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Watzmann mit einem Strich

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Die Erfinder Paul Geisler (r.) und Fabian Nitschkowski aus Hamburg präsentieren im Haus der Berge die von ihnen entwickelte Zeichenmaschine erstmals der Öffentlichkeit.
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Schaut nicht kompliziert aus, liefert aber beeindruckende Ergebnisse: die ZM3. Die »Grundzutaten« sind kostengünstig zu erwerben, im Hintergrund arbeitet die Software. (Fotos: Nationalpark/privat)

Berchtesgaden – Sie haben die Zeichenmaschine ZM3 erschaffen: Paul Geisler und Fabian Nitschkowski. Die technisch ausgeklügelte Erfindung zeichnet riesige Bilder, teils über Zeiträume von mehreren Monate. Im Haus der Berge entstehen derzeit der Mount Everest oder der Watzmann. Im Interview mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« erklärt einer der Erfinder die Zeichenmaschine.


Sie sind mit Ihrem Kollegen Paul Geisler die Erfinder der Zeichenmaschine. Was kann diese und wie sind Sie auf die Idee gekommen?

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Fabian Nitschkowski: ZM3 ist die dritte Zeichenmaschine, die wir gebaut haben. Der Arbeitsbereich misst drei Meter auf 1,5 Meter. Die erste Maschine bestand aus Schaschlikspießen, Klebeband und ein wenig Elektronik. Die zweite ist ausgefeilter und zeichnet auf DIN A3. Alle drei haben gemeinsam, dass sie den Stift nicht absetzen können und so die Bilder in einem einzigen, langen Strich zeichnen. Dabei sind sie natürlich geduldiger als Menschen: Sie zeichnen sehr genau und das Tage oder Wochen am Stück.

Im »Haus der Berge« zeichnet die Maschine aktuell einen Watzmann mit einem 825 Meter langen, durchgehenden Tintenstrich. Das braucht viel Zeit. Was ist das Besondere an der Maschine, was etwa ein Drucker nicht kann?

Nitschkowski: Bei einem Drucker geht es darum, möglichst schnell und genau eine Reproduktion der Vorgabe zu haben. Die Zeichenmaschine jedoch hat eine ganz eigene Handschrift. Der Weg des Stiftes ist nicht vorherbestimmt, sondern muss von der Maschine jedes Mal neu erarbeitet werden. So können wir gar nicht recht vorher sagen, wie das Bild im Detail aussehen wird. Je länger die Maschine zeichnet, desto klarer nimmt alles Formen an. Es ist ein besonderer Moment, beim Zeichnen dabei zu sein, weil man zusehen kann, wie langsam aus dem Wirrwarr von Linien ein großes Bild entsteht.

Einen Mount Everest soll es ebenso noch geben, geplant ist auch eine Überraschung für Besucher. Dürfen Sie schon Tipps geben?

Nitschkowski: Wir stellen uns oft Dinge oder Orte vor, wie es sie nicht gibt – oder nicht geben kann. Das Haus der Berge oder der Mount Everest sind ja tatsächlich da. Im dritten Bild wollen wir etwas aus einer anderen Welt darstellen. Was genau das sein wird, verraten wir noch nicht.

Wo wird die »ZM3« in Zukunft Verwendung finden?

Nitschkowski: Am 10. Juli eröffnet die Ostrale 2015 in Dresden (www.ostrale.de; Anm. d. Red.). Dort wird die ZM3 in einer Weiterentwicklung bis zum 27. September zu sehen sein. Wir werden der Maschine das Hören und Sehen beibringen. Die Daten der Kamera fließen dann live in die Zeichnung ein. Übrigens wird dort in Dresden in einem Zeitraum von zweieinhalb Monaten nur ein großes, komplexes Bild entstehen.

Was machen Sie und Ihr Kollege beruflich?

Nitschkowski: Oft fragen uns Menschen, ob wir etwas für sie entwickeln können. Meist sind das sehr spezielle Wünsche. Dabei kommen filigrane, komplizierte und oft auch witzige Objekte heraus. Mit Elektronik, gedruckten Kunststoffteilen und Gehirnschmalz können wir sehr vieles entstehen lassen. Manche dieser Auftragsarbeiten sind in Museen in Deutschland – andere reisen umher und waren etwa in China, den USA und Dänemark. Wir arbeiten auch viel im eigenen Auftrag, wie jetzt mit der ZM3. Eine große Zeichnung ist zum Beispiel nach Zürich verkauft worden. Auf unserer Webseite sind einige Ergebnisse aus den letzten Jahren dokumentiert (www.neue-farben.com; Anm. d. Red.). Kilian Pfeiffer