser Saison für zwei Vereine startet – für ihren »Heimatverein« SC Potsdam sowie für den WSV Königssee.


Beim BMW IBSF Bob- und Skeleton-Weltcup am Königssee vom 11. bis 13. Januar 2019 ist die Berlinerin zwar nicht als Anschieberin am Start, doch bei den Trainings- und Weltcupabfahrten im Spurbob mit von der Partie. Im Interview erzählt Buckwitz, wie es ihr in ihrer neuen »Heimat« Berchtesgaden gefällt und warum sie sich nach dem Gold-Triumph in Pyeongchang für die Ausbildung zur Bob-Pilotin entschieden hat.

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Frau Buckwitz, Sie haben vor Kurzem die Ausbildung zur Bob-Pilotin begonnen. Wie ist es zu dieser Entscheidung gekommen?

Lisa Buckwitz: Ich wollte eigentlich schon vor den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi mit der Piloten-Ausbildung anfangen, aber da es damals nur noch zwei Jahre bis zu den Spielen waren, war die Zeit viel zu knapp. Zu der Zeit bin ich in La Plagne in Frankreich schon einmal Monobob gefahren, das hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe mich dann entschieden, die Spiele in Pyeongchang erst einmal abzuwarten und dort noch als Anschieberin und Bremserin zu starten. Danach war sozusagen der »Cut«, und ich habe die Ausbildung als Pilotin begonnen.

Nachdem ich mit der Goldmedaille in Südkorea als Anschieberin sportlich alles erreicht habe, wollte ich auch einfach wieder etwas Neues ausprobieren. Nicht nur hinten im Bob zu sitzen und anzuschieben, sondern auch als Pilotin ein Team zu führen und zu managen. Dabei hat man viel mehr Adrenalin während der Fahrt, da man alles selber in der Hand hat.

Haben Sie nach dem Olympiasieg nicht doch noch überlegt, weiterhin als Anschieberin zu starten, auch um für die Sponsoren im Winter präsent zu sein?

Buckwitz: Für mich stand definitiv fest, dass ich nach den Spielen die Piloten-Ausbildung beginne und nicht mehr als Anschieberin im Weltcup fahre. Ich wollte auch nicht zweigleisig unterwegs sein – sprich als Anschieberin und Pilotin – da das meiner Meinung nach schwierig ist und nicht funktioniert.

Klar ist es hart, sich neue Sponsoren zu suchen, da ich jetzt wieder bei null anfange und quasi »nur« den Olympiasieg als Anschieberin nachweisen kann. Aber ich denke, dass ich das trotzdem alles hinbekommen werde.

Sie trainieren über den Winter hauptsächlich in Berchtesgaden – dafür sind Sie auch extra hergezogen – und treten nun für den SC Potsdam und für den WSV Königssee an. Wie gefällt es Ihnen denn im südlichsten Teil Deutschlands?

Buckwitz: Ich bin im Oktober das erste Mal nach Berchtesgaden gekommen und in die Bundeswehr eingezogen. Mir gefällt es ganz gut hier, da es landschaftlich ganz anders ist als bei mir daheim. Was mir in Berchtesgaden am meisten fehlt, ist ein Trainingspartner, der mich anspornen könnte. In Potsdam konnte ich immer mit Paul Hensel trainieren, der mich auch bei Olympia begleitet und mir generell sehr weitergeholfen hat. In Berchtesgaden bin ich eher auf mich allein gestellt.

Sie haben bereits einige Abfahrten am Lenkseil hinter sich. Was ist denn der große Unterschied zwischen Pilot und Anschieber?

Buckwitz: Als Anschieber hat man salopp gesagt keine Verantwortung während der Fahrt. Man setzt sich rein, fährt runter und bremst am Ende. Gerade bei den Medien ist man leider auch immer nur die Nummer zwei. Der Pilot hingegen managt das Team, sucht Sponsoren, hat die Kontrolle über den Bob und die Fahrt und sieht, was auf einen zukommt. Man hat die Verantwortung für den Teampartner und für das, was am Ende passiert.

Es heißt ja, dass man erst eine richtige Bob-Pilotin ist, wenn man das erste Mal gestürzt ist. Sind Sie schon eine richtige Bob-Pilotin?

Buckwitz: Ja, ich bin eine richtige Pilotin. Ich bin auch eine richtige Anschieberin, weil ich sowohl als Anschieberin als auch als Pilotin schon gestürzt bin.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Pilotin? Werden wir Sie in dieser Saison bereits bei einem Weltcup fahren sehen?

Buckwitz: Die Ausbildung dauert sehr lange, ich gehe mal von zwei bis vier Jahren aus, bis ich im Bob die richtige Kontrolle habe und ein Gefühl für das Gerät bekomme. Bis jetzt mache ich mich ganz gut, am Königssee und in Winterberg bin ich bereits von oben gestartet. Zwei Bahnen habe ich mir also schon erarbeitet. Es geht voran.

In dieser Saison werde ich weder als Anschieberin noch als Pilotin im Weltcup starten. Bei den bayerischen Meisterschaften am Königssee im März 2019 werde ich das erste Mal dann in einem offiziellen Wettkampf an den Start gehen.

Ist es für Sie seltsam, die Kolleginnen und Kollegen im Weltcup starten zu sehen, ohne selbst mit dabei zu sein? Ist da ein bisschen Wehmut mit dabei?

Als Sportler möchte man natürlich immer bei den Wettkämpfen mitfahren. Ich schaue die Weltcups im Fernsehen an, fiebere mit meinen Teamkameraden mit und freue mich dann auch sehr, wenn sie erfolgreich sind. Natürlich wäre ich auch gerne mit dabei, aber ich bereue meine Entscheidung keineswegs. Wenn man etwas Neues beginnt, muss man am Anfang einfach etwas zurückstecken. Irgendwann wird es auch wieder besser. Lena Renoth